Kapitel III - Stadtrand



Göttingen. Zunächst gibt der Erzähler Fakten über die Stadt Göttingen wieder: Fakten über die geographische Lage, die Einwohnerzahl, die Sehenswürdigkeiten und die Einteilung in die verschiedenen Stadtteile. Auch auf die Oberschicht kommt er zu sprechen. Diese sei klein genug um fruchtbar für Gerüchte zu sein. Auch Korruption spiele eine große Rolle. Als der Erzähler das Göttinger Tageblatt erwähnt, dass es als einzige von ursprünglich zwei Zeitungen übrig geblieben sei, erinnert er sich an die 60er Jahre, in denen er mit Tausenden anderen Studenten erfolgreich gegen das früher einmal sehr rechtsgerichtete Blatt demonstrierte. Nach zähen Verhandlungen wurde den Studenten eine ganze Seite je Ausgabe nur für ihre Belange und zur eigenen Gestaltung zugestanden.
Der Erzähler beschreibt die Entwicklung der Stadt - aus seiner Sicht: Im Zweiten Weltkrieg von zerstörerischen Bombardierungen verschont, fielen große Teile der alten Bausubstanz dem Flächsanierungen der sechziger Jahre zum Opfer. Das Geld sei falsch investiert worden. In der Innenstadt, die vom historischen Stadtkern zur konsumorientierten Einkaufszone verkommen sei, seien oberflächlich die Fassaden der alten Fachwerkhäuser wieder hergerichtet worden. Außerhalb des Walls erledige die Verwaltung nun das, was die Bomben nicht zerstörten. Die vierspurige Bürgerstraße, die die Innenstadt bisher im Halbkreis umging, sollte vervollständigt werden, und mit dem neuen Rathaus sowie anderen modernen Betonbauten wird das Bild der Stadt weiter kaputt gemacht.
Zum Schluss kommt der Erzähler noch einmal auf den Holtenser Berg zu sprechen, den Stadtteil, in dem er wohnt, der dem ständigen Lärm der angrenzenden Autobahn und Eisenbahnlinien ausgesetzt ist. Der Holtenser Berg wird geprägt durch die klotzigen Siedlungen des sozialen Wohnungsbaus. Die Menschen, die hier wohnen, würden nie zugeben unglücklich zu sein, aber der Erzähler fragt sich, wie sie sich fühlen, wenn sie am Wochenende zwischen den Villen des Ostviertels spazieren gehen.
Das Haus des Erzählers ist Teil einer isolierten Reihenhaussiedlung am Rande des Viertels. Auch wenn die Leute hier auf den ersten Blick glücklich zu sein scheinen, sind sie es nicht. Viele mussten aus finanziellen Gründen wieder ausziehen, während die, die es sich leisten konnten, ebenfalls weitergezogen sind. Der Erzähler beschreibt eine Reihe teils mehr, teils weniger tragischer Schicksale, die dazu führten, dass wohl die Mehrheit seiner Nachbarn sehr unglücklich sind.

   Guntram Vesper liest aus Kapitel III
   Guntram Vesper kommentiert das Göttingen von 1967/'68







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