Biographie der Roswitha Gellenhagen

Roswitha Gellenhagen wurde am 19.November 1864 in dem kleinen Dorf Bartloff im Eichsfeld geboren. Ihr Vater war Schmied, ihre Mutter hielt das Haus und den kleinen Garten in Ordnung und kümmerte sich um das Vieh.

Die Eltern hatten wenig Geld; als einfacher Dorfschmied mit beständigen, aber seltenen Kunden war oft ein Nebenverdienst durch die Mutter nötig, um Familie und Vieh zu ernähren.

Roswitha war das einzige Kind der Familie. Die Mutter hatte vor ihr bereits zwei Kinder bekommen, die aber beide in den ersten Wochen nach der Geburt verstorben sind.

Schon früh erhielt Roswitha Aufgaben von ihrer Mutter, die sie eigenständig zu erledigen hatte. Die Mutter brachte ihr bei, wie man kocht, das Haus auskehrt oder die Kleidung wäscht. Manchmal musste Roswitha auch ihrem Vater in der Schmiede, die sich in der angrenzenden Scheune befand, helfen. Sie sortierte dann Nägel oder schürte das Feuer. Diese Arbeit gefiel ihr besser, denn ihr Vater war netter zu ihr als die Mutter. Er hatte sie noch nie geohrfeigt oder beschimpft.

Oft war Roswitha erschöpft, aber dennoch froh und stolz ihren Eltern eine Hilfe zu sein. Zum Spielen hatte sie wenig Zeit, sie brauchte bis in den späten Nachmittag um das kleine Haus zu reinigen, welche aus einer Wohnküche mit Herd und Esstisch und einer abgetrennten Nische mit dem Bett der Eltern bestand. Sie selber schlief auf dem düsteren Dachboden, zu dem man nur über eine alte Leiter von der Küche gelangte.

Als sie sechs war,1870, hatte sie große Angst, dass ihr Vater wie einige Männer aus ihrem Dorf, in den Krieg ziehen würde. Aber da eins seiner Beine etwas kürzer als das andere war, konnte er nicht für Preußen kämpfen.

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Im selben Jahr kam Roswitha in die Schule. Es war eine kleine Dorfschule, nicht weit von dem Haus ihrer Eltern entfernt. Die Schule hatte nur einen Lehrer und nur eine Klasse mit 42 Schülern, sowohl Jungen als auch Mädchen im Alter von fünf bis 14 Jahren. In der Klasse befanden sich unzählige Holzbänke, dicht hintereinander gereiht mit einem engen Mittelgang dazwischen. Links saßen die Mädchen, rechts die Jungen. Ganz vorn neben der Tafel befand sich das Lehrerpult, auf dem ein kaputter Globus stand.

An ihrem ersten Schultag hatte Roswitha nicht in die Schule gewollt. Sie musste alleine hingehen, keiner der Eltern konnte sie begleiten. Ihre Mutter war hochschwanger und wollte sich den überflüssigen Weg ersparen, um das Haus zu säubern. Ihr Vater musste arbeiten, er hatte gerade an dem Tag zwei Pferde zu beschlagen. So ging sie ganz allein nur mit einem kleinen Beutel in der Hand, in dem sich ihr Pausenbrot befand, und einer von den Nachbarn geborgten Schiefertafel zum ersten Mal in die Schule. 

Roswitha saß mit vier Mädchen in einer Bank; eines davon hatte sie schon mal im Dorf gesehen, die anderen kamen, wie viele der Schüler, aus den umliegenden Dörfern. Den Lehrer, Herrn Larenz, fand Roswitha nett, er war freundlich, und als er Fragen stellte, konnte Roswitha sich melden und die richtige Antwort geben.

Nach und nach gefiel ihr die Schule immer besser; sie hatte sich mit Anna, einem Mädchen ihres Alters, angefreundet. Leider wohnte Anna in einem anderen Dorf und so sahen sie sich nur in der Schule. 

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An dem Tag, an dem Roswithas sechs Jahre jüngere Schwester Margot zur Welt kam, änderte  sich ihr Leben schlagartig. Die Mutter hatte nur noch Augen für das Neugeborene. Roswitha übernahm nun die gesamten Pflichten der Mutter in Haus und Garten. Ihre Mutter war der Meinung, dass sie doch nun alt genug sei, um sich nützlich zu machen. Wenn sie von der Schule kam, musste sie das Essen für die ganze Familie kochen, danach das Haus säubern und die Hühner und das Schwein füttern. Wenn sie ihre Arbeit nicht sorgfältig machte, bekam sie Ohrfeigen von der Mutter und musste alles noch einmal tun.

