Waldemar Augustiny


Biografie


Waldemar Augustiny wurde am 19 Mai 1897 in Schleswig geboren und wuchs dort in einer Pastorenfamilie auf. In Kiel, Hamburg und Berlin studierte er Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte. Er arbeitete er in mehreren Berufen und zog dann 1934 in das Künstlerdorf Worpswede um sich dort endgültig als Schriftsteller niederzulassen. Hier schrieb er seine zahlreichen Romane, Novellen, Erzählungen, Sachbücher und Essays. 1980 starb Waldemar Augustiny in Worpswede.

Zu seinem frühen Ruhm trug der 1934 veröffentlichte Roman: „Die Fischer von Jarsholm“ bei. 1942 folgte der zweibändige Roman „Die große Flut“. Dann erschienen zum Beispiel Bücher wie „Die Tochter Trommsees“, „Aber es bleibt die Liebe“ und „Ein Mann wie Simon“. Ein weiterer Schwerpunkt waren Novellen wie „Der Glanz Gottes“ oder „Die schwarze Greet“ und „Bei Nacht erzählt“. Auch Biografien der Malerin „Paula Modersohn-Becker“, des Kollegen „Rudolf Alexander Schröder“ und des Arztes „Albert Schweizer“ sind Teil seiner Werke.


Beurteilung des Buchs „Schöngeist unterm Hakenkreuz“ von Ferdinand Krogmann


In dem Buch „Schöngeist unterm Hakenkreuz“ von Ferdinand Krogmann, erschienen in Jahre 2005 in Weimar, geht es um den angeblichen Nationalsozialisten Waldemar Augustiny.

In diesem Buch stellt Ferdinand Krogmann Untersuchungen über Waldemar Augustinys Nazidasein an und stellt ihn als Nationalsozialisten dar.

Nach dem Interview mit Volkert Augustiny hielten wir es nicht weiter für nötig, das Buch „Schöngeist unterm Hakenkreuz“ zu studieren, da das Buch ein Ergebnis Krogmannscher Fantasie zu sein scheint und für Schüler in unserem Alter schwer verständlich geschrieben ist. Wir haben mehrfach versucht mit F. Krogmann Kontakt aufzunehmen. Dies ist uns leider nicht gelungen.


Interview mit Volkert Augustiny, Sohn von Waldemar Augustiny

Am 14. November 2008 traf sich ein Teil der Gruppe mit Volkert Augustiny, dem Sohn von Waldemar Augstiny, um etwas über seinen Vater herauszufinden.

Wir fragten ihn, ob er die Bücher seines Vaters gelesen habe. Er bejahte und fügte hinzu, dass „Die große Flut" sein Lieblingsbuch sei. Auf die Frage, was sein Vater für ein Mensch gewesen sei, erzählte er, dass Waldemar Augustiny ein herzlicher Mensch war. Er habe den
bodenständigen Humor seines Vaters sehr gemocht. Darüber hinaus liebte Waldemar Augustiny die Natur sehr und arbeitete gerne im Garten.
Er sei ein guter Erzähler gewesen, und die Menschen hörten ihm gerne zu. Durch persönliche Gespräche mit seinem Vater und dessen bestem Freund Max Tau, der ein Jude war, hat er die Lebensgeschichte seines Vaters intensiv aufgenommen. Seine Kreativität und Inspiration, waren einfach angeboren, erzählte uns Volkert Augustiny.

Ein wichtiges Thema in unserem Gespräch war das angebliche Nazitum seines Vaters. Im Mittelpunkt stand dabei der Prozess zwischen Volkert Augustiny und Ferdinand Krogmann. Volkert Augustiny erzählte uns, dass er klagte, da Waldemar sein Vater gewesen sei. Die Dinge, die Ferdinand Krogmann schrieb, entsprächen nicht der Wahrheit. Er berichtete, dass niemand den Prozess verloren, aber auch niemand den Prozess gewonnen habe. Das Gericht war der Meinung, dass er als Sohn nicht das Recht habe, gegen Ferdinand Krogmann zu klagen.
Einer dieser Gründe sei gewesen, dass er nicht eindeutig habe widerlegen können,
dass Waldemar Augustiny ein Nazi gewesen sei. Der Beweis, ein Brief, wurde von Carl Emil Uphoff verfasst und an Waldemar Augustiny geschickt. Dieser Brief liegt uns vor.
Auch uns ist bei dem Gespräch bewusst geworden, dass es keine Gründe gibt, Augustiny einen Nationalsozialist zu nennen.

