Die Dreharbeiten


Die Bremer Tageszeitung „WESER-KURIER“ (WK) berichtete darüber seit dem Drehbeginn am 29. Juli 1968 und danach noch mehrere Male, weil Zadek einen Skandal auslöste. Anfang der Dreharbeiten: Für die Dreharbeiten zu „Ich bin ein Elefant, Madame“ waren 60 Schauspieler und insgesamt 4000 Mitwirkende engagiert worden. Als Drehort diente das „Alte Gymnasium“ in Bremen. Zum Filminhalt berichtete der WK vorab: „Im Mittelpunkt des Films steht die Situation der Schulen, die sich zwar liberalisiert, aber noch keine Lösung gefunden haben, sich dieser Liberalisierung zu bedienen.“ Für eine Szene im Film hatte Zadek angefragt, ob „echte“ Polizisten mitspielen dürfen. Der Bremer Innensenator Franz Löbert (SPD) stimmte zu, nachdem er sich das Drehbuch angese-hen hatte. Allerdings sollten diese Polizisten keine Gage bekommen, sondern die laut Gebührenordnung vorgeschriebenen Sätze pro Mann und Stunde. Es hieß auch, der alte Wasserwerfer dürfe für den Film genutzt werden. Allerdings sah Löbert eine „Gefahr für das Image seiner Beam-ten“ in einer Szene, „in der sich 23 ausgewachsene Polizisten auf einen Schüler in Indianer-kostüm stürzen“ sollten und schlug eine normale Festnahme vor. Bereits am zweiten Drehtag kam es zum Skandal…


Ärger mit Hakenkreuz am Parlament

Für eine Szene des Films wurde eine riesige schmuddelige Zeltplane mit einem Riesen-Hakenkreuz bemalt und am Bürgerschaftsgebäude aufgehängt. „Schüler Rull“ gab sich als „Schmierfink“ mit schwarzer Farbe am Hemd und im Gesicht zu erkennen. Da die Passanten dies für echt hielten, fingen sie an zu diskutieren und wurden nichts ahnend dabei gefilmt. Nach kurzer Zeit kam ein israelischer Tourist vorbei und drang empört auf den „Hakenkreuz-schmierer“ ein. Diese Reaktionen wurden mit versteckter Kamera gefilmt. Auch als das Auf-nahmeteam später Kameras und Mikrofone zeigte, klärte es die Passanten dem WK zufolge nicht auf. Die Kameramänner interviewten die Passanten, die sie für Journalisten hielten. Die Leute ließen sich bereitwillig interviewen, und nach 35 Minuten wurde das Hakenkreuz wie-der eingerollt. Peter Zadek kommentierte diesen Skandal 2007 in einem Interview so: „Ich habe schon ge-ahnt, dass da etwas zustande kommt, sonst hätte ich das wohl nicht gemacht. Das war eine Idee von mir und Muller, und dann hatten wir ein riesiges Glück, das hätte ja auch stinklang-weilig sein können. Als Allererster kam ein Israeli vorbei und bekam fast einen Herzinfarkt, zeigt auf das Haken-kreuz und rief „sechs Millionen, sechs Millionen!“ Besser hätte ich das nicht schreiben kön-nen, wenn man es erfunden hätte. Und dann der Mann, der die Kamera so weg gehauen hat, das war ein Geschenk Gottes, dass er da aufgetaucht war.“ Wegen der Geschehnisse bei den Dreharbeiten am Parlamentsgebäude mussten die Szenen, die die Straßenbahnkrawalle zeigen sollten, ohne Polizei und blockierte Straßenbahn-Triebwagen stattfinden. Allerdings hieß es, dass die Straßenbahn AG mit sich reden lassen würde, falls die Iduna-Filmgesellschaft „einen kompetenter Vertreter“ schicke. Die Begrün-dung, warum die Polizisten nicht an den Dreharbeiten teilnehmen könnten, war, dass gerade Urlaubszeit sei und deswegen nicht genug Polizisten zur Verfügung stünden. Auch die Uni-formen der Polizisten könnten nicht zur Verfügung gestellt werden, da der Kammerbestand nicht ausreiche. Die Polizei wolle nur noch zwei Fahrzeuge, darunter den Wasserwerfer, für die Dreharbeiten zur Verfügung stellen. Der Vorstand der Bremer Bürgerschaft traf sich am 8. August 1968 aufgrund des Ärgers über das Hakenkreuz am Parlamentsgebäude zu einer Sondersitzung. Der Direktor der Bürger-schaft hatte der Filmgesellschaft zwar die Drehgenehmigung erteilt, nun erklärte der Vorstand jedoch: „Wäre der Verwaltung der Bürgerschaft Form und Zusammenhang der Aufnahmen bekannt gewesen, so hätte sie diese verhindert“.

WESER-KURIER, Ausgaben vom 29.7.-9.8.1968 Zadek-Interview 2007.