Thomas Valentin: Biografie


Thomas Valentin, der eigentlich Gerold Armin Valentin hieß, war ein bedeutender deutscher Schriftsteller.
Er schrieb Romane und Erzählungen wie u. a. „ Die Fahndung“, (Roman, 1962), „Die Unberatenen“ (Roman, 1963) und „Nachtzüge“ (Erzählung, 1964).Geboren wurde er am 13. Januar 1922 in Weilburg an der Lahn.
Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte er in Gießen und München Literaturwissenschaft, Geschichte und Psychologie. 1947 bis 1962 war Valentin als Lehrer im westfälischen Lippstadt tätig. Schon ab den 1940er-Jahren hatte er Gedichte und Erzählungen geschrieben. Doch der Erfolg des Romans „Die Unberatenen“ erregte die Aufmerksamkeit des damaligen Intendanten des Bremer Theaters, Kurt Hübner. Hübner gab Valentin im selben Jahr den Auftrag zur Erarbeitung einer Bühnenfassung der „Unberatenen“, zunächst als Autor an dem Bremer Theater, danach – von 1964 bis 1966 – auch als Dramaturg. Für Thomas Valentin war die Dramatisierung seines Romans eine riesige Herausforderung. Dies konnte er nur mit Hilfe des deutsch-britischen Schriftstellers Robert Muller als Co-Autor bewältigen. Das Stück selber wurde 1965 unter der Regie von Peter Zadek uraufgeführt. Das Bühnenbild schuf Wilfried Minks. Valentin und Muller haben in ihrer Bühnenadaption die geschlossene Handlung des Romans in 47 Einzelstücken gefasst. Doch Valentin hat als Dramatiker den Erfolg der „Unberatenen“ nicht wiederholen können. So verließ er 1966 das Bremer Theater wieder, um sich voll und ganz auf seine schriftstellerische Arbeit zu konzentrieren. Aus der zunächst geplanten Zusammenarbeit mit Zadek bei der Verfilmung des Romans „Die Unberatenen“ stieg Valentin wieder aus. Auch hierzu schrieb letzten Endes Robert Muller das Drehbuch. Spätestens seit 1969 kooperierte Valentin auch mit dem Fernsehsender Radio Bremen. Er arbeitete viel an Fernsehspielprojekten, deren Themen, Motiven, Konflikt- und Handlungskonstellationen. Zehn Drehbücher entstanden in den folgenden Jahrzehnten, die das Fernsehen in der kurzen Zeitspanne zwischen 1972 und Valentins Tod im Jahre 1980 mit nicht geringen Erfolg ausstrahlte: „Anna und Totò“ (1972), „Filmriß“ (1975), „Eine Jugendliebe“ (1977) u. v. a. m. Am 22. Dezember. 1980 beging Thomas Valentin in Lippstadt Selbstmord.



Vergleich zwischen Roman und Film

In Valentins Roman „Die Unberatenen“, der erstmals 1963 in Düsseldorf erschienen ist, gibt es viele Gemeinsamkeiten mit dem Film „Ich bin ein Elefant, Madame!“ von Peter Zadek. Im Buch geht es genau wie in dem Film um Rull, der mit der Situation der Schule bzw. mit den Lehrern unzufrieden ist.
Der Handlungsort des Films weicht stark von dem der Romanvorlage ab. Im Film spielt die Handlung im und am „Alten Gymnasium“ in Bremen, und zwar geht es um eine 13. Klasse kurz vor dem Abitur. Das Buch handelt von einer 10. Realschulklasse in einer westdeutschen Kleinstadt, für die vielleicht Lippstadt als Modell gedient haben könnte. Im Film hat Rull ein sehr gutes Verhältnis zu seinem Vater, wovon im Buch nicht die Rede sein kann. Thomas Valentin schildert im Roman, wie Rull und sein Vater sich häufig streiten. Dieser kann nicht verstehen, dass sein Sohn Lehrer werden möchte. Was im Film und im Buch gleich ist, ist, dass Rull und andere Mitschüler von den Lehrern vor der Klasse bloßgestellt werden (Roman, S. 36). Außerdem stimmt überein, dass Rull der Klassensprecher ist und er die Klasse unter Kontrolle hat. In beiden Fällen, d. h. im Buch und im Film,ist er genervt von seinen Mitschülern, weil sie nicht darauf hören, was er sagt, wenn der Lehrer nicht im Klassenraum ist. Was einem sofort in das Auge springt, sind Unterschiede in der Figurenkonstellation. Zum Beispiel spielt im Buch sogar der Hund des Hausmeisters eine kleine, aber wichtige Rolle (Roman, S.150 f). Es kommen noch einige andere Figuren hinzu, die im Roman meist anders als im Film heißen. Die wichtigsten Charaktere sind jedoch im Film wieder zu finden. Ein weiterer Unterschied ist, dass die Lehrer im Roman sich oft im Lehrerzimmer unterhalten und nicht wie im Film auf dem Balkon. Außerdem rauchen die Schüler im Buch sehr häufig im Schulkeller (Roman, S. 17). Wegen Hakenkreuzschmierereien soll Rull sowohl im Roman als auch im Film von der Schule geschmissen werden. Bei Valentin ist allerdings ein Mitschüler der Täter, und sein Geschichtslehrer entlastet ihn, dennoch stimmt die Lehrerkonferenz mehrheitlich für Schulverweis. Der Film zeigt eine Schülervollversammlung, in der über Schulstreik für den Fall abgestimmt werden soll, dass Rull fliegt, doch dieser veräppelt seine Mitschüler, die sich mit ihm solidarisieren wollen. Was im Buch auch überhaupt nicht vorkommt, dafür aber im Film, sind Intimszenen zwischen Rull und seiner Freundin Billa. Im Film wird eine Szene im Garten und eine weitere in einem leeren Raum auf einem Stuhl gezeigt (Film). Der Roman handelt lediglich von männlichen Schülern und ihren Lehrern. Im Buch wird Sexualität nicht direkt erwähnt, es gibt nur kurze Andeutungen (Roman, S.76).
Der größte Unterschied besteht jedoch darin, dass der Roman „Die Unberatenen“ Anfang der 1960er Jahre spielt und der Film 1968. Deshalb haben es die Schüler im Buch viel schwerer, etwas zu erreichen als die Schüler im Film. Dies liegt größtenteils daran, dass ihre Lehrer noch viel stärker von der nationalsozialistischen Vergangenheit geprägt sind und immer noch autoritäre Überzeugungen vertreten. Die Romanhandlung spielt ja einige Jahre vorher. Deshalb ist die Aufbruchstimmung, die im Film schon vorhanden ist, noch nicht wahrzunehmen. Die Schüler im Buch sind es also Vorläufer der Protestgeneration. Im Film jedoch stecken die Schüler schon mitten in einer Bewegung, die wegen ihres Zusammenhalts stärker ist. Daraus folgt, dass die Schüler der Bremer Abschlussklasse viel mehr Macht haben, etwas zu erreichen.