1873, Roswitha ging schon 3 Jahre zur Schule, war es endlich so weit: Sie durfte mit vielen Jungen und Mädchen aus ihrem Dorf zum ersten Mal die Heilige Kommunion empfangen. Sie freute sich schon seit langem auf dieses Fest. Sogar die Großmutter aus dem Nachbardorf, die sonst nur an Weihnachten oder Ostern kam, reiste zu diesem Ereignis an. Auch die Nachbarn waren eingeladen. Es sollte gutes Fleisch geben, was die Familie sich nur selten leisten konnte. In den Wochen und Monaten vorher hatte Roswitha jeden Sonntag mit den Eltern in die kleine Dorfkirche und auch zur Beichte gedurft. Sie genoss es, dem Pfarrer bei der Predigt zuzuhören oder mit der ganzen Gemeinde Lieder zu singen. An ihrem großen Tag waren alle sehr freundlich zu ihr, sogar die Mutter. Sie schenkte ihr ein kleines Gebetbuch, welches in Leder eingebunden war und einmal der Urgroßmutter gehört hatte. Dieser schöne Sonntag ging für Roswitha viel zu schnell zu ende, für sie war es einer der glücklichsten Tage ihrer Kindheit.

Als Roswitha zehn war, freundete sie sich mit dem zwei Jahre älteren Julius an. Er wohnte schräg gegenüber. Sein Vater arbeitete auf einer Tabakplantage, seine Mutter rollte in der Manufaktur die Zigarren. Den Haushalt versorgte seine ältere Schwester, auf die jüngeren Zwillinge musste Julius aufpassen. Immer wenn Roswitha frei hatte und nicht der Mutter nach der Schule beim Spargelstechen auf dem Feld eines reichen Gutbesitzers helfen musste, spielte sie mit Julius. Die jüngeren Geschwister der beiden, Margot und die Zwillinge, auf die sie eigentlich aufpassen sollten, sperrten sie in einen leeren Schweinestall hinter dem Haus von Julius’ Eltern.

Mit dem Jungen hatte Roswitha viel Spaß, seine Familie hatte Kaninchen, mit denen sie manchmal spielten. Oder sie kletterten auf Bäume und stahlen Äpfel und Pflaumen der Nachbarn. Roswitha bewunderte Julius, er war schlau, fand sie, und er konnte so schöne Geschichten erzählen. Manchmal setzten sie  sich abends, wenn die Eltern und Geschwister schon schliefen, auf den Heuboden über der Schmiede von Roswithas Vater, um sich etwas zu erzählen. Julius berichtete dann von allem möglichen Ereignissen: von einem großen Feuer im Nachbardorf, von Menschen aus Willbich oder was ihm gerade einfiel. Einmal hatte er Roswitha von einem Vorfall mit seinem Vater erzählt und musste dabei grinsen. Sein Vater hatte mal den gesamten ersparten Lohn in dem kleinen Wirtshaus für Schnaps ausgegeben. Als Julius’ Mutter das mitbekam, rannte sie mit einem Besen hinter ihm her. Der Vater war so betrunken, dass er nicht mehr gerade laufen konnte und mit dem Gesicht voran in den Misthaufen des Bauern Hatesaul fiel. Roswitha lachte, sie genoss es mal mit jemandem reden zu können. Die Mutter hatte keine Zeit, um ihr etwas zu erzählen oder ihr zuzuhören, der Vater musste immer arbeiten, und wenn er das nicht tat, wollte er schlafen.

Eines Nachts lachten Julius und Roswitha so laut, dass sie Roswithas Vater aufweckten. Dieser kam wütend im Nachthemd aus dem Haus und folgte den Stimmen. Als er sie gefunden hatte, schrie er sie an und fragte, was denn ein Junge und ein Mädchen mitten in der Nacht auf einem Heuboden zu suchen hätten. Roswitha flehte ihn an nichts der Mutter zu sagen, doch diese war ebenfalls von dem Lärm wach geworden und wartete an der Haustür. Roswitha traute sich nicht in ihre Nähe, doch der Vater zog sie und Julius mit sich. Die Mutter schlug erst Julius und dann ihre Tochter mit der flachen Hand ins Gesicht. Julius riss sich los und lief nach Hause, während seine Freundin unter heftiger  Beschimpfung in ihr Bett geschickt wurde.   

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Jeden Samstag war Waschtag. Die Mutter erhitzte dann zwei große Kessel mit Wasser, der eine war für die Kleidung, der andere zum Baden. Es gab eine feste Reihenfolge, wer wann badete. Zuerst waren die Kinder an der Reihe. Roswitha und Margot wurden zusammen in die kleine Holzwanne gesetzt und von der Mutter mit Kernseife abgeschrubbt. Danach war der Vater an der Reihe. Er musste das selbe Wasser nutzen, in dem Roswitha und Margot gebadet hatten. Zuletzt stieg die Mutter in das lauwarme Wasser, auf dem sich bereits eine dicke Schmutzschicht abgesetzt hatte. Roswitha ekelte sich vor diesem Wasser. Die Mutter tat ihr Leid, aber es schien, als würde ihr das benutzte Wasser nichts ausmachen. Nach dem Baden wurden die Kleider gewaschen. Auch die vierjährige Margot musste schon helfen. Am Ende des Waschtages lag im Sommer die Wäsche auf dem Rasen zum Bleichen und trocknete anschließend auf gespannten Leinen.

