Das Projekt
Frau Ott besucht schon seit Jahren in der Vorweihnachtszeit die Schüler der 5. Klassen und erzählt ihnen Märchen aus verschiedenen europäischen Ländern. Stets sind die Kinder erstaunt über die Fähigkeit, Märchen "erzählen" zu können.
Durch diese kontinuierlichen Kontakte entstand die Idee, ein Märchenprojekt anzubieten, damit die Schüler sich intensiv mit den Märchen auseinander setzen können. Es wurde immer wieder der Wunsch geäußert, die Märchen auch zu spielen.

"Warum "erzählen"?
Das Erzählen von Geschichten hat eine lange Tradition in der Menschheitsgeschichte. Leider wird diese Tradition im Zeitalter der medialen Unterhaltung zunehmend vom Fernsehen und den PC-Spielen verdrängt.
Die Kommunikation zwischen Erzähler und Zuhörer steht beim Erzählen im Vordergrund. Das Erzählen ist keine Kunst des reinen Vortragens, sondern vielmehr ein Dialog zwischen Erzähler und Zuhörer, bei dem im besonderen Maße die Fantasie des Zuhörers angesprochen und seine Kreativität angeregt wird. Erwachsene Zuhörer, die sich wieder ganz auf das Zuhören einlassen, sind oft erstaunt, welche Bildervielfalt sich beim Hören von Geschichten in ihrem Kopf entfaltet.

Das Erzählen und das Erleben von Geschichten und Märchen fördert außerdem in besonderem Maße die sprachliche Entwicklung eines Menschen, welche bereits im frühestens Kindesalter beginnt. Das Erzählen unterstützt den ureigenen sprachlichen Ausdruck. Ebenso ist das Zuhören ein weiterer wichtiger Grundstein für Sprachkompetenz. Diese Kompetenz zu fördern, ist Gisela Ott mit ihrer Erzähltätigkeit in Kindergärten und Schulen ein weiteres Anliegen."
(Ott)

"Und selbst wenn eines Tages nicht geschrieben oder gedruckt werden wird oder darf, wenn Bücher als Überlebensmittel nicht mehr zu haben sind, wird es Erzähler geben, die uns von Mund zu Ohr beatmen, indem sie die alten Geschichten zu neuen Fäden spinnen: laut und leise, hechelnd und verzögert, manchmal dem Lachen und manchmal dem Weinen nahe."

(Günter Grass anlässlich der Verleihung des Literaturnobelpreises)