Prediger und Lehrer

Anfangs hatten viele Bückeburger große Schwierigkeiten, bei Herders Predigten sein baltisches Deutsch zu vertehen und sich auf seine schlichte, natürliche Art zu sprechen einzustellen. Aber diese neuen Predigten kamen immer besser an. Herder verstand es, besonders auch die Bauern aus Jetenburg und Scheie zu beeindrucken. Diese waren von seinen Ausführungen so beeindruckt, dass sie in großer Zahl zu seinen Predigten kamen.

Auch als Vorgesetzter fand Herder allmählich besseren Zugang zu den Pfarrern und Lehrern. In einer Rede vor Predigern sagte er: "Wir heissen Prediger. Wenn's aber mit dem bloßen Predigen abgetan wäre, welch Amt wäre leichter! Wir heissen Seelsorger, Führer anderer zum Himmel, Verkünder des Rats, Wortes und Werkes Gottes."

Herder trat für ein gesundes, weltoffenes Christentum ein. Schon in seiner Antrittsrede hatte er gesagt: "Gott wäre ein Wüterich, wenn er der menschlichen Natur erst ihren Reichtum an Empfindungen verliehen hätte, um dann ihre Unterdrückung zu fordern."

In seinem Religionsunterricht waren die Kinder von ihm begeistert. in jedem seiner Aufgabenbereiche setzte er Neuerungen durch, auch in den Schulen, für die er die Tätigkeit als Scholarch, eine Art Landesschulinspektor, ausübte. Im Anschluss an eine Schulvisitation in Stadthagen bemängelte er das im Unterricht praktizierte "gedankenlose Auswendiglernen einer Reihe oft vorgesagter Sätze" und verlangte, beim Examen dürften nicht die belohnt werden, die die "besten Papageien" wären, sondern die, die "sich am fleißigsten, also praktisch geübt" hätten.

Auszug aus dem Schulbericht

Herder hatte für sich das Recht durchgesetzt, Lehrer bei Neueinstellungen auf ihre Tüchtigkeit untersuchen zu dürfen. Um eine Motivation der Schüler beim Lernen zu erreichen, hatte er schon 1771 eine Preis- Medaille entworfen, mit der gute Schüler ausgezeichnet wurden. Sein Ziel, die Bückeburger Lateinschule zu modernisieren, konnte er nicht verwirklichen weil es an Geldmitteln fehlte.

Die alte Lateinschule in der Schulstraße