Biografie

 

Der Kapp-Putsch  

Reichschrifttumskammer

Bund entschiedener Schulreformer

Kurzbiografie von Alexander Sutherland Neil

Spandauer Schulkampf

Tami-Oelfken-Gemeinschaftsschule

 

25.06.1888: Maria Wilhelmine Oelfken wurde in der damals noch dörflichen Ortschaft Blumenthal als zweites von sieben Kindern geboren. Ihr Vater Heinrich Oelfken war stellvertretender Gemeindevorsteher und Leiter der Bremer Wollkämmerei. Ihre Mutter Christine musste sich zu Hause um nichts kümmern. Zur Führung des großen Hauses standen ihr mehrere Dienstboten und ein Kindermädchen zur Verfügung.

Tami, ihr Name ist die Abkürzung für Tante Miezi, den sie von ihren Schülern bekommen hatte, litt seit ihrer Geburt an einem Hüftleiden. Dadurch war ein Bein 16 cm kürzer als das andere, was sie leicht hinken ließ.

Tami wurde in ihrer Kindheit sehr streng erzogen, weil sie in den gehobenen Mittelstand geboren wurde und somit verpflichtet war gewisse Verhaltensregeln zu lernen, die sie später selbst verachtete.

Tami besuchte von ihrem siebten Lebensjahr an die höhere Mädchenschule in Vegesack, auf der sie trotz schlechter Leistungen versetzt wurde und die sie 1904 mit einem schlechten Abschluss verließ. Trotz des schlechten Schulabschlusses konnte Tami am Kippenbergschen Lehrerinnenseminar in Bremen studieren. 1908 schloss sie nach vier Jahren ihre Ausbildung zur Lehrerin mit dem Staatsexamen ab.

Nur ein Jahr später wurde Tami an der Volksschule in der preußischen Gemeinde Grohn, (heute ein Stadtteil in Bremen) fest eingestellt. 1917 wurde sie wegen ihrer ungewöhnlichen Unterrichtsmethoden nach Tarmstedt versetzt. Von dort aus nahm Tami Verbindung zu Heinrich Vogeler auf und beteiligte sich an den Diskussionen des Personenkreises auf dem Barkenhoff. Im Jahr darauf kündigte sie ihren Staatsdienst als Lehrerin.

1919 beteiligte sich Tami an der Arbeit des Bundes entschiedenen Schulreformer

und nahm im September als Delegierte an der „Freien Reichkonferenz für sozialistisches Bildungswesen" teil. 1920/21 arbeitete sie in Gotha in der Arbeitsgemeinschaft für Junglehrer mit und kämpfte gegen die Kapp-Putschisten in Thüringen. 1921 wurde Tami Lehrerin in Spandau und nahm am Spandauer Schulkampf teil, wo sie mit 800 Kindern gegen die Prügel- und Lehrschule demonstrierte.

Zwei Jahre später kündigte sie erneut ihren Staatsdienst und arbeitete als Lehrerin an der Versuchsschule Hellerau bei Dresden, wo sie A. S. Neill kennen lernte. 1928 gründete sie in Berlin-Lichterfelde die „Tami-Oelfken-Gemeinschaftsschule", die 1934 wegen „pazifistischer, kommunistischer und judenfreundlicher Tendenzen" geschlossen wurde. Tami bekam Berufsverbot auf Lebenszeit, wodurch sie sich ihrer Existenz beraubt sah.

1939 kehrte sie nach Jahren in England, Frankreich und Italien nach Deutschland zurück.

Ein Jahr später erschien ihr Roman „Tine" im Kiepenheuer-Verlag. In dieser Zeit wurde Tami von der Gestapo überwacht und fand bei Freunden Unterschlupf. 1942 wurden ihre Romane „Tine" und „Die Persianermütze" verboten.

Tami wurde aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen.

Ein Jahr später begann sie mit ihrer Arbeit am „Logbuch", welches Aufzeichnungen über die Zeit von 1939-1945 enthält.

Von 1946-1956 schrieb sie verschiedene Bücher zum Beispiel, „Traum am Morgen", „Maddo Clüver", „Die Sonnenuhr" und „Die Penaten". In dieser Zeit schrieb sie für Zeitschriften kleinere Beiträge.

Tamis letzte Lebenszeit war von Krankheit gezeichnet. 1954 wurden eine Störung des vegetativen Nervensystems, eine Herzmuskelschwäche sowie eine starke Erschöpfung diagnostiziert. Anfang 1955 siedelte Tami nach einer Kurzreise von Berlin nach Überlingen am Bodensee über. Doch 1956 war der Tod ihrer engsten Vertrauten und besten Freundin Julia Haensel im Juni der Grund für ihren Ortswechsel vom Bodensee nach München.

Am 7. April 1957 starb Tami nach einer Operation arm und vergessen in München.

An ihrem Sterbebett saß ihr letzter Freund Hans Reisiger. Vor ihrem Tod schrieb sie in ihr Tagebuch: „Nur mit meinen Büchern bin ich glücklich!"

 

Tamis Grab befindet sich auf dem Friedhof der evangelisch-reformierten Kirche in Blumenthal. Sie wurde nie ganz vergessen:

1980 entdeckten Kurt Heilmann und Ursel Habermann Tami Oelfken wieder. Acht Jahre später wurden ihre Briefe in dem Buch „Noch ist es Zeit" veröffentlicht. Ferner erreichte Ursel Habermann, dass der Roman „Maddo Clüver" neu erscheinen konnte.

Im Jahr 2004 erhielt die Schule am Lüssumer Ring in ihrer Geburtsstadt den Namen „Tami-Oelfken-Schule".

 

 

Nachbemerkung:

In dem Leben Tamis und in ihren literarischen Werken begegnet der Leser den beispielhaften Kräften und Energien, die Tami im „Logbuch" aufgezeichnet hat, weil sie hier mit ihren Emotionen den Kampf gegen das althergebrachte Schulsystem aufgenommen hatte.

Nach den Aufzeichnungen ihres langen Lebens kann man sagen: Maria Wilhelmine Oelfken war eine außergewöhnliche und beeindruckende Frau, die den größten Respekt verdient.