Maddo Clüver

 

Früher war Maddo Clüver jung und grade. Sie hatte blond-rote Locken und jeder junge Mann von Farge bis Fähr fand, dass Maddo so recht was für ihn wäre. Doch sie kaufte sich das Haus auf der anderen Seite der Dorfstraße unter den vier alten Linden. Jetzt ist sie alt und gebückt, hat graues Haar und verkauft Reis, Mehl, Kandiszucker und Rosinen in ihrem eigenem kleinem Lädchen. Dort hat sie einen Tresen. Genau in der Mitte hat er einen Schlitz, so groß, dass Maddo bequem einen Taler hindurchwerfen kann. Nie haben die Kinder gesehen, dass sie dort auch schon mal Geld wieder herausgeholt hat. Maddo muss im Keller ganze Berge von Geld und Schätzen haben. Einmal haben Tine und Else gesehen, wie Maddo eine Luke im Boden geöffnet hat und im Dunkeln verschwunden ist. Als sie wieder hochgekommen ist, sind Tine und Else schnell gegangen. „Auf der Straße blickten sie sich noch einmal um und sahen, dass Maddo ihnen hinterher schaute. Tines Herz klopfte. `Wir dürfen ihr Geheimnis nicht verraten, sie ist zu gefährlich, weil sie früher rote Haare gehabt hat`, flüsterte sie. Else nickte. `Ich weiß, sie war mal eine Hexe!’" (S. 90)

Jana Siems