Die erste Auflage von Friedrich Spees "Cautio Criminalis" (Rechtliche Bedenken wegen der Hexenprozesse) erschien anonym 1631 in Rinteln. Unter der Widmung "An die Obrigkeit Deutschlands" wandte Spee sich in 50 Fragen und Antworten gegen die brutale Folter und die Ungerechtigkeit der Hexenprozesse.

 "Persönlich kann ich unter Eid bezeugen, dass ich bis jetzt noch keine verurteilte Hexe zum Scheiterhaufen begleitet habe, von der ich hätte sagen können, dass sie wirklich schuldig sei." (F.Spee)

Kurze Textauszüge aus Spees "Cautio Criminalis" machten uns drei wichtige Kritikpunkte deutlich:

Verurteilung der Folter

Spee erlebte als Beichtvater mehrfach die Anwendung der Folter. Er erkannte, dass jeder gefolterte Mensch alles gesteht, um ein Ende der Qualen zu erreichen. Die Folter als Grundlage einer Verurteilung verlor damit für Spee ihren Wert.

"Die Gewalt der Folterqualen schafft Hexen, die es gar nicht sind."




Verurteilung des Aberglaubens

Spee sah im Volksglauben die Ursachen der Hexenverfolgung. Er meinte damit die Unwissenheit der Menschen der damaligen Zeit, aber auch ihren Aberglauben (z.B. an Zauberei). Ebenso kritisierte er, dass Neid und Missgunst häufig das Motiv von Menschen waren, andere der Hexerei zu bezichtigen.

"In jedem anderen Land wird man zugeben, dass es immer wieder Leute gibt, die der Herrgott ein wenig reichlicher mit irdischen Gütern gesegnet hat, als andere. Geschieht dies aber mal im deutschen Volk, so stecken gleich ein paar Nachbarn, denen das Glück weniger hold ist, die Köpfe zusammen und setzen, von Hexerei raunend, haltlose Verdächtigungen in die Welt."


Verurteilung des Prozessverlaufes

Für Spee waren schon die Grundlagen eines Hexenprozesses falsch, der sehr häufig durch ein Gerücht, durch Verleumdungen oder falsche Verdächtigungen ausgelöst wurde.

"Die Wahrheit hat keinen größeren Feind als das Vorurteil."


Darüber hinaus forderte er neue Grundsätze für den Ablauf des Prozesses. So müssten alle Angeklagten bis zum Beweis ihrer Schuld für unschuldig gehalten werden, es solle das Recht auf Verteidigung geben, die Richter müssten unabhängig sein und Ankläger und Richter dürften nicht eine Person sein.