Wenn Roswitha Schulferien im Sommer hatte, musste sie mit ihrer Mutter zum Gutsbesitzer ins Nachbardorf. Ihre Mutter arbeitete dort im Sommer mit vielen anderen Frauen auf den Rüben- und Kartoffelfeldern; der Gutsbesitzer verkaufte die Waren an einen reichen Handelskaufmann weiter. Roswitha las, wie auch Julius und viele andere Kinder, Kartoffelkäfer und Steine von den Pflanzen. Sie bekam dafür richtiges Geld, 5 Pfennig am Tag. Im Herbst ging die Mutter auch dort zur Ernte, wenn das Geld durch die Schmiedearbeit des Vaters nicht ausreichte. Roswitha und ihre kleine Schwester Margot begleiteten sie. Im Herbst mussten sie Zwiebeln ziehen. Eine mühsame Arbeit mit geringem Lohn, aber sie waren stolz, wenn der Vater sie für ihre Mithilfe lobte.

Zu ihrem 13. Geburtstag, 1877, bekam Roswitha von ihrer Mutter einen wollenen Umhang. Sie freute sich riesig. Die Mutter hatte ihn für den kommenden Winter gemacht. Jeden Abend hatte sie gestrickt, wenn die Kinder schon schliefen. Roswithas kleine Schwester Margot hatte den Geburtstag ganz vergessen und kümmerte sich nicht weiter darum. Auch den Vater interessierte es nicht, ob Roswitha nun 12 oder 13 war. Er streichelte ihr mit einem Lächeln über den Kopf und machte sich an sein Frühstück. Roswitha störte es nicht, sie war es nicht anders gewohnt. Auch dass sie an ihrem Geburtstag genauso schuften musste, wie sonst, war nicht ungewöhnlich , und das Frühstück war das gleiche wie immer: Zichorienkaffee und Schwarzbrot. Ein Rest selbst gemachter Stachelbeermarmelade war noch da, die machte Margot leer. Nach der Schule säuberte Roswitha wie immer zusammen mit der Schwester das Haus. Die Mutter musste gegen Geld die Wäsche fremder Leute waschen. Gegen Abend kam Julius zu Roswitha und brachte ihr sein Geschenk. Er hatte ihren Geburtstag nicht vergessen. Roswitha freute sich und schaute in den kleinen Korb, den Julius auf dem Arm trug. Drinnen saß ein kleines schwarzes Kaninchen , das von nun an Roswitha gehören sollte. Sie war überglücklich. Roswitha wollte das kleine Tier gar nicht mehr loslassen , aber dann setzte sie es  doch in einen alten Stall, wo früher die Hühner drin waren.

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Für die Menschen war der Winter die schlimmste Zeit des Jahres. Das Essen aus dem Eigenanbau blieb aus und die Vorräte wurden in strengen Wintermonaten oft knapp. Die Möglichkeiten von Nebenarbeit für die Frauen waren gering und somit hatten die Familien selten zusätzlichen Verdienst. Roswithas Mutter wusch schon seit einiger Zeit für reiche Leute die Wäsche. Ihre Töchter halfen ihr, doch das Trocknen war bei Kälte und Nässe ein Problem. Die Wäsche fror bei Minustemperaturen auf der Leine ein.

Eines Tages fiel die Mutter beim Wäschewaschen mit einem lauten Schrei zu Boden. Margot holte sofort den Vater und Roswitha half der vor Schmerz fast unbeweglichen Mutter auf. Der Vater befahl seiner Frau sich hinzulegen, doch sie wollte nicht, die Wäsche musste doch fertig werden. Doch als sie versuchte sich zu bücken, fuhr ihr erneut ein furchtbarer Schmerz in den Rücken. Sie legte sich schließlich doch hin und Roswitha und Margot wuschen die restliche Wäsche. Die Mutter erholte sich zwar in den nächsten Tagen, aber das Wäschewaschen und damit auch den kleinen Nebenverdienst musste sie, wegen des Rückenleidens, aufgeben, denn Roswitha und Margot schafften diese zusätzliche Arbeit nicht. 

Der Vater hatte im Herbst und Winter immer etwas zu tun. Er war der einzige Schmied in der ganzen Umgebung und hatte daher viele Kunden auch aus den umliegenden Dörfern. Er musste das von der landwirtschaftlichen Arbeit des Sommers abgenutzte Werkzeug erneuern. Manchmal standen Leiterwagen auf dem Hof der Familie Gellenhagen, an denen der Vater die Eisenringe in den Rädern erneuern musste. Roswitha und Julius hatten großen Spaß am Herumklettern auf den Leiterwagen, doch wenn sie erwischt wurden, gab es Ärger. Manchmal kamen im Winter auch Pferde zum Beschlagen. Dann half Roswitha dem Vater besonders gerne, denn sie mochte Pferde sehr. Sie durfte die schönen Tiere halten und musste sie beruhigen.

