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Ein Gedicht für Rudolf Christiani

Buch der Lieder, Die Heimkehr, Lied 65

 

Diesen liebenswürd'gen Jüngling

kann man nicht genug verehren;

Oft traktiert er mich mit Austern

Und mit Rheinwein und Likören.

 

Zierlich sitzt ihm Rock und Höschen,

Doch noch zierlicher die Binde,

Und so kommt er jeden Morgen,

Fragt ob ich mich wohl befinde;

 

Spricht von meinem weiten Ruhme,

Meiner Anmut, meinen Witzen;

Eifrig und geschäftig ist er,

Mir zu dienen, mir zu nützen.

 

Und des Abends, in Gesellschaft,

Mit begeistertem Gesichte

Deklamiert er vor den Damen

Meine göttlichen Gedichte.

 

Oh wie ist es hoch erfreulich,

Solchen Jüngling noch zu finden,

Jetzt in unsrer Zeit, wo täglich

Mehr und mehr die Bessern schwinden.

 

Heine hat mir ein Gedicht gewidmet, von dem ich nicht ganz genau weiß, was ich davon halten soll. Macht er sich über mich lustig? Oder ist es ihm ernst mit unserer Freundschaft? Wenigstens die "Höschen" hätte er sich sparen können! 

Rudolf Christiani

Karl Marx hat mir vorgeworfen, dass ich mich mit diesem Gedicht undankbar gegenüber Rudolf Christiani gezeigt habe. Das war nicht meine Absicht. Ohne Rudolf Christiani wäre ich wohl kaum so oft nach Lüneburg gekommen. Ich wäre vor Langeweile gestorben.

Heinrich Heine

Christiani

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