Herder und die Gräfin

Etwa ein halbes Jahr nach seiner Ankunft in Bückeburg fand Herder näheren Kontakt zur Gräfin Maria. Seitdem fühlte er sich in der Stadt und in seinen Ämtern wohler. Die Gräfin erkannte die Fähigkeiten Herders und beschäftigte sich mit seiner Arbeit und vor allem mit seinen Predigten. Sie schrieb ihm schon Neujahr 1772: „Vielleicht wünschen Sie zu erfahren, ob Ihre Lehren von Ihren Zuhörern auch aufgenommen werden. Sie haben, ich bin es gewiß, in der kurzen Zeit, die Sie bei uns sind, schon manches Herz zur Besserung und Nachdenken geführt“. Herder freute sich über diese von ihm bisher  vermisste Anerkennung

so sehr, dass er seiner Braut schrieb: „Ich fange seit vierzehn Tagen in Bückeburg zu leben an, und alles scheint sich mir zu verändern durch die Veränderung einer Seele.“

Die Gräfin schrieb einer Freundin, Herder predige nicht nur „aus bloß gelehrtem Kopf“, sondern „aus ganzem Gefühl des Herzens“.

Gräfin Maria starb am 16.6.1776. Das innige Verhältnis, das zwischen ihr und Herder bestanden hatte, kam in Herders Abschiedspredigt im September 1776 zum Ausdruck. Er sagte über sie: „Siehe, da sandte Gott in Zeiten des Unmuts diejenige Person, die mir als ein Engel Mut einsprach, wo ich keinen hatte, und dieses erste Mitglied unserer Gemeine, die wir als Landesmutter verehrten, lehrte mich, wie sehr auch dieses zu meinem Lebensweg erforderlich sei, da meines Zwecks zu verfehlen, wo ich ihn am mehrsten gesucht und gehofft zu erfüllen. Gott belohne sie jetzt als Engel auch für das, was sie auch ... an mir getan.“