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Obwohl der Verdienst des Vaters recht gut war, reichte es nicht. Daher backte die Mutter zusammen mit Roswitha und Margot Kipferl, die sie auf dem Weihnachtsmarkt in Geismar zum Verkauf anboten. Sie fingen früh an, schon um 4, denn der Weg bis nach Geismar war weit , besonders mit Holzpantinen auf den zugefrorenen Straßen. Durch den Verkauf verdienten sie jedes Mal etwa 40 Pfennige. Roswitha, die im Gegensatz zu ihrer Mutter etwas rechnen konnte, hatte Probleme mit der neuen Währung, obschon diese schon seit über einem Jahren galt. Der Groschen wurde in Pfennig umgerechnet.

Einmal mussten Margot und Roswitha allein losgehen, die Mutter hatte nur beim Backen geholfen. Sie gingen sehr früh los, ohne Frühstück. Als sie in Geismar auf dem Markt angekommen waren , knurrte ihnen der Magen. Margot wollte unbedingt einen von den Kipferln haben, doch Roswitha ließ es nicht zu. Irgendwann schaffte Margot es doch in den Korb zu greifen, riss diesen dabei um, so dass alle Kekse in den schmutzigen Schnee fielen. Roswitha schrie Margot wütend an. Sie sammelten einige der Kipferl auf und versuchten sie zu verkaufen. Am Ende des Tages hatten sie gerade mal sechs Kekse verkauft. Roswitha war klar, dass sie den Ärger bekam und sie traute sich nicht nach Hause. Nach einer heftigen Ohrfeige wurde Roswitha am nächsten Tag ohne Geld zum Kaufmann geschickt, um etwas Brot zu erbetteln, da sie kein Geld mehr hatten. Es war ihr sehr peinlich. So etwas taten nur kleine Kinder aus sehr armen Verhältnissen. Der Kaufmann war aber freundlich zu ihr, er hatte ihr früher oft Bonbons geschenkt und Roswitha hatte sich als einziges Kind immer bedankt. Der Kaufmann gab ihr etwas Brot und eine halbe Semmel, die sie auf dem Heimweg allein essen sollte.

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In dem besonders harten Winter 1877 erkrankte Roswithas Großmutter an einer Lungenentzündung. Sie war auf dem Weg zur Kirche ausgerutscht und in einen fast zugefrorenen Graben gefallen. Erst Stunden später hatte man sie gefunden. Die Nachricht vom schlechten Zustand der Großmutter kam zwei Tage nach dem Unglück bei Gellenhagens an. Da es wohl sehr schlecht um die alte Großmutter stand, ging die Mutter noch am selben Tag los. Das Dorf  Effelder lag einige Kilometer entfernt und als sie ankam, war die alte Frau kaum noch ansprechbar. Die Nachbarn der Großmutter machten sich große Sorgen und schlugen Frau Gellenhagen vor, einen Arzt holen zu lassen. Doch dieser Arzt war weit entfernt und bis der ankäme, wäre die Großmutter vielleicht längst wieder gesund oder tot und man müsste den Doktor trotzdem bezahlen. Frau Gellenhagen machte ihrer alten Mutter kalte Wickel, um das Fieber zu senken und kochte Holundertee und eine kräftige Hühnersuppe. Die Nachbarn brachten Brot und Butter, damit die alte Frau bald wieder zu Kräften käme. In der Nacht zum dritten Tag starb die Großmutter, ohne noch etwas gesagt zu haben. Frau Gellenhagen wusch sie sorgfältig, zog ihr das schönste Nachthemd über und bahrte sie in der Stube auf. Sie suchte die Dinge aus dem Haushalt ihrer Mutter zusammen, die sie noch gebrauchen konnte, packte auch einige Vorräte zusammen, sagte dem Pfarrer Bescheid und ging wieder nach Hause. Roswitha, die ohne Probleme alleine gekocht, geputzt und die Tiere gefüttert hatte, war empört, dass die Mutter nicht zur Beerdigung geblieben war, doch diese war der Meinung, dringend eine neue Stelle suchen zu müssen, um über den Winter zu kommen. Das war vorrangig.