Nachdem wir länger über den Prozess gesprochen hatten, kamen wir zum Allgemeinen zurück. Auf die Frage, wann sein Vater schrieb, antwortete Volkert Augustiny, dass sein Vater täglich schrieb. Davon habe er schließlich gelebt. Zu guter Letzt stellten wir die Frage, ob die Erzählungen seines Vaters der Wahrheit entsprächen oder Fantasie seien. Daraufhin erzählte er uns, dass die Geschichten vor Allem einen realen Hintergrund haben.

Das Interview war sehr lehrreich und unterhaltsam. Die meisten unserer Fragen beantworteten sich bereits durch das nette Gespräch, das wir führten. Wir bedanken uns herzlich bei Volkert Augustiny und seiner Gattin, die sich uns freundlicherweise zur Verfügung stellten.



Die Novelle „Bei Nacht erzählt“


Die Novelle „Bei Nacht erzählt“ handelt von vier Männern, welche sich in einer Nacht gegenseitig die jeweils aufregendste Geschichte ihres Lebens erzählen. Über zwei dieser Geschichten werde ich im Folgenden berichten.



In der ersten Geschichte, erzählt und erlebt von Schulz, einem Buchhändler, geht es um einen Mann, der einmal aus seinem Alltag herauskommt und dann viel Aufregendes erlebt und dabei neue Seiten in sich entdeckt.


Schulz, ein frommer Buchhändler, führt an sich ein langweiliges Leben. Jeden Tag geht er zu seiner Arbeit in einer Buchhandlung und erlebt ansonsten nicht viel. Aber er ist zufrieden mit seinem Alltag, bis ihm eines Tages sein Chef auferlegt, er solle einmal Urlaub nehmen. Es wäre besser so, meint er, und stellt ihm sein Ferienhaus in Cuxhaven zur Verfügung. Außerdem empfiehlt er, ein Stück der Reise dorthin zu Fuß zurück zu legen.

Anfangs etwas skeptisch, aber dann doch ganz angetan, einmal aus dem Alltag herauszukommen, macht sich Schulz auf den Weg und fährt nach Bremerhaven, um von dort aus über den Deich nach Cuxhaven zu wandern. Es ist Juli und ziemlich heiß, aber das stört Schulz wenig. Erfasst von der Freude des Wanderns, vergisst er alles um sich herum, bis er merkt, dass ihm ganz schwindelig wird.

Er registriert, dass es wohl an der knallenden Sonne und der fehlenden Kopfbedeckung liegen muss und er einen Hitzeschlag erlitten hat. Irgendwie schafft er es, sich zu den Schatten spendenden Bäumen zu schleppen. Durch den Hitzschlag nicht mehr klar denken könnend, fängt er an zu fantasieren, der Tag möge wohl unter der Gewalt böser Geister stehen und er fühle Blut aus seinen Augen und seinem Mund rinnen. Er merkt, dass irgendetwas mit ihm anders ist. Da sieht er ein junges Mädchen am Wegrand sitzen und geht näher heran. Das Mädchen sieht ihn und weicht ängstlich zurück wie ein Opfer, welches das Böse in seinen Augen sieht und nicht mehr fliehen kann. Er, der friedliebende Buchhändler, genießt diesen Augenblick richtig, aber dann ist das Mädchen auch schon verschwunden. Erschrocken über sich selbst und seine Gedanken sinkt er in sich zusammen und schläft ein.

Als er aufwacht, tritt er den weiteren Weg zum Ferienhaus an und kommt gerade rechtzeitig vor Einbruch eines Gewitters an. Wenig später kommen zwei Männer bei ihm vorbei und stellen ihm Fragen. Er bekommt etwas Angst. Die Männer geben sich als Kriminalpolizei aus, es sei ein Mord an einem jungen Mädchen geschehen. Da er auf die Beschreibung des Täters passt, wird er verdächtigt. Die Polizisten telefonieren schließlich mit seinem Chef, um sich ein genaueres Bild von Schulz machen zu können. Der Chef erklärt der Polizei, was Schulz für ein Mensch ist, er sei pflichttreu und gewissenhaft, aber zu keinen Schandtaten fähig. Die Polizei glaubt ihm nun und geht.

