Lichtversuche Dunkelkammer


In „Lichtversuche Dunkelkammer“ schreibt Guntram Vesper über die Entstehung einer Erzählung. Der erste Teil „Lichtversuche“ ist ein Werkstattbericht, in dem er die aufwändigen Recherchen für das Schreiben einer auf wahren Gegebenheiten basierende Erzählung beschreibt – eine Vorgehensweise, die für Vesper charakteristisch ist und fast allen seiner Bücher zugrunde liegt. Schauplatz ist, wie so oft in Vespers Texten, seine Geburtsstadt Frohburg.
Als Guntram Vesper 12 Jahre alt ist, also 1953, werden an seiner Schule zwei Lehrer verhaftet. Schon damals will er über dieses Geschehnis etwas schreiben, doch erst in den 80er Jahren beschäftigt er sich wieder damit. Über Briefe versucht er etwas über die Lehrer herauszufinden, was zunächst erfolglos bleibt. Doch durch einen Redakteur aus dem Rheinland erhält Vesper schließlich einen Hinweis auf Geithain, die Kreisstadt zu Frohburg, in der er selbst zur Schule gegangen war. Dieser lenkt sein Interesse jedoch auch noch auf einen anderen Fall, der 1953 in Frohburg Aufsehen erregte und in dem ein Mühlenwärter namens Eberhard von C. auf rätselhafte Weise zu Tode kam. Vesper kannte den Mann zwar nicht, hat aber das Bedürfnis etwas über von C. und die mysteriösen Umstände seines Todes, zu schreiben, damit Name und Schicksal nicht in Vergessenheit geraten. Auch diese Beschäftigung mit Verbrechen und Gewalt als ständig wiederkehrende Momente im Zusammenleben der Menschen ist ein konstantes Thema in Vespers Texten. Wieder bemüht er sich über Briefe etwas herauszufinden und wieder bleibt die Suche erfolglos - bis er sich an die Schwester einer Klassenkameradin erinnert, die er auf einer seiner Lesungen kennen gelernt hatte und die in Geithain lebt. Er ruft sie an und erfährt etwas über von C.s Familienverhältnisse – er hat zwei Töchter in Vespers Alter – und sogar seinen ehemaligen Wohnort.
Daraufhin stellt Vesper einen ersten Plan zu der Erzählung auf. Es soll eine Prosaarbeit über seine Schulzeit in Geithain und den Tod des Arbeiters von C. werden. Der Einstieg soll über seinen ersten Tanzabend gehen.
Nun ist zwar der Entwurf fertig, doch sind die Informationen, die er hat, lediglich Ausgangspunkte. Wiederum zieht er brieflich Erkundigungen ein, wieder ohne Erfolg. Er versucht es nochmals bei der Schwester seiner Klassenkameradin und hat abermals Glück. Er erfährt, dass von C. in Böhlen gearbeitet hat. Also beginnt er Informationen darüber zusammenzutragen. Ein Brief an den Geithainer Pfarrer bleibt unbeantwortet, doch Vesper kann einen Mann ausmachen, der bereit ist mit C.'s Verwandten zu reden, die sich allerdings nicht zu dem Vorfall äußern wollen. Die Informationen reichen noch immer nicht für eine Erzählung, deshalb begnügt Vesper sich vorerst damit, verschiedene Skizzen anzufertigen, bis er aus einer unerwarteten Quelle plötzlich eine Notiz der Witwe von C. erhält, einen Besucherbericht, der statt auf Böhlen (von C.'s Wohnort) auf Espenhain verweist. Wieder sammelt Vesper neue Informationen. Zufällig erhält er zu der Zeit einen Anruf von einer Frau aus der Frohburger Gegend, die ihm etwas im Zusammenhang mit Conrad Felixmüller, dem Maler, erzählen will. Vesper fragt sie aus einem Impuls heraus nach von C. und tatsächlich kann sie mit dem Namen etwas anfangen. Daraufhin schickt Vesper ihr einen Fragebogen und erhält weitere Informationen, doch der C.'s Tod bleibt nach wie vor im Dunkeln. Trotzdem entwirft Vesper nun seine Erzählung: Zuerst soll es um seinen Tanzabend gehen, bei dem er von C.'s Tochter kennen lernt. Der Ich-Erzähler stößt daraufhin auf „etwas Unklares“. Nach einem abrupten Schnitt erzählt Vesper in einem Besucherbericht von der Begegnung mit der Witwe.


Dunkelkammer


Der Ich-Erzähler – wie so oft sind die autobiographischen Parallelen unverkennbar – lernt auf seinem ersten Tanzabend ein Mädchen kennen. Da sie den letzten Tanz des Abends zusammen tanzen, darf er sie nach Hause geleiten. Doch ihr Zug geht erst in den frühen Morgenstunden und so verbringen sie die Nacht auf einer Bahnhofsbank und unterhalten sich. Einige Zeit später machen sie einen Ausflug. Als sie am Espenhain Werk vorbeikommen, bricht sie mit den Worten hier war der Unfall zusammen. Bei diesem Unfall war ihr Vater – der Arbeiter von C. – ums Leben gekommen. Später verlieren sie sich im Zuschauergedränge bei einer Sport-veranstaltung und treffen sich nie wieder.
Jahre später nimmt die Mutter des Mädchens, eine Beratung in Übersiedlungsfragen in Anspruch und der Erzähler erfährt aus dem Bericht die Unklarheiten im Zusammenhang mit dem Tod ihres Mannes.

Die beiden Illustrationen von Klaus Büscher aus "Lichtversuche Dunkelkammer"
zurück

Zur Person: [Biographie] [Fotos/Bilder] [Interview]
Werke: [Hörspiel] [Gedichte] [Erzählung] [Film]
"Nördlich..." [Einleitung] [Kapitel] [Rezensionen] [60er Jahre] [70er Jahre] ["Pitaval"]
Variationen: [Unsere Texte]
Projekt: [Impressum]