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Im Frühjahr 1878 beschlossen Roswithas Eltern einen Knecht zur Hilfe zu nehmen. Der sollte dem Vater in der Schmiede helfen oder der Mutter auf dem kleinen Acker. Den Sommer über würden sie sich einen Knecht schon leisten können, meinte der Vater. Die Mutter erkundigte sich beim Dorfschulzen, ob er jemanden wüsste, der für diese Aufgabe in Frage käme. Einige Tage später stand ein junger Mann im Alter von etwa 21 Jahren bei den Gellenhagens auf dem Hof. Er hieß Kalle, war blond, hatte kräftige Arme und Hände und bekam die Stelle als Bursche bei Familie Gellenhagen. Roswitha mochte Kalle nicht. Sie fand ihn  grob und unerzogen. Kalle hingegen fand, so schien es, Gefallen an Roswitha. Er lächelte sie immer so geheimnisvoll an. Roswitha schaute dann weg oder streckte ihm die Zunge heraus. Sie war sowieso böse auf Kalle. Der hatte nämlich sein Nachtlager auf dem Heuboden, wo eigentlich, nach Roswithas Meinung, nur sie und Julius hin durften.

Margot, die erst sieben Jahre alt war, mochte Kalle gerne. Gegen Abend, wenn die Arbeit erledigt war, spielte er mit ihr: Er trug sie auf seinen Schultern oder wirbelte sie herum.

Für die Eltern war Kalle eine große Hilfe. Die Mutter konnte sich nun ganz um den kleinen Acker kümmern und der Vater hatte zwei starke, helfende Hände mehr und war nicht auf die Hilfe seiner Töchter angewiesen.

Wenn Roswitha mit der Hausarbeit fertig war und kontrolliert hatte, ob Margot die Tiere richtig gefüttert hatte, konnte sie mit ihrem kleinen Kaninchen spielen. Sie ließ es auf einem Stück Gras herumhoppeln, streichelte es und baute ihm in seinem Stall Höhlen. Meistens kam Julius gegen Spätnachmittag zu ihr. Eines Abends erzählte er, dass er bald fort müsste, wohin wusste er selber noch nicht. Seine Eltern konnten ihn nicht mehr ernähren und er war alt genug sein eigenes Geld zu verdienen. Julius’ ältere Schwester arbeitete schon länger bei reichen Leuten aus der Stadt als Hausmädchen.

Für Roswitha brach eine Welt zusammen. Sie wollte nicht, dass Julius sie allein ließ. Ohne ihn hatte sie niemanden mehr, der sich für sie interessierte, wie es ihr ging oder was sie bedrückte. Weinend saß Roswitha mit ihrem Kaninchen im Schoß auf dem Boden des Stalls. Julius wollte sie trösten. Er sagte, dass sie bestimmt auch bald von zu Haus fort müsste und dann neue Leute kennen lernen würde und sie sähen sich bestimmt einmal wieder. Das alles änderte nichts an Roswithas Trauer.

In der Nacht war Roswitha ganz unruhig. Margot, mit der sie sich ein Bett teilte, atmete so laut, dass sie kaum einschlafen konnte. Zwei Tage später war Ostersonntag. Die ganze Familie Gellenhagen, auch Kalle, ging in die Ostermesse am frühen Morgen. Roswitha konnte sich kaum auf den Gottesdienst, den sie sonst immer genossen hatte, konzentrieren. Sie war immer noch traurig und gab jedem die Schuld dafür, erst recht Gott.

Zum Mittag gab es Braten mit Kartoffeln und Erbsen. Die Mutter hatte das Essen allein zubereitet, denn Roswitha musste den Nachbarn beim Kochen helfen, da die alte Frau sich den Arm gebrochen hatte.

Beim Essen hatte Roswitha keinen Appetit. Auf einmal sah sie ein kleines, blutverschmiertes Fell in der Nähe des Herdes liegen. Roswitha erschrak. Mit zitternder Stimme fragte sie, was das für Fleisch sei und bekam die furchtbare Antwort: Kaninchen. Das Osteressen war also ihr kleines, schwarzes Kaninchen, welches das einzige war, was sie an Julius erinnern sollte. Weinend lief Roswitha davon. Sie versteckte sich in der Schmiede hinter dem Ofen. Nun konnte ihr nichts mehr helfen; Julius ging fort und ihr Kaninchen war tot.

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Am Abend kam Kalle in die Schmiede. Er war auf der Suche nach Roswitha um sie zu trösten. Roswitha war irgendwie froh, dass Kalle da war. Obwohl sie ihn immer noch nicht richtig mochte, war sie glücklich, dass sich jemand um sie kümmerte. Die Eltern hatte es nicht interessiert, wie Roswitha sich fühlte, als sie erfuhr, dass ihr Kaninchen geschlachtet worden war, für sie zählte ein gutes Essen am Osterfeiertag.

Kalle hatte den Arm um Roswitha gelegt. Das gefiel ihr eigentlich nicht, aber sie wollte nicht unhöflich sein. Er fragte sie, ob sie sich vielleicht die Fledermäuse anschauen sollten, die oben über dem Heuboden an der Decke hingen. Roswitha war einverstanden und so stiegen sie die Leiter hoch. Nachdem sie die Tiere angeschaut hatten, fasste Kalle Roswitha plötzlich mit festem Griff am Arm. Sie erschrak. Er stieß sie in das Heu und zog sich seine Hose herunter. Roswitha hatte Angst. Als er sich auf sie legte, wollte Roswitha schreien, doch von den Eltern hätte sie sowieso nur Ohrfeigen bekommen, wie damals, als sie sich mit Julius Geschichten auf dem Boden erzählt hatte.

