Lage des Herderhauses

Haus und Umgebung

Bückeburg 1771

Herder schrieb über das viel zu große Haus an der Wallstraße an Freunde und seine Verlobte Karoline Flachsland. Er bezeichnete es "als das beste von ganz Bückeburg, mit zwölf Zimmern". "Vor meinem Hause liegt mein Garten, zwar sehr klein, aber sehr angenehm für mich ; eine Wallhöhe schließt ihn, wo ich hundert Sachen anbringen werde! Da bin ich in der Einsamkeit, in der schönsten Aussicht, von Wald und Gebürgen umschloßen ; zwo Nachtigallen schlagen über meinem Kopf und zehn andre Arten im Walde vor mir." An anderer Stelle schrieb er: " Ich lasse zwei Lauben machen und Rasenbänke in meinem Garten und den Wall abstechen." Herder fühlte sich in der näheren und weiteren Umgebung seines neuen Heims sehr wohl. In den nahen Wäldern des Harrls und der Weserberge liebte er die Einsamkeit. Er machte häufig Spaziergänge oder ritt aus. Am 25. Mai 1771 schrieb er: "Die liebsten Stunden sind für mich, da ich ganz ohne Gesellschaft entweder einen sehr angenehmen Wald durchstreiche, der dicht an Bückeburg liegt, oder im Schatten meines Gartens liege."

Am 22. Juni 1771 berichtete er seiner Verlobten von starken "gräßlichen Zahnschmerzen", die er sich bei "Nachtschwärmereien auf kalter Erde und unter kühlendem Himmel zugezogen" habe und die bei seinem "neulichen Ritt nach Lemgo - sechs lange westfälische Meilen dahin in der größten Sonnenhitze und sechs Meilen zurück in Wind und Regen" - ausgebrochen seien.