Landeszeitung Intranet

Seite
Ressort
Erscheinungstag
6
STA
6.3.2002


BILD vergrößert im 

neuen Fenster anzeigen
Welchen Dichtern und Schriftstellern wurden in Lüneburg Straßen gewidmet ? Die Klasse 9 F der Herderschule forschte nach und ging den "Schreiberlingen" auf die Spur. Mit den Ergebnissen ihrer Recherche wollen sie an einem Wettbewerb teilnehmen. Foto: be

Die untreuen Trinker

Literatur mit Lokalkolorit soll Schülern Sieg beim Internet-Wettbewerb bescheren

ahe Lüneburg. In Lüneburg wimmelt es von Dichtern und Schriftstellern. Vor allem im Roten Feld und in Lüne-Moorfeld. Rilke, Löns, Fontane, alles, was in der schreibenden Zunft Rang und Namen hat, ist mit einer Straße vertreten. Weit mehr als nur einen flüchtigen Blick auf den Stadtplan riskieren die Schüler der Klasse 9 F der Herderschule. Sie stellen Nachforschungen zu Leben und Werk der Dichter und Schriftsteller an, nach denen in Lüneburg Straßen benannt worden sind. Die Ergebnisse ihrer fächerübergreifenden Recherchen veröffentlichen sie im Internet und nehmen damit an dem Schülerwettbewerb "Literaturatlas Niedersachsen" teil.

Seit November vergangenen Jahres sind die Schüler den Schreibern auf der Spur. Die etwas andere Herangehensweise an die Literaten hat einen Synergieeffekt, den Lehrerin Barbara Reichert verdeutlicht: "Die Schüler beschäftigen sich mit Literatur und Geschichte und lernen gleichzeitig Lüneburg besser kennen."

Wer es mit welchem Dichter zu tun bekam, das war gelost worden. Miriam Schnoor hat sich mit Joseph von Eichendorff auseinander gesetzt. "Ich habe mich im Internet über ihn informiert, was er geschrieben hat und ob er Familie hatte", erzählt sie. Nicht zuletzt hat sie auch einiges von Eichendorff gelesen: "Das war etwas langweilig." Schwierig war die Aufgabe für Fabian Hoffmann. Er zog Fritz Reuter aus dem Lostopf. "Der hat auf Plattdeutsch und in Mundart geschrieben, das war schwer zu verstehen", versichert er. Hauke Koop hat seinen Klassenkameraden erzählt, wer Johann Gottfried Herder, Namensgeber der Schule, war.

Mit der einzigen Schriftstellerin, Annette von Droste-Hülshoff, beschäftigte sich Ariana Momberg. "Sie hat häufig melancholisch geschrieben, weil sie als Dichterin nicht anerkannt wurde. Damals war es eben unüblich, dass Frauen geschrieben haben", weiß sie. Heiko Thoebe hat sich mit Böll auseinander gesetzt, hat sich extra das Buch "Der Zug war pünktlich" von einem Freund ausgeliehen. Zu Ende gelesen hat er es nicht: "Das war langweilig."

Ganz und gar nicht langweilig fand Robin Döring den Dramatiker Friedrich Hebbel. Was allerdings weniger mit seinen Werken, als mit dessen Privatleben zu tun hatte. "Der hat seine Frau betrogen. Das fand ich interessant", erklärt Robin. Dass es die Dichter mit der Treue nicht so genau genommen haben, diese Erfahrungen haben viele Schüler bei ihren Recherchen gewonnen. "Auch Goethe hat seine Frau betrogen", bestätigt Jana Henke. Und Anja Bodenstein fiel auf: "Viele Schriftsteller waren Alkoholiker."

Referate haben die Schüler über "ihre" Schriftsteller schon gehalten, eine Ausstellung zusammengestellt. Die Internetpräsentation muss bis zum 21. Mai fertig sein, dann ist Abgabeschluss. Zu gewinnen gibt's Geld- und Sachpreise im Wert von bis zu 6600 Euro.