Drei rosa Florentinerhüte

 

Im Juni blühen die Linden, das heißt, in Blumenthal ist wieder Markt. In der Luft liegen Düfte wie Schmoraal, Schmalzkuchen und frische Würstchen. Kinder fahren voller Freude Karussell und überall auf den Straßen laufen aufgeregte Menschen umher. Großmutter findet es wieder an der Zeit, für alle Kinder neue Hüte zu kaufen. So geht sie mit den vier kleinen, den drei großen Kinder und dem Fräulein Atilde auf den Markt in die Hutbude zu Fräulein Sinnigen. Oma möchte die grünen Troddelhütchen, die so gut gegen die Sonne schützen für Ada, Konrad, Heino und die lüttje Krissa. Für die drei großen gibt es rosa Florentiner Hüte. Anna möchte ihren Florentiner Hut mit einem Kranz oder einer Girlande und einer Schleife darauf. Aber Tine und Grete möchten auf ihren Hut einfach nur ein hellblaues Band aus Seide, das hinten herunter hängt. Da wird die Verkäuferin, das Fräulein Sinnigen, böse und guckt Tine und Grete strafend an. „Florentiner Hüte ohne Blumen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das gut aussehen soll!"
Oma aber ist das einerlei und zahlt. „’ Bedankt euch!` flüstert Atilde den Kindern zu. `Bei unserer eigenen Oma?` fragt Else entrüstet. Oma lacht und stülpt Else den Hut auf ihren Lockenkopf: `Du büs mien sööten Aapensteert.` Atilde war außer sich. Sie hatte ein schweres Leben." (S. 96)

Jana Siems