Adolph Freiherr von Knigge


Der Knigge" ist ein Begriff, der Jungen wie Alten geläufig ist oder es zumindest sein sollte; ein Begriff für gutes, gesellschaftlich richtiges Benehmen.

Der Knigge hat aber tatsächlich gelebt, und zwar in der Region Hannover. Adolph Freiherr von Knigge wurde am 16.10.1752 auf Schloss Bredenbeck bei Hannover geboren. Sein Vater war Hofgerichtsrat in Hannover und veranlasste den Sohn zum Jurastudium in Göttingen.

 Knigge, der jahrelang im hessischen Hanau lebte, war alles andere als ein engstirniger Benimmapostel. Er war ein vielseitiger, aufklärerisch gesinnter Verfasser zahlreicher Schriften, der fächerübergreifende Kompetenzen entwickelte. Als Autor politischer, pädagogischer und philosophischer Werke tat er sich hervor, seine liberale Haltung war für die damalige Zeit bemerkenswert. Leider wurde sein Hauptwerk „Über den Umgang Menschen" lange Zeit missverstanden und verballhornt.

Vor dem Hintergrund eines Schreibwettbewerbs hat sich die Klasse 8G2 der KGS Ronnenberg mit Knigge auseinandergesetzt. Ein Beispiel ist das fiktive Interview, das Lea Schlichting für die Schülerzeitung der KGS mit dem berühmten Schriftsteller und Experten für gutes Benehmen aus der Region Hannover geführt hat.

 

Ein Interview der Schülerzeitung der KGS Ronnenberg mit einem Experten für Fragen des Umgangs, Adolph Freiherr von Knigge

Herr von Knigge, Sie sind durch Ihr großes Werk „Über den Umgang mit Menschen" berühmt geworden. Was sagen Sie zur Jugend von heute?

Wenn Sie so allgemein fragen, dann kann ich auch nur allgemein antworten: Die Jugend, die Sie meinen, ist im Prinzip auch nicht anders als die zu meiner Zeit, also vor mehr als 200 Jahren. Es gibt kluge und dumme, zurückhaltende und aufdringliche, gut erzogene und freche Jugendliche. Es gibt höfliche junge Menschen ebenso wie Rabauken der schlimmsten Sorte. Vor allem Schüler zeichnen sich durch extreme Gegensätze aus. Sie sollten aber schon genauer fragen!

Gut, wir möchten gerne wissen, was Sie von dem rüpelhaften und respektlosen Auftreten mancher Jugendlicher in der Öffentlichkeit und gegenüber ihren Mitmenschen halten.

Sie meinen Respekt? Wir brauchen Respekt! Das war immer so und wird auch immer so sein. Viele verstehen dieses Wort gar nicht richtig. Respekt heißt nicht Leisetreterei, Duckmäusertum oder Kuschen. Respekt heißt, andere mit all ihren Eigenarten, vor allem aber in ihrer Würde zu achten und sie nicht zu verletzen. Wissen Sie, mein berühmter Kollege Kant, der zur Zeit Philosophie an der Universität Königsberg lehrt, hat da einen ganz wichtigen Satz gesagt. Er lautete: "Handle so, dass die Maxime..." – ach was, Sie verstehen das ja gar nicht, der Begriff „Maxime" gehört mit Sicherheit nicht zu Ihrem Sprachgebrauch. Ich formuliere Immanuel Kants Satz einfach um: „Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem andern zu!" In diesem Satz steckt eine tiefe Weisheit, über die Sie nachdenken und nach der im Grunde alle Menschen handeln sollten.

Herr von Knigge, Sie stammen aus der Region Hannover, leben aber zur Zeit in Frankfurt. Sie können das Verhalten junger Leute hier wie dort gut vergleichen. Gibt es Unterschiede?

Überhaupt nicht! Der einzige Unterschied besteht darin, dass ich Frankfurter Schüler oft gar nicht verstehe. Die „babbele" ein hessisches Kauderwelsch, dass ich als Hochsprachler nicht mehr mitkomme. Mein Vater, der als Jurist in Hannover arbeitete, sagte immer: hannoversche Jugend rotzt genau wie alle anderen, nur hochdeutsch! Dem ist nichts hinzuzufügen.

Ein Kapitel Ihres Buches trägt den Titel „Über den Umgang mit Frauenzimmern". Welche Zimmer meinen Sie?

Na ja, Sie scheinen dieses Wort überhaupt nicht zu kennen. Kein Wunder, es ist nicht mehr gebräuchlich wie im Jahr 1788, als mein Buch erschien. Mit Frauenzimmern sind ganz einfach Mädchen und Frauen gemeint. Wichtig ist aber der Inhalt: ich setze mich dafür ein, dass man gerade Frauen mit besonderem Respekt begegnet. Wenn Sie das ganze Kapitel lesen, merken Sie: Ich bin ein Liebhaber der holden Weiblichkeit. Frauen haben es einfach verdient, dass man ihnen mit Freundlichkeit und Respekt begegnet.

Hätten Sie gedacht, dass es in Tanzschulen „Knigge-Stunden" gibt und in Volkshochschulen „Knigge-Seminare" veranstaltet werden?

Volkshochschulen: was ist das denn? Ich kenne nur Volksschulen! Aber dass man sich mit Benimm-Regeln beschäftigt, finde ich ganz hervorragend. Ich hoffe allerdings, dass mein Name hier nicht missbraucht wird. Ich habe eigentlich keine Regeln aufgestellt, sondern nur Ratschläge gegeben. Ich möchte, dass die Menschen menschlich miteinander umgehen. Vielleicht benötigt man dazu auch Regeln, aber ich setze ganz auf die Vernunft - schließlich bin ich ein Vertreter der Aufklärung und ein Anhänger der Französischen Revolution, wo ja gerade eine Erklärung der Menschenrechte verkündet worden ist.

Die Hannoversche Allgemeine, früher Hannoverscher Anzeiger, hat junge Leute zur Teilnahme an einem Schreibwettbewerb aufgerufen. Ein Thema lautet:" Mensch, sei nicht so rücksichtslos! Sind Respekt und Höflichkeit überholt?" Was hält der Experte Knigge von diesem Thema und diesem Wettbewerb?

Ein ausgezeichnetes Unterfangen! Allerdings kenne ich diese Zeitung nicht, sie muss nach meiner Zeit gegründet worden sein. Einen Schreibwettbewerb und noch dazu zu diesem Thema finde ich wirklich sehr gut. Wundert es Sie, das von dem Schriftsteller Knigge zu hören? Ich begrüße es sehr, dass gerade junge Leute sich mit Fragen der Rücksichtnahme, der Höflichkeit und des Respekts befassen. Sie werden bestimmt viele Negativbeispiele, aber auch vorbildliche Fälle und Ermutigungen darstellen. Ich kann Ihnen und allen jungen Menschen auf die gestellte Frage nur eines mit auf den Weg geben: Respekt und Höflichkeit sind niemals überholt. Wer Rücksicht nimmt, lebt besser!

Lea Schlichting

Klasse 8G2

KGS Ronnenberg


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