Interpretationsbeispiel

Hier finden Sie den Text eines Liedes über das Eichsfeld. Weiter unten finden Sie die zugehörige Interpretation.


Text


Interpretation


Mein Duderstadt[1]

Text: N. Bödige; Melodie: Karl Wüstefeld

1. Mein Duderstadt am Brehmestrand, des Eichsfelds Kron’ und Zier,

es hat sein Herz dir zugewandt, wer je geweilt bei dir.

Zwar preist die Welt nicht deinen Ruhm, spottlächelnd von dir spricht

gar mancher, weil er dich nicht kennt, wir aber leidens nicht!

 

Refrain:

Wir halten fest und treu zusammen, wir halten fest und treu zusammen.

 

2. Komm’ Fremder, auf des  Sulberg Höh’n, du wirst im

Sonnenschein

die Stadt zu Füßen liegen sehn mit Türmen groß und klein.

Von einem Lindenkranz umrahmt, so friedlich und so traut,

ruht dort im Tal ihr Bild, daß du rufst voll Entzücken laut:

:,: wir halten fest und treu zusammen! :,:

 

3. Komm laß uns in der Sommernacht am Markt lustwandeln gehen;

die Brehme rauscht und flüstert sacht; die Kirchentüren stehen

im Mondschein zauberisch umstrahlt; der Wächter ruft die Uhr,

du aber wandelst wie im Traum und sprichst doch leise nur:

:,: wir halten fest und treu zusammen! :,:

 

4. Ich führe dich zum Tor hinaus, zum Lindenberg hinan;

im Wald das schmucke Försterhaus, wie heimelt es dich an!

Du folgst mir auf des Ohmbergs Grat,

du schaust in heller Luft die weite Flur der Goldenen Mark

und singst aus voller Brust:

:,: wir halten fest und treu zusammen! :,:

5. Und hast du auch dein Herz erfreut an Duderstädter Art,

die Biedersinn und Herzlichkeit mit heit’rer Laune paart,

dann greifst du, wenn die Stunde kommt, die dich von dannen führt,

nur zögernd nach dem Wanderstab, rufst dankbar und gerührt:

:,: wir halten fest und treu zusammen! :,:

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Fußnoten


[1] Bödige, N. Mein Duderstadt. In: Eichsfelder Liederbuch. Hrsg.: Bund der Eichsfelder Vereine. Lingen/Ems: van Acken, 1964. S.23.

Interpretation

In dem Lied Mein Duderstadt von N. Bödige und Karl Wüstefeld wird besonders gut deutlich, wie die Eichsfelder denken, dass andere Menschen sie sehen.

Das Lied besteht aus sechs Strophen, von denen jede aus fünf Zeilen besteht. Nach jeder Strophe folgt ein zweizeiliger sich wiederholender Refrain.

Zuerst beschreibt der Autor Duderstadt näher. Es liegt am Brehmestrand, das eine Anspielung auf den kleinen Fluss Brehme sein soll, der durch Duderstadt fließt. Außerdem sei es „des Eichsfelds Kron’ und Zier“ (Z.2). Er sieht also Duderstadt als den schönsten Punkt des Eichsfeldes, sozusagen das Aushängeschild. Der Autor redet Duderstadt auch mit „mein“ (Z.1) an, das soll die starke Verbundenheit mit diesem Ort besonders stark betonen.

Jedem, der je in Duderstadt „geweilt“ (Z.4) hat, hat es „sein Herz (…) zugewandt (Z.3). Mit diesem Bild sagt der Autor, dass Duderstadt sich dem Besucher öffnet und dass es sich von seiner schönsten Seite präsentiert. Andererseits will er auch aussagen, dass auch dem Besucher  das Herz geöffnet worden ist und er sich dem Charme dieser Stadt nicht entziehen konnte. Er hat sie jetzt auch in sein Herz geschlossen.

Der Autor weiß aber auch, dass die „Welt“ nicht gerade Duderstadts „Ruhm (…) preist“ (Z.5). Stattdessen wird sie verspottet (vgl. Z.5f). Die Duderstädter und Eichsfelder wissen, dass man sie belächelt, auf Grund ihrer dörflichen Lebensweise, der angedichteten Dummheit, der Tradition und dem starken Konservativismus. Wie es aber in der Mentalität der Eichsfelder liegt, reagieren sie darauf ruhig und besonnen. Sie können sich darüber nicht aufregen und lächeln höchstens. Denn sie sagen sich, dass die Spottenden das Eichsfeld noch nicht erlebt haben, sondern ihr Wissen nur auf Vorurteile bauen. Ihnen macht der Spott nichts aus: „Wir aber leidens nicht!“ (Z.8). Denn trotz dieses Spotts stehen sie „fest und treu“ (Refrain) zu ihrer Stadt und ihrer Heimat.

In der nächsten Strophe wird das noch einmal thematisiert. Sie will den Fremden dazu auffordern, sich Duderstadt „im Sonnenschein“ (Z.12) anzuschauen. Von einem „Lindenkranz“ (Z.13) umrahmt, mit welchem der Autor die Lindenbäume am Wall meint, kann keiner diesem „friedlich(en)“ (Z.14) Anblick widerstehen.

In der dritten Strophe ist es nicht mehr der Anblick der Stadt von außen, sondern von innen. Der Besucher soll „am Markt lustwandeln gehen“ (Z.16). Wieder wird die Brehme erwähnt, die nicht durch Duderstadt fließt, sondern „rauscht und flüstert sacht“ (Z.17).

Vor allem um die Natur geht es in der dritten Strophe. Das „schmucke Försterhaus“ (Z.21) „heimelt“ (Z.21) den Besucher an.

Mit dieser Personifikation will der Autor deutlich machen, dass alles und jeder im Eichsfeld Besuchern aufgeschlossen ist und sich ihnen nicht verwehrt.

Nachdem dem Besucher Duderstadt und das Eichsfeld in all seiner Pracht gezeigt worden ist und er die „Herzlichkeit“ (Z.26) der Menschen kennen und lieben gelernt hat, so „greift“ er „nur zögernd nach dem Wanderstab.“ Jedem Besucher, der das Eichsfelder genauer betrachtet, geht es so, dass er es am liebsten gar nicht mehr verlassen möchte.

Von der ersten Strophe bis zur vierten Strophe erfolgt eine Steigerung der Begeisterung des Besuchers über das Eichsfeld. Zuerst ist er nur entzückt, in der zweiten Strophe hat es ihm fast die Sprache verschlagen, so dass er nur noch „leise“ „spricht“ (Z.20). In der dritten Strophe hat er schon viel vom Eichsfeld gesehen und so singt er von Freude ergriffen „aus voller Brust“ (Z.25). Das ist auch gleichzeitig der Höhepunkt der Begeisterung. Denn in der letzen Strophe ist er „dankbar und gerührt“ und auch ein wenig traurig, dass er das Eichsfeld schon verlassen muss, aber er kommt bestimmt bald wieder. . .

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Fußnoten


[1] Bödige, N. Mein Duderstadt. In: Eichsfelder Liederbuch. Hrsg.: Bund der Eichsfelder Vereine. Lingen/Ems: van Acken, 1964. S.23.