Roswitha hatte furchtbare Schmerzen, sie wusste nicht, was mit ihr geschah. Julius hatte ihr mal etwas erzählt, aber das hatte sie sich anders vorgestellt. Roswitha versuchte Kalle immer wieder von sich zu stoßen und bat ihn, sie in Ruhe zu lassen, doch sie war zu schwach und er hörte nicht auf sie.

Im September merkte sie, dass sie ein Kind bekommen würde. Ihr Bauch wurde immer rundlicher. Sie traute sich nicht den Eltern etwas zu sagen und zögerte es immer weiter hinaus. Ihre Mutter bemerkte nichts, sie hatte zu viel zu tun, und da Roswitha ihren Umfang gut versteckte, konnte man auch nichts sehen.

Anfang Januar 1879 musste Roswitha es ihrer Mutter sagen. Die Mutter schrie sie an und schlug sie. Als Roswithas Vater alles mitbekam, ging der mit einer glühenden Eisenstange auf sie los. Roswitha rannte weg und versteckte sich in der Scheune der Nachbarn. Erst nach einem Tag wagte sie sich nach Hause. Ihre Eltern verachteten sie und die kleine Schwester beschimpfte Roswitha. 

In die Scheune der Nachbarn ging sie auch, als das Kind zu Welt kam. Zu Hause hatte sie zu große Angst vor dem Vater. Von den Nachbarn wurden Roswitha und das Kind anschließend gefunden, Roswitha war ohnmächtig; das Neugeborene wurde ihr weggenommen.

Die Familie Gellenhagen versuchten Roswitha so schnell wie möglich aus dem Haus zu bekommen, mit so einer Tochter konnte man nichts anfangen, sie war eine Schande für die ganze Familie. Sie durfte die Volksschule nicht zu Ende machen. Ihre Mutter war froh, als der Dorfschulze kam und sagte, dass ein fremder Herr aus Erfurt eine Amme suche. Roswitha fuhr noch am selben Tag, drei Tage nach der Geburt, mit dem Mann aus Erfurt weg.

Ihr ging es immer noch sehr schlecht und sie dachte an ihr Kind, was ihr genommen worden war. In Erfurt sollte sie für ein fremdes Neugeborenes sorgen.

Dort, bei der Familie Werner, hatte sie starkes Heimweh. Sie vermisste vor allem Julius, an ihre Eltern dachte sie selten. Oft erinnerte sie sich traurig an ihr Kind, von dem sie nicht wusste, ob es noch am Leben war.

Die Familie war freundlich zu ihr; etwas, das Roswitha nicht kannte. Sie lebte gut bei den Werners, bekam ausreichend Essen und wurde etwas rundlicher. Sogar eine eigene Kammer hatte sie und erhielt wöchentlich einen kleinen Lohn.

Die Familie hatte Pferde und daher auch einen Knecht. Roswitha hatte Angst vor ihm und ging ihm aus dem Weg. Auch wenn sie sich mit dem anderen Dienstmädchen gut verstand, fühlte sie sich nicht wohl in Erfurt.

Ein paar Briefe schickte Roswitha nach Hause zu ihren Eltern, mit dem Absender auf dem Kuvert, doch es kam keiner zurück.

1882 übergab Familie Werner Roswitha an Bekannte weiter nach Halle. Für ihr eigenes Kind hatten sie nun ein etwas erfahreneres Kindermädchen. Die Familie aus Halle erwartete ein Kind und war auf der Suche nach einer guten Amme.

Roswitha kam zu der wohlhabenden Familie Illmann, der Herr besaß eine Saline. Das Haus war groß, mit einem schönen Garten. Sie sollte sich um das Kind von der Frau Salzdirektorin kümmern und es groß ziehen. Für den Haushalt gab es zwei Hausmädchen. Mit denen verstand sie sich nicht sehr gut. Sie waren viel älter und wollten nichts mit Roswitha zu tun haben.

Roswitha hatte ein eigenes kleines Zimmerchen direkt neben dem Kinderzimmer, bekam gutes Essen und erhielt wöchentlich Lohn. Das Neugeborene hatte sie lieb gewonnen, dennoch war sie nicht glücklich bei der Familie Illmann.

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Nach zwei Jahren, 1884, brauchte Familie Illmann Roswitha als Amme nicht mehr. Sie wurde weitervermittelt.

