Mein Blick vom Schreibtisch aus geht durch das bodentiefe schmale Fenster auf die untenliegende Kreuzung, auf die massige blitzgeschädigte Linde an der Straßenecke vis-à-vis und auf das kürzlich generalsanierte Altenheim drüben, auf dessen Terrasse gerade zwei Schlosser eine letzte Arbeit ausführen und ein Geländer montieren, die zwölf Monate Baulärm von Hydraulikmaschinen und Dieselmotoren sind überstanden. Aussicht nach Westen, das Viertel staffelt sich mit Dächern und grünüberhauchten Wipfeln abwärts, zur Altstadt hin. Zehn Minuten Fußweg bis zum ersten Antiquariat, zum ersten Plus-Laden, zum ersten Klamottenshop, je nachdem. Hundertdreißigtausend Einwohner hat Göttingen, die Stadt liegt auf halber Strecke zwischen Frankfurt und Hamburg. Rechtwinklig sich kreuzende Fachwerkstraßen, kaum Bombenschäden. Dafür Flächensanierung schon seit dem Kaiserreich. Knapp gesäte übervolle Papierkörbe, Hundehaufen alle paar Meter, besprühte und beschmierte Häuserwände, in dreißig, fünfunddreißig Jahren verbrauchte verschmuddelte Möblierung der Fußgängerzone (jede Stadt im Osten sieht wohnlicher aus).

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