Ankunft

Am 28. April 1771 kam Herder am Abend um sieben Uhr in Bückeburg mit einer Kutsche in der damaligen Wallstraße an. Als der 27 jährige neue Pastor ausstieg, staunten die Bückeburger nicht schlecht. Der junge Mann war nicht wie ein Geistlicher gekleidet, sondern er trug ein himmelblaues, mit Gold besetzts Gewand, eine weiße Weste und einen weißen Hut. Herder war gerade angekommen, als ein Bote des Grafen erschien und ihn aufforderte, sich unverzüglich im Schloß vorzustellen. Herder hatte nicht erwartet, sich noch an diesem Tage beim Grafen melden zu müssen. Nun wollte er bei seinem neuen Herrn jedoch erst erscheinen, wenn er sich nach der langen Reise frisch gemacht und einen Friseur aufgesucht hatte. Weder der Friseur noch der Barbier waren zu Hause. Herder hielt es für unanständig, vor seinen neuen Herrn in ungepflegtem Zustand zu treten und wartete daher, bis die beiden Männer endlich erschienen und ihn zu dem Besuch hergerichtet hatten. So meldete sich Herder mit fast zwei Stunden Verspätung beim Grafen, der es gewohnt war, dass seine Befehle prompt ausgeführt wurden und daher Herder sehr verstimmt und kalt empfing.

Bückeburger Schloss um 1770