Karl Jacob Hirsch



Karl Jacob Hirsch


Steckbrief“

Name: Karl Jacob Hirsch (Pseudonyme Karl Böttner, Joe Gassner)

Geboren: 13. November 1892 in Hannover

Gestorben: 8. November 1952 in München

Tätigkeit: Maler, Grafiker und Schriftsteller

Religion: Vom Juden- zum Christentum konvertiert



Werdegang:

·        Studium in München, Berlin, Paris
·        1909-1912 studierte in einer München Malschule Malerei
·        1915-1919 Mitarbeiter der Zeitschrift „ Die Aktion“
·        1916-1918 nahm am Ersten Weltkrieg teil
·        1918 Mitarbeiter des „Rates Geistiger Arbeiter“
·        1918 Mitbegründer der Novembergruppe
·        1908-1932 mit Unterbrechungen in Worpswede
·        1934 Emigration in die Schweiz, USA
·        1946 letzter Besuch in Worpswede
·        1948 Wohnsitz in München


Themen und Techniken: Ölbilder, Aquarelle, expressionistische Radierungs- Litho-Folgen mit religiösem Inhalt



Biografie

Der Expressionist Karl Jacob Hirsch war ein berühmter Maler, Grafiker und deutschsprachiger Schriftsteller. Hirsch stammte aus einer jüdischen Familie. Er besuchte in Hannover das Gymnasium. Bereits 1910 fasste Hirsch den Entschluss Künstler zu werden und wechselte vom Gymnasium an die Kunstgewerbeschule Hannover.
Er studierte von 1909 bis 1912 in einer Münchner Malschule Malerei, ging dann aber nach Paris, um bei Maurice Denis zu studieren. Im Jahr 1914 entschloss sich Hirsch nach Worpswede umzusiedeln, wo er – wenn auch mit Unterbrechungen - bis 1932 wohnhaft blieb. Von 1916 bis 1918 nahm er am Ersten Weltkrieg teil. Nach der Novemberrevolution von 1918 war er Mitglied des “Rates Geistiger Arbeiter “ und anschließend der Künstlergemeinschaft  „Novembergruppe“, die revolutionäre und sozialistische Ziele verfolgte. Hirsch, der auch Mitarbeiter der Zeitschrift „Die Aktion“ war, schuf bis Mitte der 1920erjahre neben grafischen Arbeiten eine große Anzahl heute verschollener Gemälde, die ihn als Vertreter der expressionistischen Bewegung auswiesen. Außerdem entwarf er Bühnenbilder und Kostüme für die Berliner "Volksbühne" und schuf die Bauten für eine Reihe von deutschen Filmen. In der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre wechselte er von der bildenden Kunst zur Literatur. Vorwiegend hielt sich Hirsch in Italien und Frankreich auf und lieferte Feuilletons, Reiseberichte und Erzählungen für Zeitungen. Hirsch wurde bekannt durch den satirischen Roman „Kaiserwetter“. Aufgrund seiner jüdischen Abstammung sah sich der Künstler 1933 gezwungen zu emigrieren. Über Zwischenstationen in Dänemark und der Schweiz wanderte er 1935 in die USA aus, wo er weitestgehend journalistisch tätig wurde und unter anderem für jüdische Zeitschriften arbeitete. Nachdem er bereits nach 1945 eine Zeit lang für die U.S.-amerikanische Militärregierung in München tätig gewesen war, kehrte Hirsch 1948 endgültig nach Deutschland zurück und wohnte in München. Seine Hoffnung, an die schriftstellerische Karriere aus der Zeit der Weimarer Republik anknüpfen zu können, zerschlug sich jedoch. Nur noch ein Buch, in dem er seine 1945 erfolgte Konversion zum Protestantismus schilderte, erschien zu seinen Lebzeiten. Hirschs umfangreicher Nachlass, der mittlerweile von der Universitätsbibliothek München verwaltet wird, ist bis heute größtenteils unveröffentlicht.


Werke

Der Schwarze Turm - Acht unveröffentlichte Originalholzschnitte vom Stock gedruckt und ein Nachwort. November-Verlag 1918, Kiel 1919. Nachdruck von Ed. Joseph Hierling,

München 1990, ISBN 3-925435-10-7.

Revolutionäre Kunst. Die Aktion, Berlin-Wilmersdorf 1919.

Acht Radierungen zu Liedern Gustav Mahlers. Dresdner Verlag H. Schilling, Klotzsche bei Dresden 1921.

