"Oton und Iton" von Nicolas Born

Habt ihr euch schon mal gefragt, wie es in der 4. Dimension aussieht?

Nämlich nicht so, wie es Albert Einstein beschreibt: "...eine uns unbekannte Dimension, sie so gekrümmt sein muss, dass sie wieder in sich zurückläuft...", sondern viel bunter.

Da trifft man auf das magere Glück, das einen Regenmantel trägt und das sich manchmal in der 1. Dimension verstecken muss, damit nicht jeder Glücklose danach greift oder auf den verrückten Professor, der die Weltherrschaft an sich reißen will.

Und dann tauchen da auch noch Oton und Iton auf, die sind nämlich versehentlich auf die Beschleunigungsbahn für Elektronen geworfen worden und so in die 4. Dimension gelangt.

Sie machen Bekanntschaft mit dem verrückten Professor, der ihnen aber eher unsympathisch ist, mit dem alten Mathelehrer, der durch das Zuende-Denken seiner Formel dort hingekommen ist, und mit dem Glück, welches sie leider nie zu fassen kriegen.

Da diese Dimension noch sehr leer ist, malen die Zwei die bessere Welt. Dazu gehören Herrscher, die nur sich selbst beherrschen, eingeschmolzenes Geld, und wunderschöne Landschaften, mit vielem, was ihnen aus der dreidimensionalen Welt bekannt ist.

"Es gehört zum Sinn des Lebens, wenn es irgendwo weh tut, ebenso, wenn es irgendwie guttut."

So leben Oton und Iton, springend von einer Dimension zur anderen in den Tag hinein, kämpfen mit den unverstandenen Kräften und stellen sich die Frage, nach dem Sinn des Lebens.

Die Beiden werden im Lauf der Jahre sehr bekannt in der 3. Dimension und müssen mit ansehen, wie sie gnadenlos vermarktet werden. Das zerrt an ihren Nerven, denn sie können und wollen diesen Starrummel nicht verstehen. Sie distanzieren sich somit immer mehr von den Leuten, bis sie irgendwann gar nicht mehr in der dreidimensionalen Welt auftauchen. Da kehrt auch langsam der Verstand wieder zurück zu den Fans, den sie zuvor verloren hatten

Als Testament hinterlassen Oton und Iton einige Seiten unbeschriebenes Blatt Papier...

Die Geschichte von Oton und Iton ist wie eine Mischung aus Saint-Exupérys kleinem Prinzen, der alles sehr einfach und weise betrachtet, und den Büchern von Astrid Lindgren oder Michael Ende, in denen man überall die Anknüpfung an das kindlich-magische Denken wiederfinden kann.

In denen der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind oder werden.

Das Alter von Oton und Iton bleibt unbekannt, denn sie handeln so naiv wie Kinder und denken so vernünftig, wie es Erwachsene manchmal tun.

Doch da, wo der kleine Prinz alleine durchs Universum zieht, und keinen Planeten findet, der ihm zuspricht, bauen sich die zwei Kinderbuchhelden ihre eigene, kleine Welt auf (denn sie haben ja auch einen Vorteil, sie sind zu Zweit) .

Doch auch dort ist nicht immer alles so rosig, wie sie es gerne hätten, so heißt ein Kapitel

Die Zweifel:

"Es gab eine Zeit, da bezweifelten Oton und Iton. Oton bezweifelte auch Iton und Iton Oton.

Oton schaute in den Spiegel und sagte, indem er kleine runde Os formte: "Das also bin ich Oton. Bin ich Oton? Wenn ja, warum? Angeblich bin ich Oton. Es heißt, ich sei Oton."

Die Zweifel wurden von Sunde zu Stunde kräftiger und schneller..."

Doch dann gibt es da auch die schöneren Stunden, in denen sie die bessere Welt malen:

"Für dreidimensionales Geld kauften sich Oton und Iton Farben und malten die bessere Welt.

Ganze Tage und ganze Wochen dauerte das, und die Bilder flogen durch die Zimmer in der vierten Dimension. Sie malten wogende Felder in die bessere Welt.

Auch das Quark, endlich entdeckt und bewiesen. Professoren kamen zur Ruhe. (...)

Sie malten Herden ungeschlachteter Tiere und Gewässer, die in den Ebenen zusammenliefen, viel blaues Blau, viel grünes Grün. Rauchsignale am Horizont.

Oton und Iton traten ein paar Schritte zurück und sahen lange auf die bessere Welt. Diese bessere Welt kam ihnen bekannt vor. Sie hatten viele, gute Dinge aus dem dreidimensionalem Leben gemalt."

Diese beiden Kapitel reflektieren Borns Persönlichkeit wohl am stärksten. Einmal der schüchterne Born, der oft an sich zweifelt und der naturliebende Born, der Tag für Tag, stundenlang spazieren geht, der Schönheit der Natur wegen.

Doch man darf nicht vergessen, dass Oton und Iton ein Kinderbuch ist, wenn auch ein sehr sozial kritisches, und oft so nachdenklich geschrieben, wie es nur Born schreiben kann.

Leider wird es nicht mehr verlegt und ist somit nur noch auf Flohmärkten und in Antiquariaten zu finden.

Es wäre nicht verwunderlich, wenn es auch nur annährend so berühmt geworden wäre, wie "Der kleine Prinz" von Saint-Exupéry.