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Deutschland nach dem 1. Weltkrieg

Als die deutsche Seekriegsleitung Anfang November 1918 den Befehl ausgab, die deutsche Hochseeflotte gegen England auslaufen zu lassen, reagierten die Matrosen mit Verweigerung des Gehorsams, da sie nicht bereit waren, für den bereits verlorenen Krieg ihr Leben zu gefährden. Aus dieser Befehlsverweigerung wurde ein Aufruhr, der nach Ausbreitung in Richtung Süden am 9. November 1918 in eine Revolution umschlug. Wegen dieser Geschehnisse musste Kaiser Wilhelm II. abdanken. Das bedeutete zugleich das Ende des Kaiserreiches, das Bismarck 1871 geschaffen hatte. Nach dem Sturz der Monarchie hatten in Deutschland Vertreter einer gemäßigten und einer radikalen Richtung unter den Sozialdemokraten die Regierungsgewalt übernommen. Zusammen mit der neu gegründeten Kommunistischen Partei (KPD) wollten die Radikalen gewaltsam die Macht an sich reißen und nach russischem Vorbild auch in Deutschland eine Diktatur des Proletariats errichten. Die Mehrheitssozialdemokraten mit Friedrich Ebert an der Spitze verhinderten dies und setzten demokratische Wahlen für eine deutsche Nationalversammlung durch. Diese Wahlen brachten den Mittelparteien (gemäßigte Sozialdemokraten, Zentrum und Demokraten) eine eindeutige Mehrheit. Sie schlossen sich zur so genannten "Weimarer Koalition" zusammen. Nicht alle Deutschen waren mit der neuen Republik einverstanden. Viele wollten eine andere Staatsform, und die Anhänger des alten Kaiserreichs und Nationalisten wollten nicht einsehen, dass das Kaiserreich zwangsläufig zugrunde gegangen war. "Nun sprachen sie vom Verrat, vom `Dolchstoß´ der meuternden Heimat in den Rücken des siegreichen Feldheeres." (Ebeling, S. 163 f.) Die demokratischen und sozialistisch orientierten Politiker wurden als Vaterlandsverräter betrachtet, die der "im Felde unbesiegten" und "tief in Feindesland" stehenden Armee den Dolch in den Rücken gestoßen hätten. Vielen aus dem Krieg heimgekehrten Offizieren und Soldaten fiel die Rückkehr in eine bürgerlich-zivile Existenz schwer, und aus diesem Grund schlossen sie sich zu Einwohnerwehren, Freikorps und anderen paramilitärischen Gruppen zusammen, um alle zu bekämpfen, die vermeintlich links, also "demokratisch" waren. Die staatstragenden Parteien SPD, Zentrum und DDP verloren in den Reichstagswahlen 1920 die absolute Mehrheit. Im Frühjahr 1920 sollten die Freikorps aufgelöst werden. Die Marinebrigade Erhardt widersetzte sich und marschierte am 13. März 1920 in Berlin ein. Der deutschnationale Wolfgang Kapp aus Ostpreußen ernannte sich selbst zum Reichskanzler. Die Gewerkschaften riefen allerdings den Generalstreik aus, der auch von der Berliner Beamtenschaft befolgt wurde. Der so genannte Kapp-Putsch brach am 17. März zusammen. Die Kriegsfinanzierung hatte zur Entwertung der Reichsmark geführt; sie hatte Anfang 1919 noch etwa 55 %, Ende 1920 nur noch 7 % ihres Vorkriegswertes. Von da an beschleunigte die Reparationspolitik den Verfall der deutschen Währung. Durch die Inflation war hauptsächlich der Mittelstand betroffen; Arbeitslosigkeit und Verelendung trugen zur politischen Radikalisierung der Massen bei. Die Deutschland auferlegten Reparationszahlungen brachten die deutsche Wirtschaft fast zum Ausbluten.


Quellen:
Haase; Fragen an die Geschichte 4, Grundzüge der Geschichte, 1960, Grundzüge der Geschichte . 1965, Die Reise in die Vergangenheit, Bd. 4.

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