Kaiserwetter. S. Fischer, Berlin 1931. *

Felix und Felicia. Eine Sommergeschichte. S. Fischer, Berlin 1933 (unter dem Namen Karl Böttner).

Tagebuch aus dem Dritten Reich. New York 1941 (in Deutschland unveröffentlicht).

Heimkehr zu Gott. Desch, München 1946.

Hochzeitsmarsch in Moll. Oberon, Bad Homburg 1986, ISBN 3-925844-01-5.

Quintessenz meines Lebens. v. Hase und Koehler, Mainz 1990, ISBN 3-7758-1211-3.

Der alte Doktor. Roman. Hauschild, Bremen 1994, ISBN 3-929902-18-4.

Das druckgraphische Werk. Worpsweder Verlag, Lilienthal 1994, ISBN 3-89299-175-8.

Karl Jakob Hirsch - die Plakate. PlakatKonzepte, Hannover 1998.

Manhattan-Serenade. Lang, Bern u.a. 2001, ISBN 3-906766-22-5 (=Reihe Exil-Dokumente, Bd. 4).

• Karl Jakob Hirschs letzter Roman
„Einer muss es ja tun“. Ein Manuskript aus der Nachkriegszeit. VDG, Weimar 2003, ISBN 3-89739-375-1.

* wurde 1933 von den Nazis verboten und verbrannt


friedhof
Karl Jacob Hirsch, der trauernde Martin Buber in einem
jüdischen Friedhof, Wasserfarben, 1920

Zum Roman „Der alte Doktor“


Der 1950 in München geschriebene Roman „Der alte Doktor“ beschreibt die Lebensjahre einer jungen Medizinstudentin namens Angela, welche sich als Lebensziel die Eröffnung einer eigenen Arztpraxis vornimmt. Insofern unterscheidet sie sich entscheidend von den damaligen jungen Frauen.

Angela, ein sehr lebensfreudiges und fröhliches Mädchen, wächst in einem Dorf am Oberrhein auf und genießt anfangs ihr junges Leben sehr. Ein besonders gutes Verhältnis hat Angela zu ihrem Vater, der wie ein zweites „Ich“ die Gefühle und Bedürfnisse seiner einzigen Tochter versteht. Nach dem Tode ihres Vaters erlebt Angela eine sehr triste Zeit auf dem Internat des Klosters Neustift. Aufgrund guter Beziehungen zu Freunden ihres Vaters, die gleichzeitig auch Verwandte von Angelas bester Freundin Irene sind, absolviert Angela das Mädchengymnasium mit dem dazu gehörigen Abschluss. Schließlich bekommt sie auch durch diese Beziehungen die Möglichkeit zu studieren. Daraufhin begeben sich Angela und Irene nach München, um ihr Studium dort aufzunehmen. Hier trifft Angela ganz zufällig auf den Maler Hermann Halm, und es entwickelt sich hieraus eine langjährige Liebe. Es kommt aber zu einer zeitweiligen örtlichen Trennung der beiden, da Halm nach Paris und Angela nach Berlin muss. Nach einiger Zeit sehen sie einander wieder und heiraten. Schließlich gelingt die Eröffnung einer Arztpraxis im Künstlerdorf Worpswede. Hier verbringt Angela auch den Rest ihres Lebens. So erlebt sie hier beispielsweise verschiedene Zeitabschnitte deutscher Geschichte (Weimarer Republik, Nationalsozialismus). In Worpswede begegnet Angela zahlreichen Künstlern und Schriftstellern. Die Bewohner dieses Dorfes hegen zum Leidwesen von Angela sehr viele politische Vorurteile, viele sind z.B. nationalsozialistisch eingestellt.
Ich empfinde das Buch „Der alte Doktor“ von Karl Jacob Hirsch als sehr lesenswert, da die Lebensgeschichte der Hauptfigur Angela sehr spannend ist. Weiterhin hat der Autor die Erzählung gut gegliedert. So ist dieses Buch doch recht realitätsnah und enthält außerdem sogar stark emotionale Passagen, welche dem Leser gut vermittelt werden. All diese Dinge, welche zum Leben notwendig sind, wie beispielsweise Liebe, Hass und Freundschaft, sind in diesem Buch erhalten und werden sehr einleuchtend dargestellt. Besonders verlockend und verführerisch fand ich einen Abschnitt des Buches, wo Angela ein Orchesterkonzert besucht und sehr leidenschaftlich ihre Gefühle beim Hören der Musik zum Ausdruck bringt.

Zum Roman „Einer muss es ja tun“. Ein Manuskript aus der Nachkriegszeit.


