Die Deutsche Teilung

Die Deutsche Teilung ist ein zentrales Thema in Sarah Kirschs Lyrik.

Sarah Kirsch hatte als Autorin mit ihrer Ideologie in der DDR erhebliche Probleme. Sie konnte der Auffassung und den Regeln der Regierung nicht zustimmen. So lässt sie z.B. vorrangig das lyrische Ich sprechen. In einem sozialistischen Staat gibt es jedoch nicht das einzelne Individuum, sondern nur das Kollektiv und eben nur dieses Kollektiv durfte als literarischer Handlungspart erfasst werden. 

Aber nicht nur an ideologischen Grenzen stieß sich Sarah Kirsch, sondern auch an den echten, sichtbaren Grenzen des Staates. So verspürte sie einen ernormen Freiheitsdrang (als sie noch in der DDR lebte) und wollte diese Freiheit, die sie nicht realisieren konnte, fühlen und denken. Hiermit verbunden war auch ihre Lust am Reisen, welches ihr wiederum durch den Eisernen Vorhang verwährt blieb. 

Der enorme Druck, dem Sarah Kirsch durch die deutsche Teilung ausgesetzt war, veranlasste sie dazu, ihre Gefühle in Gedichten niederzuschreiben, welche von einer sehnsuchtsvollen und schmerzlichen Stimmung erfasst sind. Im Laufe der Jahre steigert sich dies zunehmend in eine regelrechte Aufbruchsstimmung (kurz vor ihrem Umzug in die BRD im Jahre 1977) und das drängende Streben hin zu dem "anderen Teil", welcher eigentlich so nah und doch so fern war. 

Das anfängliche Unverständnis gegenüber dem Regime steigerte sich durch tiefgreifende Ereignisse in herbe Enttäuschung, wenn nicht sogar Abscheu gegenüber ihrem eigenen Land und den Menschen, die es zu dem gemacht hatten, was es damals war.


Das Gedicht "Von jetzt an" spiegelt Sarah Kirschs Verarbeitung der deutschen Teilung eingehend wieder. (Das Gedicht erschien in ihrem Band "Rückenwind" im Jahre 1977)

 Von jetzt an

Von jetzt an teil ich mit dir

Von jetzt an teilst du mit mir

Jedwede Freude, jedweden Zorn.

Wir lassen uns nicht ins Bockshorn jagen

Von süßen Karaffen

Und Geldbeutelein


 Wie man auf den zweiten Blick erkennen kann, ist das Gedicht zweigeteilt. Dies lässt sich leicht aus der Verwendung des Satzzeichens, eines Punktes, ersehen, denn bis auf das kurz davor stehende Kommata verzichtet Sarah Kirsch hier bewusst auf jegliche Satzzeichen. Dies ist neben der nicht ganz nachvollziehbaren Konstruktion der Sätze bestimmend für ihren "Sarah - Sound". 

Schon durch die Verwendung der Wörter "teil" und "teilst" kann man erahnen, dass es sich bei diesem Gedicht um die deutsche Teilung handeln muss. Man erkennt, dass die (unbenannten) Teile (Ost- und Westdeutschland) aufeinander zu streben und sie im Grunde alles gemeinsam betrifft (die Freude, aber auch der Zorn). 

Die Kernaussage besteht darin, dass sich beide gegen ihre "Führer", welche sie von Außen dominieren, stellen sollen, um wieder eine Einheit zu erlangen. (Hierfür steht für den westlichen Einfluss (hauptsächlich die USA) auf Westdeutschland die Metapher des "Geldbeuteleins", für den östlichen Einfluss auf die DDR durch die Sowjetunion stehen bildhaft die "Karaffen".)   

(Dies hier kann leider nur eine kurze und leider auch viel zu knappe Erörterung des Sachverhalts darstellen, denn eine ausführliche würde unter jeglichen Umständen den Rahmen allemal sprengen.


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