Pädagogik

 

Tami als Pädagogin

Zwei Tage nach ihrem Examen bekam Tami ihre erste Schulklasse. Der Hauptlehrer und der damalige Kirchenrat erlaubten ihr eine ziemliche Freiheit in ihrem Unterricht. Von Beginn ihrer Lehrzeit an hat sie sich von anderen Lehrern unterschieden, da sie ganz besondere Lernziele hatte. Sie versuchte den Schülern den Lernstoff zu vermitteln, ohne dass die sich unter Druck gesetzt fühlten oder verunsichert wurden.

Tami genoss die Arbeit mit Kindern. Ihr Motto zur Durchführung des Unterrichts lautete „Das Kind ist wichtiger als der Lehrplan" (Zitat aus < Fragende Schulleitungen > , S. 3). Tami liebte ihren Beruf leidenschaftlich, nicht etwa den der preußischen Lehrerin, sondern den der Pädagogin. Sie versuchte ihre Ziele zu erreichen, indem sie zunächst ihre Lehrerinnenrolle anders sah als ihre Kollegen/ Kolleginnen, die sehr viel Verständnis gegenüber ihrer besonderen Art zeigten. Tami Oelfken konnte durch das Legen, Lesen und Malen der Kinder einen Dialog feststellen. „In diesem Dialog liegt die wirkliche pädagogische Arbeit des Erziehers. Wie ein guter Geist versteht er es, die Aufdringlichen zu sich selbst zu bringen, den Ängstlichen die Angst zu nehmen und die Phlegmatischen voranzutreiben".

Tami legte viel Wert darauf, dass Betrachtungen und Vergleiche der Bilder und der selbstgemalten Bücher gemeinsam bearbeitet wurden, um den Kindern immer wieder Gelegenheit zu geben, sich untereinander ihrer Eigenart begreifen und achten zu lernen.

 

 

Tamis Art zu unterrichten und ihre pädagogischen Ziele

Tami begann den normalen Unterricht total umzuändern. Jeden Morgen spielte sie mit ihren Schülern Geige und sang Volkslieder. „Rote Striche für Fehler erschrecken die Kinder" – also wurden sie nicht angestrichen, wie ihre Schwester Christa Alverdes uns erzählte, Haupt- und Tätigkeitswörter fand sie überflüssig und ließ alles klein und ohne Interpunktion schreiben.

Für Tami war wichtig immer wie ein Kind zu denken, den Unterricht auch so zu gestalten und nicht von oben her zu bestimmen und zu lenken. Sie ließ ihre Stundenpläne und Pausenzeiten links liegen und entwickelte ihre eigene, ihrer Meinung nach „natürliche Methode" , den Kindern Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen. Diese Methode sollte durch alle Stufen fortgeführt werden und war arbeitsmäßig die „glückliche Verbindung von Selbständigkeit und Hineinwachsen in eine Gemeinschaft". Tami vertraute auf den innewohnenden Entwicklungsrhythmus jedes einzelnen Kindes. Ihr Ziel war die freie, völlige Entfaltung der kindlichen Fähigkeiten, aber auch das Deutlichmachen der Begabungen und Grenzen des einzelnen Schülers.

„Tante Mieze", wie die Kinder sie gerne nannten, wollte den geregelten Unterricht, pflichtgemäßes Stillsitzen und die Beschäftigung sinnloser (Büro- ) Arbeit verhindern. Sie schrieb ein Arbeitsbuch, das den Lese- und Schreibunterricht ablöste. Ihre Schüler schrieben selbst geschaffene Bücher, die sie ohne Hilfe der Eltern anfertigten und die ein Teilergebnis des ersten Schuljahres wurden.

„Tami Oelfken sah sich nie als verlängerten Arm der Behörden, sondern als Führsprecherin und Hilfe der Kinder", (aus < Die Fibel einst und jetzt > , S. 253). Es war überflüssig den Unterricht in Einzelfächer aufzuteilen, denn er kann auf werdendes und lebendiges Wirken von Lehrern und Schülern keine Rücksicht nehmen. Das Schulleben erstreckte sich auf alle gemeinsamen Arbeiten: Gartenbau, Handwerksbetrieb, gemeinsame Besprechungen mit dem Schularzt oder der Schulpflegerin, Ausflüge, Näh- und Tanzabende, Feste, Musik und dramatische Versuche.

 

 

Tamis Erziehungsziele

Kinder waren für Tami immer etwas ganz Besonderes, es war immer ganz wichtig die Eigenschaften und die persönliche Art jedes einzelnen Kindes in die gesamte Gruppe einzuarbeiten, um mit ihr mehr Intelligenz, Glauben, Kraft und Sicherheit des Gesinnung zu erreichen. „Dies Leben wartet darauf, dass du gemeinsam mit den anderen es anpackst und gestaltest, nach den Bedürfnissen der Menschheit: Vernünftig und würdig" (aus < Tami Oelfken > , 1934).

Tami wollte vermitteln, dass die Schule keine Anstalt ist um Wissen zu vermitteln, sondern eine Lebensstätte der Jugend beiden Geschlechtes. Ihr Wunsch war es, mit Hilfe der Eltern Schulklassen und Kasernen in Wohnräume umzugestalten, dass sinnlose in- getrennten- Reihen sitzen aufzulösen und in Arbeitsgemeinschaften miteinander zu arbeiten und zu spielen.

„Tami Oelfkens Erziehungsziel ist der charaktervolle Mensch, der zu Disziplin und Verantwortung bereit ist" (aus dem Prospekt ihrer Pariser Schule, 1934).

 

(Quellen: Soweit nicht im Literaturverzeichnis vermerkt, stammen die Zitate aus den Materialien von Jens Pollem.)