Worpswede im Film


In dem Film „Ich bin ein Elefant Madame“ wird ein stark vergrößertes Ortsschild von Worpswede im Landkreis Osterholz gezeigt. Nun fragen wir uns, wieso spielt dieser Ort so eine große Rolle?

In einer Sequenz ist zu sehen, wie Billa (Maja Eigen) auf Rulls (Wolfgang Schneider) Schultern sitzt, während er auf einem Mofa Schlangenlinien fährt. Diese Szene spielt auf einer langen, von Birken gesäumten Chaussee nahe Worpswede. Eine kurz darauf folgende, extrem lange Einstellung zeigt, wie Billa am gleichen Drehort auf die Kamera zuläuft, bis ihr Gesicht zuletzt in Großaufnahme nur noch verschwommen zu erkennen ist. In einer anderen Szene liegen Billa und Rull nackt in Billas Garten und sagen einen Text auf, der ihre Meinung zu Deutschland klar ausdrückt, denn er endet mit den Worten: „…scheiß Deutschland!“. Währenddessen beobachtet Billas Vater das Geschehen und genießt dabei eine Zigarette. Die Gegenwart des Vaters scheint Billa und Rull nicht im Geringsten zu stören.

Billa verkörpert Worpswede, sie wohnt dort und ist die Tochter eines Künstlers. Sie lebt ihre Sexualität frei aus. Doch sie wirkt viel erwachsener und reifer als ihr Freund Rull. Dies merkt man daran, dass sie das pubertäre Gehabe ihres Freundes oft kritisiert. Die Worpswederin Billa besucht das „Alte Gymnasium“ in Bremen, um dort ihr Abitur zu machen. Somit ließen sich in dem Künstlerdorf gedrehte Szenen in die überwiegend in der Hansestadt spielende Filmhandlung einfügen.


Szenenfoto Ortsschild

In Moritz Rinkes 2010 erschienenem Roman „Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel“ sind die Jahre 1967 und 1968 von besonderer Bedeutung. Der Autor ist in Worpswede aufgewachsen, und dort spielt auch die Romanhandlung. Die Mutter des 1968 geborenen Protagonisten Paul Kück ist die esoterische Johanna Kück. Zwischen ihr und Billa gibt es Parallelen. Johanna ist ebenfalls Tochter eines Worpsweder Künstlers. In ihrer Jugend, 1967, lebt sie ihre Sexualität frei aus und hält sich fast jeden Abend in der „Lila Eule“ auf. Die heute immer noch existierende „Eule“ war Ende der 1960er Jahre ein in Bremen stadtbekanntes Kellerlokal, wo die aufmüpfige Jugend verkehrte und politische Aktionen vorbereitete. Eines Tages, als Johanna Kück nach einem Besuch aus der „Lila Eule“ zurückgekehrt ist, verhält sie sich ihrem Freund Ohlrogge gegenüber sehr verändert. Sie ist kühl und abweisend, packt seine Sachen und schmeißt ihn raus. Sie hat sich neu verliebt.

Worpswede wurde vielleicht auch deshalb neben Bremen als zusätzlicher Drehort gewählt, weil es ein weltbekannter Erholungsort ist und dort sehr viele Künstler lebten und noch immer leben. Möglicherweise wollte der Regisseur deutlich machen, dass es auch in ländlichen Gegenden Konflikte der jungen Generation mit der Elterngeneration gab, sie gegen deren autoritäre Erziehung rebellierte und dass die Unruhen in den großen Städten auch an den Jugendlichen auf dem Lande nicht vorbeigingen. In dem Film sieht man allerdings, dass in Billas Familie die ungenierte Nacktheit für beide Generationen kein Problem darstellt.

Der Drehort Worpswede ist bekannt für die 1889 gegründete Künstlerkolonie, eine Lebens- und Arbeitsgemeinschaft von Künstlern. Dazu zählten berühmte Künstler wie Fritz Mackensen, Paula Modersohn-Becker, Otto Modersohn, Fritz Overbeck, Heinrich Vogeler und etliche mehr.

Künstlerkolonie: Link zur Literaturatlas-Seite
Vogeler: Link zur Geschichtsatlas-Seite

Unsere Gruppe hat viel telefonieren müssen. Wir wollten die Leute befragen, die 1968 in Worpswede lebten und womöglich noch etwas über die Dreharbeiten und die damaligen örtlichen Verhältnisse wissen. Leider mussten wir dann feststellen, dass unsere Quellen uns kaum Auskünfte geben konnten, weil sie entweder nichts mitbekommen haben oder sich nicht mehr erinnern konnten. Daher war es sehr schwierig, einen Zusammenhang zwischen dem Film und dem Ort Worpswede herzustellen.