Bedingt durch Krieg und Emigration konnte Karl Jacob Hirsch trotz aller Bemühungen nicht mehr an seinen Sensationserfolg mit „Kaiserwetter“ im Jahre 1931 anknüpfen. Immer ein politisch denkender Mensch geblieben, kehrte er 1945 nach Deutschland zurück, um in seiner Arbeit vor allem der Aufarbeitung der jüngsten Geschichte nachzugehen. Er stellte sich die Frage nach der Verantwortung und Macht des einzelnen Menschen
Darum geht es in Hirschs letztem Roman „Einer muss es ja tun“, den er 1951, wenige Monate vor seinem Tod, beendete. In dem Buch geht es um den Bäcker und Sozialisten Gustav Döring aus Hannover, der sich nicht wie die meisten Menschen dem Nationalsozialismus anpasst. Mit seinen offenen Meinungsäußerungen über den Führer und die Nazis riskiert er öfters eine dicke Lippe. Es gibt nur eine, die Gustav nicht merkwürdig findet, das ist seine Schwiegertochter Justine. Im Gegenteil, sie unterstützt ihn auf jegliche Art und Weise und kann sich keinen besseren Schwiegervater vorstellen. Dem Sozialisten Gustav Döring gefällt es nicht, dass Justine mit seinem Sohn Fritz Döring verheiratet ist, denn er schämt sich dafür, dass sein Sohn Nazi bzw. Sturmführer der SA geworden ist. Aus diesem Grund wünscht er sich insgeheim, dass Justine Fritz positiv beeinflusst, denn sie ist die Einzige, die ihm den Nazi-Wahn austreiben könnte. Die Beziehung zwischen Justine und Fritz lässt sich schon lange nicht mehr als Ehe bezeichnen, weil nach und nach deutlich geworden ist, dass Fritz sich nur für seine geheimen SA-Dienstreisen interessiert, statt sich um seine Ehefrau zu bemühen. So wundert sich Justine kaum, als Fritz von einer seiner Dienstreisen nicht nach Hause zurückkehrt. Sie erhält die Nachricht, dass ihr Ehemann dabei ums Leben gekommen ist. Der Tod seines trotz allem geliebten Sohnes und die feige Ermordung seines besten Freundes, des Juden Moritz Thaler, führen dazu, dass Gustav die extremste Konsequenz zieht. Er verübt allein ein Attentat auf Hitler.
Karl Jacob Hirsch hat diesen Roman als einziges eigenes Werk mit fünf Tuschzeichnungen selber illustriert. Das erst 2003 im VDG Weimar (
Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften) erschienene Buch enthält ein Vorwort des ehemaligen Bremer Bürgermeisters Hans Koschnick und ein Nachwort von Helmut Stelljes

Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen, weil das es Menschlichkeit und Zivilcourage vermittelt. Zudem ist das Buch sehr authentisch und schildert die Zeit nach der „Machtergreifung“ Hitlers. Es spielt auf den am 8. November 1939 tatsächlich von Georg Elser verübten Attentatsversuch auf Hitler an.



Unser Urteil

Innerhalb unserer Gruppe sind wir ein wenig gespalten, da wir einerseits die Lebensgeschichte von Karl Jacob Hirsch interessant und einige seiner Werke sehr ansprechend finden, jedoch andererseits finden wir es als sehr schade, dass der Autor nur wenige literarische Werke veröffentlicht hat. Wir meinen, dass die wenigen Werke des Autors empfehlenswert sind und sowohl junge als auch ältere Personen ansprechen können, da der Leser sich gut in die jeweilige Hauptperson hineinversetzen kann. Obwohl der Autor jüdisch, später christlich geprägt war, äußert er in seinen Werken keine direkte Kritik am Nationalsozialismus, sodass wir, sprich unsere Gruppe, Karl Jacob Hirschs Literatur als nicht
zeittypisch einschätzen (da keine Kritik). Besonders gefallen unserer Gruppe die vielen Passagen, in denen der Autor eine sehr mitfühlende Wortwahl verwendet. Außerdem gibt es in einigen seiner Bücher Passagen, in denen der Autor sehr ausdrucksstark formuliert und anschaulich schildert.

Die Person Karl Jacob Hirsch an sich spricht uns kaum an, da dieser Autor ein Leben stark abseits des „normalen“ Alltags führte. So ist er stets ein Maler, der sich seine eigene Welt zusammenbaut. Alles im allem schätzen wir die Literatur des Karl Jacob Hirsch als sehr interessant ein und empfehlen einige seiner Werke dringend weiter.