Maddo Clüver

 

Inhalt

Der Roman "Maddo Clüver" erschien erstmals im Jahre 1947 im Alster Verlag Curt Brauns und wurde von Tami Oelfken geschrieben.

Er handelt von der industriellen Entwicklung im heutigen Bremen-Nord und davon wie die Dörfler zu Städtern werden.

Als das damalige Dorf Blumenthal sich zu einer Industriegemeinde entwickelt, fehlen Arbeitskräfte und es werden aus Polen Arbeiter importiert. Die Dörfler erleben diese Entwicklung auf ihre ganz eigene Art und Weise. Sie werden mit andersartiger Moral und Sitte konfrontiert und müssen miterleben, wie alte niedersächsische Traditionen sterben und Gebäude abgebrochen werden, um modernes Fabrikwesen wachsen zu lassen.

Maddo Clüver ist die Hauptperson in diesem Roman. Sie besitzt einen kleinen „Tante-Emma-Laden", wo die Dörfler alles bekommen, was sie zum Leben brauchen. Ihr Laden ist für viele eine Zufluchtsstätte und er bleibt auch mit der industriellen Entwicklung erhalten.

In dem Roman geht es anfangs, um die Kindheit von Maddo Clüver, die ihren Vater, einen Seemann, schon früh verlor. Die Autorin beschreibt die Umgebung dabei ganz genau und erwähnt jede Einzelheit. Sie verwendet beim Schreiben teilweise plattdeutsche Passagen und baut Gedichte und Lieder ein. Wichtig erscheint auch die Bedeutung traditioneller Lebensweisen in dem Roman. Die Menschen gehen regelmäßig zur Kirche, und wenn etwas gegen den „Anstand" geht, wird sofort aufgesehen. Die Autorin schreibt sehr direkt, sie nimmt kein Blatt vor den Mund.

Nebenbei erfährt man sehr viel über Leben und Gepflogenheiten am Ende des 19. Jahrhunderts. Ein Beispiel dafür ist die Namensgebung: Teilweise heißen die Kinder wie die Eltern.

 

 

Leseprobe

"Maddo Clüver, goldhaarig und schön, wie das leuchtende Leben, blieb mitsamt der holländischen Schute in Blumenthal vor Anker, und der damalige junge Kunrad Holtmann hatte auf Maddos Wohlbefinden ein wachsames Auge gehabt. Wie schön sie in ihrer untadelig gewachsenen Jugend gewesen war mit großen, blaue Augen und roten Locken, die abstanden, wie von Draht gemacht! Ihr Mund war üppig und breit, und wenn sie in ihren bunten geschnitzten Holzschuhen durch das Dorf klakkerte, immer mit Stutenlena im Arm, da hatten alle Jungens von Farge bis Fähr die Ärmel vor Vergnügen aufgekrempelt, und jeder dachte, Maddo sei doch so recht was für ihn.

Aber Maddo nutzte ihre allgemeine Beliebtheit gut. Mit Kunrad Holtmanns Hilfe verkaufte sie die Schute mit Ladung, und danach liebäugelte sie mit dem alten Blendermann so lange, bis sie das graue Haus unter den Linden von ihm erwarb. Eigentlich wollte er es gar nicht verkaufen; er liebte den Hainbuchengang und die kleinkarierten gewölbten Glasfenster, die nach der Straße gingen. So weit zurück das Gedächtnis der Bewohner reichte, immer war dies Haus in Blendermanns Besitz gewesen. Nein, er wollte es nicht verkaufen.

Aber eines Morgens wachte er auf, und das Haus gehörte laut Urkunde Maddo.

Sie war eben eine Hexe.

Sie richtete diesen Laden ein. Sie verkaufte alles: Reis, Sirup, Mehl, Holzpantinen, Reisigbesen, Mandelseife, Netze, Tabak und Taschenmesser. In dem Wohnstübchen hinter dem Laden, das wie ein Schatzkästchen gehalten wurde, und wo täglich weißer Sand auf den frisch gescheuerten Dielen lag, dort setzte sie nach überliefertem holländischen Rezept einen Wachholderschnaps an, der sich allgemeiner Gunst erfreute." (Kapitel 2, S. 32, Z. 32-38 und S. 33, Z. 1-25)

 

 

Meine Meinung

Ich finde, dass der Roman „Maddo Clüver" ein gelungenes Werk ist. Die Autorin beschreibt sehr genau, sodass man sich die Menschen und ihre Umgebung genau vorstellen kann. Gut eingesetzt finde ich auch die wörtliche Rede, die plattdeutsch verfasst ist. Das gibt dem Roman einen sehr häuslichen Flair, der ihn abrundet und ihm Gemütlichkeit verleiht. Die Erzählstruktur ist meiner Meinung nach etwas zu verwirrend, aber nachvollziehbar bei genauem Lesen.

Ich würde das Buch an Leser weiterempfehlen, die Spaß an Büchern haben und sich für Geschichte und Kultur interessieren. Um den Inhalt zu verstehen, müssen sie bereit sein, intensiv zu lesen.

Lara Becker