Gebet der göttlichen Sévérine um einen schönen Tod

 

Gebet der göttlichen Sévérine um einen schönen Tod

O, lass mich sterben, wenn an einem holden Tag

das müde Frühlingslicht erlischt, – wenn Rosenduft

aus alten Gärten über Mauern steigt. Wenn Abend ruft

in süßestem Vergehen im Nachtigallenschlag.

Ein Bauer draußen bleibt wohl stehn.

Er pfeift nicht mehr.

„Wie schade", murmelte er, „die Sévérine ist tot.

„Ja, sie ist hin – sie kannte unsere Not",

seufzt in Paris bekümmert einer vor sich her.

Auf Erden lass ich Menschen, die ich heiß geliebt,

o, helft mit mir, dass einst mein Antlitz kündet

die schönre Jugend, die, hier anzündet,

uns dort das Licht der ewigen Wahrheit gibt.

Und dass in Flammen brennt,

was uns getrennt.

 

 

 

Interpretation

Es ist ein sehr trauriges Gedicht, das einen dazu bringt über den Tod nachzudenken. Wir denken, dass sich Tami mit Sévérine selbst meint. Ein Anhaltspunkt dafür ist, dass von Paris gesprochen wird, wo Tami Oelfken vor dem 2.Weltkrieg war. Ein weiteres Merkmal ist, dass sie schreibt „Auf Erden lass ich Menschen, die ich heiß geliebt." Das steht dafür, dass sie Menschen zu Hause zurückgelassen hatte, die sie geliebt hat und die sie vermisste.

Uns ist auch noch aufgefallen, dass sie anscheinend nach ihrem Tod durch ihre Taten und Werke in Erinnerung behalten werden wollte, da sie schreibt, dass sich sowohl Bauern, aber auch noch Leute in Paris sich an sie erinnern sollen, was sie ja auch geschafft hat.

Sie verwendet in dem Gedicht das Reimschema umschließender Reim (abba). Das heißt, es reimen sich immer der erste und der vierte Vers, sowie der zweite und der dritte Vers.