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Der Barkenhoff

Der in Worpswede gelegene Barkenhoff stellt das Zentrum des von unserer Gruppe vorgestellten Schauspiels "Kolonne Hund" von Friedrich Wolf dar. Als Heimat für Maler und Dichter hat der Barkenhoff sowohl in der Vergangenheit als auch in unserer heutigen Zeit weit über die engere Region hinaus eine große Bedeutung. Einer großen gemeinschaftlichen Initiative, angeregt und getragen von den "Freunden Worpswedes", haben wir es heute zu verdanken, dass dieses historisch wie kulturell bedeutsamste Bauwerk Worpswedes seine Identität wieder gewonnen hat, die es vor dem Erwerb durch die Gemeinde Worpswede im Jahre 1972 aufgrund privater Nutzung fast verloren hätte. Die Geschichte des Barkenhoffs spiegelt in anschaulicher Weise die Geschichte Worpswedes wider und ist auch für die Interpretation von "Kolonne Hund" wichtig. Am 17. August 1895 erwarb Heinrich Vogeler für 3000 Mark eine kleine, wenig gepflegte Hofstelle bestehend aus zwei heizbaren Stuben, zwei Kammern und der Diele sowie die dazugehörenden vier Morgen Land in Ostendorf bei Worpswede von Johannes Belz, einem Brennmeister einer Ziegelei. Heinrich Vogeler legte ein Jahr später am Fuße seines Grundstückes ein kleines Birkenwäldchen an, das dem Hof seinen Namen gab (Birkenhof = niederdeutsch: Barkenhoff) In den darauf folgenden Jahren erweiterte Vogeler den Barkenhoff um eine Bibliothek und ein unterkellertes Maleratelier und ersetzte Teile des Strohdachs durch ein Ziegeldach mit Schornstein. Das Haus stellte sich nach dieser ersten Umbauphase als einstöckiges, teils massives und teils in Fachwerk gebautes Wohnhaus mit Stroh- und Ziegeldach dar. In den Jahren 1898/1899 vollzogen sich mit den Giebelvorbauten die markantesten Bauerweiterungen. Aus dem Spitzdach wurde ein Mansardendach. Durch diese Umbauten wurde erheblich mehr Wohnraum im Obergeschoß geschaffen. Aus diesem Grund konnte ein Fremdenzimmer eingerichtet werden, das zeitweise von Rainer Maria Rilke (1875-1926) bewohnt wurde. Die Diele des Obergeschosses wurde zu einem Raum für Gesellschaften umgebaut, der als "weißes Zimmer" bekannt ist. Der 26-jährige Vogeler verfügte nun über 12 Zimmer, die große Diele im Erdgeschoss und das angebaute Atelier. Nach der Jahrhundertwende erwarb Vogeler durch den Tausch seines Gemäldes "Sehnsucht" von Viktor Marcus, dem von 1907 bis 1911 amtierenden Bremer Bürgermeister, ein östlich an den Barkenhoff angrenzendes Areal. Dadurch vergrößerte sich das Gelände auf 14 Morgen. Hier wurden die Gartenanlagen unter Berücksichtigung der natürlichen Lehmgruben und Heidelandschaften ausgebaut. Der weitere Ausbau im Jahre 1905 sollte weiteren Wohnraum und genügend Platz für ein weiteres Atelier schaffen. Aus diesem Grund musste Vogeler den Atelieranbau aufstocken und daran einen unterkellerten, zweistöckigen und achteckigen Baukörper (Oktogon) anschließen. Im Erdgeschoß des Oktogons wurden eine Druckerei und ein Zeichenatelier eingerichtet, darunter ein Heizungskeller mit Badeofen und Wasserkessel. Aus dem alten Atelier wurde ein Wohn-/ Musikzimmer, das als "blaues Zimmer" bekannt ist. Im Jahre 1908 war damit die bauliche Gestaltung des Barkenhoffs abgeschlossen, und dieser hatte sein vorerst endgültiges Gesicht erhalten. 1914 meldete sich Heinrich Vogeler als Kriegsfreiwilliger und ließ seine Frau Martha und seine Kinder auf dem Barkenhoff zurück. Nachdem er sich gegen Ende des Ersten Weltkrieges und in der Revolutionszeit zum radikalen Sozialisten entwickelt hatte, stellte er 1919 sein Land und damit den Barkenhoff einer Gemeinschaft von Erwerbslosen, kriegsbeschädigten Handwerkern und Gartenbauern für intensive Bewirtschaftung zur Verfügung. Schon nach zwei Jahren bewirtschafte diese Kommune zehn Morgen Anbaufläche, die aus Wiese und Zierland gewonnen worden war. Anliegendes Ödland wurde gerodet und kultiviert. Der Aufbau einer Arbeitsschule auf dem Barkenhoff wurde eingeleitet und am 21. September 1921 abgeschlossen. Die Nutzung des Barkenhoffs ab 1923 als Kinderheim erstreckte sich über verschiedene Phasen: Als "Arbeitsschule Barkenhoff e.V." (1923-25) bzw. als Einrichtung der "Roten Hilfe", die Ende 1924 das Anwesen erwarb, wurde das Anwesen bis 1931 als Kinderheim genutzt. Nach der Schließung des Kinderheims 1931 und dem Verkauf des Barkenhoffs 1933 wurde dort die "Gartenbau- und Siedlerschule Worpswede" eingerichtet und - über einen Zwischenverkauf 1937 hinaus - bis 1939 weitergeführt. Dem Landbau, für das Gelände jetzt genutzt wurde, fiel die Freitreppe unterhalb des Hauses zum Opfer. 1939 erwarb Johann Schröder den Barkenhoff und ließ ihn durch den Architekten Müller zu privaten Zwecken umbauen. Nach langem Leerstand, mit Sturmschäden am Dach und - in der Folge - Wasserschäden, konnte 1979 das Gebäude in seiner wesentlichen Gestalt wieder in jenen Zustand versetzt werden, den ihm Vogeler bis 1908 gegeben hatte. Vor allem erhielt die Diele wieder den alten Zustand, und der 1940 errichtete Erker und die Vordiele wurden zurückgebaut Am 10. Oktober 1981 wurde der Barkenhoff als Kulturstätte eröffnet. Seit August 2003 ist er wegen Renovierungsarbeiten vorübergehend geschlossen.

Teich am Barkenhoff

Quellen:
Küster; http://www.askerterapeutene.no/vogeler/barkenhoff.htm
http://www.worpswede24.de/barkenhoff.htm
http://geschichtsatlas.de/~gc2/

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