Über eine Annonce kam sie zu den Eggerstetts nach Giebichenstein. Dort musste sie auf Zwillinge aufpassen: ein Junge und ein Mädchen von einem halben  Jahr. Dort blieb sie fünf Jahre, bis die Zwillinge in die Schule kamen und nur noch das Hausmädchen auf sie aufpassen sollte. Roswitha machte es nicht viel aus erneut die Stelle zu wechseln, sie hatte sich an einen häufigen Ortswechsel gewöhnt. Außerdem bekam sie oft Ärger, wenn sie in die Kirche ging.

Die Familie Eggerstett half Roswitha 1889 als Dank für ihre Dienste bei der Suche nach einer neuen Stelle. Roswitha musste auf ein Angebot in Berlin bei einer älteren Frau antworten. Sie hätte sich viel lieber weiter um Kinder gekümmert, aber die Gebühren für die Vermittlung nach Berlin waren günstig und so wurde diese angenommen. Schon am darauf folgenden Tag saß Roswitha im Zug von Halle nach Berlin. Sie wurde von einem Kutscher am Bahnhof abgeholt und zu einem schönen, großen Haus gefahren. Die alte Frau Rode pflegte mit einem Hausmädchen zu leben. Das letzte hatte gerade die Stelle gewechselt, und so war Roswitha eingestellt worden. Die alte Frau war die Witwe eines Registrators und sehr reich und sehr herrisch. 

Roswitha hatte Mühe mit der alten Frau, sie wurde ständig herumkommandiert.

Im Sommer 1885, Roswitha war ein knappes Jahr in Berlin, wollte die Frau Registratorin ihren alljährlichen Urlaub im Badeort Kessin an der Ostsee machen. Das neue Hausmädchen sollte sie begleiten.

Nach einer anstrengenden Reise mit Zug und Kutsche kamen sie in dem kleinen Ort an. Sie wohnten nicht weit vom Seebad entfernt. Neben ihrem Hotel was das Haus des Landrates der Stadt. Oft redete die alte Frau über den Landrat, der gerade eine junge Frau geheiratet hatte.

Eines Morgen, sie waren erst ein paar Tage in Kessin, musste Roswithas Herrin liegen bleiben. Sie konnte kaum atmen und auch wenig sprechen. Schon länger hatte sie diese Beschwerden, der Arzt sagte, es wäre Wasser in den Lungen und man könne nichts dagegen tun. Am Abend dieses Tages starb Frau Rode . Die Verwandten kamen und beerdigten die alte Frau in Kessin; Roswitha gaben sie ihren geringen Lohn und etwas Geld für die Rückreise, ansonsten ließen sie sie allein.

Nun hatte Roswitha  niemanden mehr. Sie wollte nicht mehr dieses elende Leben führen, in dem sie nur herumgeschubst wurde und niemand sie wirklich mochte.

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Als sie am Grab der Registratorin saß, kam die junge Frau Landrätin, Effi von Instetten, mit einem großen Hund vorbei und sprach Roswitha an. Sie schien hochschwanger zu sein. Die beiden kamen ins Gespräch, und nachdem Roswitha ihr ihre verzweifelte Lage geschildert hatte, bot die Landrätin ihr eine Stelle als Kindermädchen für ihr bald zu erwartendes Kind an. Roswitha war überglücklich und durfte 1885 bei der Familie von Instetten anfangen.

Das Kind kam zur Welt und hieß, nach einem Vorschlag Roswithas, Anni. Sie sorgte liebevoll für das Neugeborene und fühlte sich zum ersten Mal wohl bei einer Familie, für die sie arbeitete.

Sie kam mit allen gut zurecht, besonders mit dem großen Hund Rollo, der ihr seit der ersten Begegnung ans Herz gewachsen war. Mit Johanna, einem Hausmädchen verstand sie sich ebenfalls recht gut. Diese war zwar sehr hochnäsig und überheblich, aber dennoch freundlich. Die Köchin Christel und der Bedienstete Friedrich waren etwas älter als Roswitha, mit ihnen hatte sie nicht viel zu tun. Direkt neben dem Pferdestall wohnten der Kutscher Kruse und seine Frau. Der Mann war sehr aufgeschlossen, seine Frau hingegen etwas eigenartig und zurückgezogen. Roswitha mochte Herrn Kruse sehr gern, jede Unterhaltung mit ihm machte sie glücklich. Oft fühlte sie sich zu ihm hingezogen, aber dann dachte sie an ihre Vergangenheit und versuchte den ohnehin verheirateten Kruse aus ihren Gedanken zu verdrängen.  

1889 beschlossen die von Instettens nach Berlin zu ziehen. Der ehrgeizige und sehr strenge Herr, Geert von Instetten, hatte eine neu Stellung als Ministerialrat erhalten.     

Johanna und Roswitha siedelten mit nach Berlin über. Kruse, Friedrich und Christel wollten aufgrund ihres Alters nicht folgen.

