Interview mit Rolf Becker über die Dreharbeiten und den Film „Ich bin ein Elefant Madame“



Wie sind Sie dazu gekommen, in diesem Film mitzuspielen?

Rolf Becker: Dem Film „Ich bin ein Elefant, Madame“ war im Bremer Theater die Aufführung „Die Unberatenen“ nach dem Roman von Thomas Valentin, ebenfalls von Peter Zadek inszeniert, vorausgegangen. In der Theaterfassung hatte ich eine andere Rolle, die des „Französischlehrers“, gespielt. Da Zadek mich aus jahrelanger Zusammenarbeit kannte, hat er mich im Film besetzt.

Vergleich Roman und Film
Durften Sie sich die Rolle selbst aussuchen oder wurde sie ihnen 'zugeordnet'?

R. B.: Rollen können wir uns in der Regel nie aussuchen. Wir bekommen ein Angebot und sagen Ja oder Nein.

Konnten Sie sich mit Ihrer Rolle identifizieren?

R. B.: Ich versuche mich, wie jeder andere gute Schauspieler auch, mit jeder Rolle zu identifizieren, unabhängig davon, wie ich die Rolle bewerte. Der Werbespruch, XY ist Kommissar Sowieso, ist Blödsinn. Wir spielen, d. h. versuchen uns in Menschen und Situationen hineinzuversetzen. Je besser das gelingt, desto glaubhafter der Schauspieler.

Wie lange und wie oft waren sie an den Dreharbeiten beteiligt?

R. B.: Ich hatte, der Rolle entsprechend, nur wenige Drehtage, hinzu kamen Verständigungsproben, auf denen besprochen wurde, worauf es beim jeweiligen Drehtag ankam.

Wie sind die Dreharbeiten verlaufen (Mustertag)?

R.B.: „Mustertag“, ich weiß nicht, was Sie damit meinen. Ein Casting, also ausprobieren, ob jemand geeignet, oder nicht geeignet für eine Rolle ist, gab es nicht, Zadek kannte seine Schauspieler und wusste, was er wollte.

Meinen Sie, dass die Charaktere der Schauspieler gewissermaßen zu den Rollen passten?

R. B.: Der “Charakter“ des Schauspielers muss nicht zur Rolle passen. Die Frage ist, ob er die Rolle spielen kann. Ein Regisseur wie Zadek kann das gut einschätzen.

Haben Sie noch Kontakt zu Leuten, die am Film beteiligt waren?

R. B.: Nur gelegentlich, wenn es sich aus der Arbeit ergibt.

Gefällt ihnen der Film?

R. B.: Der Film ist ein wichtiges Dokument aus der Zeit der so genannten 68er, den Jahren der Schüler- und Studentenunruhen. Insofern hat er auch für mich einen gewissen Stellenwert, obwohl es andere Filme aus dieser Zeit gibt, die ich mehr mag (Godard , „Außer Atem“).

Kritisieren sie etwas an dem Film „Ich bin ein Elefant Madame“?

R. B.: Zadek stellt einer Gesellschaft, die er kritisiert, den Einzelnen gegenüber, distanziert sich aber ausdrücklich von der damaligen Bewegung der Schüler und Studenten, mit der wir uns identifiziert haben. Zitat Zadek (nachzulesen in einem Interview des SPIEGEL von damals): Wenn sich mehr als drei Deutsche im Gleichschritt bewegen, handelt es sich um Faschisten. Der Satz führte etliche von uns zu Auseinandersetzung mit ihm, auch mich. Erst 25 Jahre nach dem Film habe ich wieder mit ihm zusammengearbeitet (1995 am Berliner Ensemble und Thalia Theater Hamburg, „Mondlicht“ von Harold Pinter ). Zu einer Aussprache über unsere Differenzen ist es leider nicht mehr gekommen.

War der weiße Jeep, den sie im Film fahren, Ihr eigener oder war es vorgesehen, dass dieser Wagen im Film gezeigt wird?

R. B.: Der weiße Jeep war mein Fahrzeug damals. Weil es auch bei Demos zum Einsatz kam, war es in Bremen stadtbekannt (niemand im Land fuhr eine in dieser Weise umfunktionierte Maschine, die im olivfarbenen Ton typisch für die Bundeswehr war. So war es für Zadek nahe liegend, sie mit roter Fahne bewimpelt in seinem Film einzusetzen. Dass das in tendenziell denunziatorischer Absicht geschah, ist mir erst im Lauf der Dreharbeiten aufgefallen.

Interview: Mayly Bollwerk, Elena Razetti und Dorina Stelling