Summerhill und andere demokratische Schulen

 

Summerhill gilt als älteste demokratische Schule, sie wurde 1923 in England von A.S. Neill gegründet. Insgesamt gibt es 70 dieser Schulen auf der ganzen Welt. Im allgemeinen verfolgt sie das Prinzip, dass Schüler selbst entscheiden können wann, wie und was sie lernen. Auf der Summerhill-Schule werden fünf bis neunjährige und zehn bis zwölfjährige Schüler zusammen in Gruppen unterrichtet, die Älteren wählen Kurse.

In dem Interview „Wir motivieren unsere Schüler nicht" erzählen David Gribble, der Initiator des jährlichen „Welttreffen demokratischer Schulen" und Zoe Readhead, Leiterin der Summerhill-Schule von ihrer Arbeit. Sie erklären, warum demokratische Schulen ihrer Meinung nach staatlichen Schulen vorzuziehen sind und vieles mehr.

Readhead und Gribble sind der Auffassung, dass „die Macht, die Lehrer über ihre Schüler haben, tödlich für das Lernen ist." Deswegen gibt es in demokratischen Schulen keine Vorgesetzten. Statt dessen unterstützen die Lehrer ihre Schüler. Wenn ein Schüler zum Beispiel das Abitur machen möchte, was laut einer Studie aus den 90er Jahren bei drei von vier Summerhill-Schülern zutrifft, dann kann er zu seinem Lehrer gehen und ihn um Informationen, Material und Hilfe bitten. Die Lehrer unterstützen sie dann im gewünschten Sinne. Readhead hält eine gute Beziehung zwischen Lehrer und Schüler für den ausschlaggebenden Faktor für Bildung. Man sollte sich auf Augenhöhe begegnen und sich als gleichwertig verstehen.

Als großen Unterschied zu staatlichen Schulen sieht Gribble, dass die Schüler nicht motiviert werden müssen. „Summerhill wurde aus dem Prinzip geboren, dass Motivation intrinsisch ist, also in jedem Schüler vorhanden ist." Gribble betont in dem Interview, dass „demokratische Schulen" nicht alle gleich seien. Summerhill und die Sands School im südenglischen Großbritannien bieten zum Beispiel Unterricht in allen relevanten Fächern. Die „Democratic School" in Jerusalem funktioniert jedoch fast wie eine Universität. „Die Schüler lernen überwiegend zuhause und kommen in die Schule, um sich auszutauschen." Readhead ist der Meinung, dass die Pflicht etwas lernen zu müssen, woran man eigentlich kein Interesse hat, die Motivation geradezu zerstört.

In Deutschland haben es die „demokratischen Schulen", zum Beispiel die Sudbury Schule" in Leipzig, wegen der im Vergleich besonders strengen „Schulpflicht" besonders schwer.

Keine der beiden „demokratischen Schulen" in Deutschland hat eine Genehmigung und somit könnten die Schüler, die sie besuchen, theoretisch von der Polizei abgeholt und zu einer staatlichen Schule gebracht werden.