Die Bremer Schülerbewegung 1968


Im Film „Ich bin ein Elefant, Madame“ wird in mehreren kurz aufeinander folgenden Einstellungen auf Straßenbahnblockaden im Januar 1968 angespielt, und auch das berühmte „Faltblatt a“, das zur Relegation von drei Bremer Schülern führte, wird mehrere Sekunden lang im Original gezeigt. Den Hintergrund bildete die Bremer Schülerbewegung 1968.


Straßenbahnunruhen

Die junge Generation war Ende der 1960er Jahre nicht mehr bereit, Dinge wie den Vietnamkrieg, die Große Koalition in Bonn, drohende Einschränkung der Grundrechte, Rechtsextremismus und das mangelnde Verständnis vieler Erwachsener hinzunehmen. Aus diesen und anderen Gründen kam es zu erheblichen Protesten. Am 14. Januar trat bei der Bremer Straßenbahn AG eine Erhöhung der Straßenbahntarife in Kraft, die der Senat zuvor genehmigt hatte. Am folgenden Tag waren es erst ein paar Schüler, die dagegen protestierten, am zweiten Tag jedoch schon sehr viele mehr, und Wasserwerfer kamen zum Einsatz. Das geschah auch am 17. Januar, als noch mehr Demonstranten auf den Schienen waren, und ihr Verhalten wurde immer aggressiver. Am vierten Tag der Proteste kam es zu einem Höhepunkt der Gewalt, Polizisten schlugen auf am Boden liegende Jugendliche ein. Nach diesem Vorfall wurden die Rufe nach dem Rauswurf des Polizeipräsidenten laut, der seinen Beamten „Draufhauen und Nachsetzen“ befohlen hatte. Am fünften wie am sechsten Demonstrationstag hielt sich die Polizei im Hintergrund, es gab keinen Verkehr in der Innenstadt. Am 22. Januar solidarisierten sich auf einer Großkundgebung die Arbeiter der Klöckner-Hütte mit den Schülern. Am 24. Januar sorgte Bürgermeister Hans Koschnick dafür, dass die erhöhten Straßenbahntarife zurückgenommen werden. Die Demonstranten erkannten, dass sie viel erreichen können, wenn sie nur wollen. Sie fingen an, sich gegen alles zu wehren, wofür ihre Eltern und das „Establishment“ standen.
Wie es wirklich war Wie es im Film dargestellt wurde

„Faltblatt a“

Das „Faltblatt a“ war eine Schülerzeitung. In dieser Zeitung wurde in einem Artikel bewusst provoziert, und sofort nach ihrem Erscheinen am 16. März 1968 wurde sie beschlagnahmt. Jedoch wurden fast vor jeder Schule Exemplare verteilt. Die Verfasser der Schülerzeitung gingen kritisch mit der Arbeit der Polizei um. Sie forderten den Rauswurf des Polizeipräsidenten von Bock und Polach. Sie erregten Anstoß mit einem Bildnis von Aubrey Beardsley , auf dem drei nackte Männer mit übergroßen erigierten Penissen zu sehen waren. Dazu veröffentlichten sie einen Artikel, der den Titel „Landgraf werde hart“ trug. Sie prangerten darin das „faschistische Verhalten“ des Polizeipräsidenten an, der - das kam noch hinzu - angeblich eine Orgie gefeiert hatte, bei der ein Student zu Tode gekommen war. Die verantwortlichen Redakteure Jörg Streese, Michael Schultz und Christoph Kohler wurden unverzüglich von ihren Schulen geworfen. An anderen Gymnasien konnten sie jedoch ihre Abiturarbeiten schreiben. An fast allen Bremer Gymnasien kam es zu massiven Protesten. Vielfach boykottierten die Schüler den Unterricht. Während der Gerichtsverhandlung gegen Schüler-Redakteure wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen, weil zu viele Besucher gekommen waren.