1890 besuchte Roswitha Frau von Instettens Eltern, Annis Großeltern, mit dem Kind in Hohen-Cremmen, während Herr und Frau Ministerialrat Urlaub auf Rügen machten. Roswitha fühlte sich sehr wohl bei den Eltern ihrer Herrin. Sie schienen genauso freundlich und herzlich zu sein wie Frau von Instetten selbst.

1892 machte Effi von Instetten eine Kur in Bad Ems. Von dort kehrt sie nie mehr zu ihrer Familie zurück, da Herr von Instetten eine vergangene Affäre seiner Frau herausbekommen hatte und sich trennte. Für Roswitha, die alles aus der Zeitung erfuhr, änderte sich erneut ihr ganzes Leben. Sie besuchte Frau von Instetten in einer Unterkunft und wollte ihr bei der neuen Wohnung behilflich sein und weiterhin bei ihr wohnen. Johanna hingegen blieb bei Herrn von Instetten und Anni.

Kurze Zeit später wurde Frau von Instetten krank. Sie litt an einer Nervenkrankheit. Der Arzt schickte sie 1895 zur Erholung zu den Eltern nach Hohen-Cremmen. Roswitha begleitete sie. Sie machte sich große Sorgen um die gnädige Frau, die immer schmaler im Vergleich zu der stämmigen Roswitha wurde.

Nachdem sie ein halbes Jahr in Hohen-Cremmen waren und es Frau von Instetten bereits besser ging, bat Roswitha Herrn von Instetten den Hund Rollo herzuschicken. Effi vermisste auf ihren Spaziergängen einen Hund und Roswitha wollte ihr helfen. Sie tat sich schwer mit dem Brief. Geschrieben hatte sie lange Zeit nicht mehr und die Art und Weise, wie man eine Adresse angibt, war ihr auch nicht bekannt. Dennoch erreichte sie ihr Ziel und Rollo wurde wenige Tage später von einem Boten gebracht. Damit hatte sie Effi eine große Freude bereitet.

Bereits ein Jahr waren Frau von Instetten mit ihrem Hausmädchen in Hohen- Cremmen. Es war 1897, als Effi sich schwer erkältete und im Bett bleiben musste. Roswitha und Effis Eltern befürchteten das schlimmste. Als Roswitha mit ihrer kranken Herrin redete, bedankte sich diese mit schwacher Stimme bei ihrem Hausmädchen und sagte ihr, dass sie zurück nach Berlin fahren solle, um dort wieder bei Herrn von Instetten leben und arbeiten zu können. Sie solle auch Anni grüßen und für sie sorgen. Erschrocken flehte Roswitha, sich nicht zu verabschieden, sie dürfe sie nicht allein lassen.

Am Abend war die junge Frau von Instetten verstorben. Roswitha war verzweifelt. Sie trauerte sehr um ihre Herrin. Nachdem Effi im Garten der Eltern ihre letzte Ruhe gefunden hatte, mussten das Hausmädchen und der Hund abreisen. Ihr Leben war schon wieder durcheinander. Die einzige Person, die liebenswürdig zu ihr gewesen war, zu der sie Vertrauen hatte, war tot. Sie hatte keine Arbeit und keine Wohnung. Vor der Rückkehr nach Berlin zu Instetten, Anni und Johanna fürchtete sie sich. Sie wollten sie bestimmt nicht mehr sehen.

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Entgegen ihre Vermutung wurde sie in Berlin aufgenommen. Roswitha sollte sich wieder um Anni kümmern, die bereits das Gymnasium besuchte. Von Johanna wurde sie nicht sehr freundlich begrüßt; sie verachtete Roswitha für ihr Handeln in der Vergangenheit. Doch nicht wegen Johanna fühlte sich Roswitha nie mehr glücklich.  Sie konnte nicht mehr lachen und wollte nicht essen.

Roswitha wurde immer schwächer und dünner, hustete stark und sah blass aus. Herrn von Instetten fiel dies auf und er fragte besorgt, ob sie krank wäre. Doch sie tat dies ab.

1899, einige Wochen später, als Roswitha morgens aufstand, war ihr schwindelig. Beim Husten schoss Blut aus ihrem Mund. Der Arzt wurde gerufen und stellte eine Bronchitis fest. Roswitha sollte wegen der Ansteckungsgefahr allein in ein Zimmer gelegt werden und nur zu den Mahlzeiten durfte jemand ihr Essen bringen. Nach einer Woche kam der Arzt wieder, da es ihr schlechter ging. Eine erneuten Untersuchung ergibt, dass Roswitha  an Tuberkulose litt, einer hoch ansteckenden Lungenkrankheit. Sie sollte so schnell wie möglich aus dem Haus, um sich in einer Kur zu erholen. Am nächsten Morgen sollte es bereits losgehen. Instetten wollte alles bezahlen aus Sorge um Anni und sich selbst.

Doch Roswitha erlebte den nächste Morgen nicht mehr. Sie starb in der Nacht des 23. Januar 1899 an der schweren Krankheit.


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