Sexualität in den 1960er Jahren


Da im Film die eine oder andere Nacktszene zu sehen ist und sogar das Vorspiel zum Geschlechtsverkehr gezeigt wird, haben wir uns einmal genauer mit dem Thema „Sexualität in den 1960er Jahren“ befasst. Auch stolperten wir über die FSK-Angabe auf der DVD-Hülle des Films. Das neuere Exemplar gibt als Empfehlung ein Mindestalter von sechs Jahren an, um den Film anzuschauen. haben aber bereits im Vorfeld erfahren, dass die Freiwillige Selbstkontrolle 1969, als der Film in den Kinos anlief, ein Mindestalter von 18 Jahren angesetzt hatte. Weitere Recherche verriet uns, wie streng das Thema „Sexualität“ zu der Zeit gehandhabt wurde.


Unterdrückung

Es wurde auch 1969 noch davon ausgegangen, dass an jedem Ort, an dem Schüler bzw. Jugendliche zusammentrafen, die Gefahr besteht, es könne sich über Sexualität ausgetauscht werden, seien es nur Bilder, die herumgereicht werden könnten, oder man könne gar sexuell aktiv werden. Jene Orte wurden quasi der Möglichkeit, sich zurückzuziehen und ungestört bzw. abgeschottet zu sein, entzogen. Sie standen permanent unter Beaufsichtigung. Bei Orten, die als „besonders gefährlich“ galten, was das eben Genannte betrifft, wurde häufig das Mittel des Überraschungseffekts genutzt, um die Schüler/Jugendlichen so zu sagen auf frischer Tat zu ertappen, falls sie gegen die damaligen Vorschriften verstoßen hätten. Während des Unterrichts musste strikt das Licht anbleiben. Es wurde mit akribischer (fast paranoider) Ernsthaftigkeit davon ausgegangen, dass Triebfreiräume entstehen können, wo immer der Blick der Kontrolle nicht hinreichte. In „Ich bin ein Elefant, Madame“ wird diese Unterdrückung in einer kurzen Einstellung besonders deutlich: Drei jüngere Schülerinnen sitzen nebeneinander auf der Mädchentoilette. Die Kabinen lassen sich nicht abschließen, weil die Türen fehlen. Das Mädchen in der Mitte sagt: „Wenn ich Direktor wäre, würde ich bestimmen, dass die kleinen Mädchen auch aufs Große-Mädchen-Klo dürfen.“ Ihre rechte Nachbarin antwortet: „Warum? Dann können wir uns verstecken.“


Mädchentoilette im Alten Gymnasium



Die „Sexwelle“

Weil vor dieser so genannten „Sexwelle“ Sex vor der Ehe sowieso tabu war, wurde die Jugend nicht aufgeklärt, und einige, die trotzdem Sex hatten, tappten somit im Dunkeln. So kam es dazu, dass zahlreiche Mädchen schwanger wurden. Viele davon, ca. eine Million, trieben aus der Not illegal ab. Laut „Stern“ endeten ca.15.000 von diesen lebensgefährlichen Abtreibungen tödlich. Jegliche Art von Werbung für Verhütungsmittel war verboten, es gab sogar ein Gesetz, das Familienangehörigen, Bekannten und sogar Vermietern verbot, Paaren, die nicht verheiratet waren, Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. „Sexwelle“ wird die Ära in der Mitte der Sechziger genannt, wo erstmals Nacktheit und Sexdiskussion in der Öffentlichkeit auftauchten. So richtig durchsetzen konnte sie sich erst ca. 1966 und fand 1968 ihren Höhepunkt, als absolut nichts mehr nicht mit Sex in Verbindung gebracht wurde. Einige Skandale waren daran mitverantwortlich, zum Beispiel die in Aufklärungsfilmen von Oswald Kolle gezeigten Nacktszenen, der Kinsey-Report, der das Sexualverhalten der Amerikaner untersuchte, und auch Ingmar Bergmans Film „Das Schweigen“, in dem ein Geschlechtsverkehr gezeigt wurde. Die erste Antibabypille kam 1960 auf den amerikanischen Markt und erregte Aufsehen. Nun konnten die Frauen ohne Bedenken ihre Sexualität genießen und sich bewusst für oder gegen ein Baby entscheiden. Auch dieses neue Verhütungsmittel trug zur sexuellen Revolution bei. Die Jugend konnte, nachdem sie ihr Elternhaus verlassen hatte, auch daran gehen, ihre Neugier und Unwissenheit zu beseitigen. Auch die Presse und die Industrie erkannten, dass „Sex sells“. Redakteure brachten Sex auf die Titelblätter, nackte Frauen in Badewannen warben für Shampoo. Alles veränderte sich.