4.Verhältnis von Herrschenden und Untertanen

4.1.Einteilung in Gesellschaftsgruppen

4.2.Inhaltliche und sprachliche Darstellung


Zu 4.1.

In seinem ersten Roman über die Eichsfelder Geschichte "Der Sämann von Kurmainz" beschreibt Robert Nelz die skrupellose Oberschicht, ausschließlich nach Macht und finanzieller Unabhängigkeit strebend, und die Unterschicht, die teilweise als Leibeigene, aber auch als Bürger unter dieser Gewalt leiden müssen.

Oberschicht

Unterschicht

- Vizedom (Stadthalter)

- Propst (Vorsteher des Stiftskapitels)

- Adel

-Bürgertum

-Bauern

-Arme


Zu 4.2.

Robert Nelz erzählt in diesem Roman von dem katholischen Eichsfeld, welches vom Abgleiten in den Protestantismus bedroht ist. So sendet der Kurfürst von Mainz den Gesandten Kasimir von Wambold in das Eichsfeld, um diese Gefahr zu bannen. Die Oberschicht, allen voran der "dämonische Charakter" (S.42) Vizedom, versucht ihn dabei mit allen Mitteln zu hindern, da sie sich durch einen Überlauf in das protestantische Gebiet mehr Macht verspricht. Die Tatsache, dass auch katholische Geistliche sich an diesen Handlungen beteiligen, wird von Robert Nelz mit Ironie  bedacht. Die Rhetorik der meisten Priester wirkt sehr schlicht und einfältig, während der Gesandte von Wambold mit rhetorischer Eleganz glänzt. Wenn die grausame Herrschaftsweise des Vizedoms beschrieben wird, so läuft dies ausschließlich im harten, langen Winter ab. 

Der Vizedom herrscht mit größter Brutalität und Rücksichtslosigkeit im Eichsfeld. Auch auf den Kirchenvertreter von Wambold nimmt er keine Rücksicht und lässt ihn in den Kerker sperren. Die harte Vorgangsweise gegen die eigene Bevölkerung ist besonders erschreckend. Todesstrafen gegen hilflose Bürger und arme Bauern sind an der Tagesordnung. Die Bürger können nicht dagegen vorgehen; sie sind von der Oberschicht systematisch dumm gehalten worden. Die einfache Familie kann es sich nicht leisten, ihre Kinder zur Schule gehen zu lassen, da man die Kinder als Arbeitskräfte benötigt. Die sprachliche Einfachheit wird durch ein "Scheen gesprochen hot´r,jo,jo"(S.318) dokumentiert. Der Eichsfelder spricht oft  mit einem Dialekt und in einer einfachen Satzstruktur, während ein Herrscher wie der Vizedom  ein perfektes Latein vorweisen kann. Wenn Nelz diese Missstände in seinem Roman beschreibt, könnte man anhand der leidenschaftlichen Formulierungen vermuten, dass er persönlichen Zorn entwickelt hatte.

Mit Ironie und Sarkasmus arbeitet der Eichsfelder Heimatdichter, als er das Sterben des nur nach Macht strebenden Propstes beschreibt. Während dieser nach einer schweren Schussverletzung mit dem Tod ringt, erklingt im Hintergrund ein "lustiges (...) Trompetenschmettern"(S.253) von der elitären Treibjagd, an der auch die gesamte Oberschicht teilgenommen hatte. 

Robert Nelz möchte mit diesem Roman eine Kritik am damaligen Herrschaftssystem verdeutlichen, in der eine Minderheit das breite Volk unterjocht. Aber es ist auch eine Kritik an der katholischen Kirche zur Zeit der Glaubenskämpfe zu Beginn des 17. Jahrhunderts, da sie sich an diesen Machtspielen beteiligt und ihre seelsorgerischen Pflichten nicht ausreichend wahrnimmt.


Zurück