Er ist ein wenig verärgert über die Aussage seines Chefs, dass er zu nichts weiter fähig wäre, aber froh, dass die Polizei ihn nun nicht mehr verdächtigt. Außerdem macht er sich Gedanken, ob wirklich nichts weiter zwischen ihm und dem Mädchen geschehen ist und ob er nicht doch der Täter sein könnte. Da klopft es wieder an der Tür, und ein Mann steht vor der Tür, welcher Schutz vor dem Gewitter sucht. Sie unterhalten sich und kommen auch auf den geschehenen Mord zu sprechen. Als der Mann ihm in die Augen sieht, merkt Schulz, dass ihm der Mörder gegenübersitzt. Er wirft ihn raus, da ihm doch nicht ganz wohl dabei ist und überlegt, ob er nun zur Polizei gehen solle. Dann beschließt Schulz aber doch zu warten. Am nächsten Tag möchte er den Urlaub aufgrund der vorgefallenen Geschehnisse abbrechen, aber liest in der Zeitung etwas über einen weiteren Mord an einer Frau, und es würde sich wohl um den gleichen Täter handeln. Nun geht er, sich Vorwürfe machend, warum er nicht früher zur Polizei gegangen wäre, dann würde die Frau vielleicht noch leben, zur Polizei. Die Polizei erklärt ihm aber, der Täter sei bereits gefasst und sitze hinter Schloss und Riegel. Für Schulz waren das nun genug Ereignisse und er fährt nach Hause, um wieder seinen gewohnten Alltag aufzunehmen.



In der zweiten Geschichte geht es um zwei Seemänner in La Rochelle, die wegen einer Verwechslung zweier Geldscheine in Bredouille kommen.


Zwei deutsche Seemänner sind auf Reise und legen mit ihrem Schiff im Hafen von La Rochelle an. Mit 1050 Francs machen sie sich dort auf den Weg, um etwas essen zu gehen und etwas von der Stadt zu sehen. Unterwegs treffen sie auf einen armen Zeitungsjungen, welcher Geld für seine Mutter und seine kranke Schwester sammelt. Sie wollen ihm helfen, aber da für die deutschen Männer der 50-Francs-Schein dem 1000-Francs-Schein sehr ähnlich sieht, geben sie versehentlich dem Zeitungsjungen 1000 Francs.

Die fatale Verwechslung fällt ihnen zunächst nicht auf, und sie gehen ausgiebig in einem teuren Gasthaus essen. Als sie bezahlen möchten, bemerken sie, dass sie nur noch den 50-Francs-Schein besitzen. Sie rätseln, wie sie aus dieser Situation herauskommen sollen. Schließlich schaffen sie es, die Kellner auszutricksen und flüchten in die nächstgelegenen Gassen, um den ihnen hinterher fluchenden Kellnern zu entkommen.

Da bemerken sie, dass sie zufällig im Hinterhof des Hauses des Zeitungsjungen, dem sie versehentlich die 1000 Francs gegeben hatten, gelandet sind. Durch ein offenes Fenster hören sie, wie die Mutter ihren Sohn als einen Dieb beschimpft und verflucht. Da dieses ja nicht stimmt und sie dem Jungen helfen wollen, steigen die beiden Männer durch das Fenster ein und versichern der aufgebrachten Mutter, dass sie dem Jungen das Geld geschenkt haben. Dass es sich mit den Geldscheinen um eine Verwechslung handelt, erwähnen sie nicht.

Die nun dankbare Mutter entschuldigt sich bei ihrem Sohn vielfach und bedankt sich herzlich bei den beiden Männern, was sie doch für gute Menschen seien, und Gott würde sie segnen. Um sich erkenntlich zu zeigen, lädt sie die beiden Männer, welche der überfreundlichen Mutter nichts abschlagen können, zum Essen ein. Nachdem sie gegessen hatten und eigentlich weiter wollen, bemerken sie, dass sie draußen im Hof sitzen und für die Kellner des Restaurants gut sichtbar sind. Da kommt auch schon die Wirtin auf sie zu, die dann auch gleich die beiden Seemänner erkennt und als Diebe beschimpft. Die Mutter des Zeitungsjungen kann dieses nicht fassen, weil die beiden Männer doch so gute Menschen seien und versucht die beiden Männer zu verteidigen. Nach einigem Hin und Her zwischen den beiden Frauen, wobei die beiden Männer gar nicht mehr zu Wort kommen, geben diese zu, dass sie die beiden gesuchten Betrüger sind und erzählen, wie es dazu kommen konnte. Sie entschuldigen sich bei der Wirtin, die ihnen aufgrund ihrer Hilfsbereitschaft gegenüber ihrer Nachbarin verzeiht.

Die Mutter dankt ihnen noch einmal, und die beiden Männer verabschieden sich von den Frauen.