Abschied

Nach dem Tode der Gräfin schien Herder ein Leben in Bückeburg nicht mehr lohnenswert. Er schrieb am 20.7.1776 in einem Brief an einen Freund:"Meines Lebens bin ich hier satt und müde. Einsam, ohne Bücher (in Bückeburg gab es keine Buchhandlung) und Umgang, im verdorbensten Kirchen- und Landeszustande unter einem wahren Don Quichot des 18. Jahrhunderts, der gegen mich den tiefsten portugiesischen Hass nährt". Hier kam wieder Herders von einigen seiner Zeitgenossen beschriebenes unausgeglichenes Wesen mit einer oft ungerechtfertigten Kritik- und Nörgelsucht zum Vorschein. Es häuften sich Attacken gegen Graf Wilhelm. Er, der den Grafen einmal anerkennend als " zu groß für sein kleines Land" bezeichnet hatte , sagte jetzt, in den kleinen protestantischen Ländern in Deutschland wolle "jeder Ameisenkönig Friedrich der Unsterbliche, der Reformator sein".

Froh darüber, durch Vermittlung Goethes ein Angebot des Großherzogs von Sachsen-Weimar bekommen zu haben, schrieb er am 24.8.1776 sein Entlassungsgesuch an den Grafen Wilhelm, in dem er sich bedankte "für jede unverdiente Wohlthat,Ehre und Gnade, die ich und die Meinigen hier genossen".

Am 15. Trinitatis (Mitte September) 1776 hielt Herder in der Stadtkirche seine Abschiedspredigt.

Auszug aus der Abschiedspredigt

Über den Grafen sagte er:"Dem Landesherrn sage ich meinen Dank, der mich rief. Gib ihm Segen, o Gott! Erhalte ihn seinem Lande zum Segen, er ist es wert".

Ende September 1776 verließ Herder mit seiner Familie Bückeburg. Karoline Herder äußerte Jahre später über den Abschied:" Unaussprechlich wehmütig...stiegen wir in den Wagen: der Vater den Gottfried auf dem Arm, und ich den fünf Wochen alten Säugling August auf dem Schoß - und segneten den Ort, wo Herder so manche Prüfungstage überstand, viel fand und gewann, und wo wir beide vereint unser erstes häusliches Glück, unser Paradies genossen hatten". Ihre Bückeburger Zeit nannte sie "die goldene Zeit ihrer Ehe". Herder selbst bekannte am Ende seines Lebens :" Ich habe die glücklichsten Tage in Bückeburg verlebt".