Fontanes Aussagen über Roswitha

Die von Theodor Fontane geschriebene Lebens- und Leidensgeschichte über die junge Frau Effi Briest gibt einige Informationen über ihr späteres Hausmädchen Roswitha Gellenhagen.

Die „robuste“1, ramassierte 2 Roswitha3 Gellenhagen4 stammt „aus’n Eichsfeld“5 und ist „eine Kattolsche“6. Sie macht mit ihren „gute(n) braune(n) Augen“7 einen treuen und zuversichtlichen8, dennoch „klein bisschen dumm(en)“9 Eindruck. Ihre Treue, besonders im Bezug auf Effi zeigt sich deutlich gegen Ende des Romans.10 

In ihrer Vergangenheit hat sie an vielen Orten als Mädchen gearbeitet. Zuerst ist sie als Amme nach Erfurt gekommen. Diese Stelle hat ihr der Schulze, der Bürgermeister ihres Dorfes, vermittelt.11 Eine andere Anstellung hatte Roswitha in Halle. Sie ist dort „Amme bei der Frau Salzdirektorin“12 gewesen. Danach ist sie nach Giebichenstein vermittelt worden, wo sie „Zwillinge mit der Flasche großgezogen“13 hat.

Ihre letzte Herrin war eine Registratorin aus Berlin14, die plötzlich im Badeurlaub in Kessin verstirbt.15 Das Hausmädchen befürchtet, dass sie sich „wieder rumstoßen lassen“16 muss. Sie ist so verzweifelt, dass sie am liebsten „tot umfalle(n)“17 möchte.

Effi von Instetten stellt die junge Frau als Mädchen für ihr bald zu erwartendes Kind ein.18 Roswitha ist überglücklich.19

Für Roswitha ist das kleine Kind eine große Freudes.20 Sie singt dem Neugeborenen Lieder aus ihrer Heimat.21

Später übernimmt Roswitha weitere Aufgaben. Sie hat das Kochen gelernt und sorgt nun für die Familie.22

Für Effi war Roswitha eine Vertrauensperson, mit der sie über alles  „frei und unbefangen reden konnte“.23 Sie ließ sich auch gerne von dem Hausmädchen erheitern.24 

Der Roman gibt auch einige wenige Informationen über die Vergangenheit Roswithas und ihr Schicksal. Als junges Mädchen wurde sie schwanger. Ihre Vater, ein Dorfschmied, wollte sie mit einer glühenden Eisenstange umbringen.25 Das Kind wurde ihr weggenommen26, es ist wohl verhungert.27

Roswitha kam als Amme nach Erfurt. Aufgrund dieser Vergangenheit hat sie Angst vor einer Beziehung zu einem Mann28, obwohl sie sich zu einem Kutscher hingezogen fühlt.29

Das Verhältnis zwischen Roswitha und einem anderen Hausmädchen war sehr freundschaftlich und kollegial.30 In den Augen des anderen Mädchens war Roswitha eine bäuerliche31„komische Figur“32 und daher keine Konkurrenz.33 

Als die Ehe der Herrschaften auseinander bricht, folgt Roswitha Effi Briest, um dieser zu helfen.34 Hierbei zeigt sich nicht nur die bereits angesprochene Treue, sondern auch die Genügsamkeit und Dankbarkeit35 des Hausmädchens. 

Roswitha begleitet ihre Herrin zu einem Erholungsaufenthalt zu den Eltern in Hohen- Cremmen.36 Ihre Gutmütigkeit und Sorge zeigt sich hier erneut, als sie für Effi den Hund des Mannes erbittet.37

Über Roswithas weiteres Leben, nachdem Effi Briest in Hohen-Cremmen verstorben ist, gibt der Roman keine Informationen.


Fußnoten

1 Fontane, Theodor. Effi Briest, Stuttgart: Reclam. Durchgesehene Ausgabe 2002, S. 123, Z. 5 2 Fontane. S. 119, Z. 6f; Vergl. S. 120, Z. 28 3 Fontane. Vergl. S. 125, Z. 5 4 Fontane. Vergl. S. 323, Z. 7 5 Fontane. S. 125, Z. 9 6 Fontane. S. 125, Z. 8f 7 Fontane. S. 119, Z. 9 8 Fontane. Vergl. S.119, Z. 10f; Vergl. S.126, Z. 10f 9 Fontane. S. 119, Z. 10f; Vergl. S 274, Z. 16f; Vergl. S.298, Z. 6ff 10 Fontane. Vergl. S. 294, Z. 29ff 11 Fontane. Vergl. S. 199, Z. 21ff 12 Fontane. S. 126, Z. 5f 13 Fontane. S. 126, Z. 7 14 Fontane. Vergl. S. 118, Z. 30; Vergl. S. 123, Z. 30 15 Fontane. Vergl. S. 120, Z. 4ff 16 Fontane. S. 124, Z. 19 17 Fontane. S. 125, Z. 23; Vergl. S. 123, Z. 15ff; Vergl. S. 124, Z. 16 18 Fontane. Vergl. S. 126, Z. 14ff 19 Fontane. Vergl. S. 126, Z. 21ff 20 Fontane. Vergl. S. 129, Z. 21 21 Fontane. Vergl. S. 132, Z. 26f; Vergl. S. 160, Z. 25; Vergl. S. 200, Z. 10f 22 Fontane. Vergl. S. 231, Z. 35 23 Fontane. S. 251, Z. 20 24 Fontane. Vergl. S. 128, Z. 29ff 25 Fontane. Vergl. S. 198, Z.33ff 26 Fontane. Vergl. S. 199, Z.9f 27 Fontane. Vergl. S. 252, Z. 11 28 Fontane. Vergl. S. 198, Z. 18ff 29 Fontane. Vergl. S. 197, Z. 27 30 Fontane. Vergl. S. 253, Z. 30ff 31 Fontane. Vergl. S. 254, Z. 15 32 Fontane. S. 129, Z. 5f 33 Fontane. Vergl. S. 129, Z. 6 34 Fontane. Vergl. S. 294, Z. 30 35 Fontane. Vergl. S. 297, Z. 12ff 36 Fontane. Vergl. S. 313, Z. 1ff 37 Fontane. Vergl. S. 322, Z. 29


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