Der Libanon

Schauplatz von Nicolas Borns Roman

"Die Fälschung"

 

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

  1. Beschreibung des Libanons in "Die Fälschung"
  2. Fiktives Streitgespräch zwischen Kai Hermann und Nicolas Born
  3. Topographische Darstellung des Libanons
  1. Die PLO ( Palestine Liberation Organization)
  2. Bürgerkrieg im Libanon zwischen Christen und Moslems 1975 bis 1990
  3. Aktuelles Material aus dem "Nahen Osten"
  4. Quellenangabe

 

Vorwort

"Der Libanon galt lange Zeit als "Schweiz des Nahen Osten". Die Region stand in wirtschaftlicher Blüte. Moslems und Christen unterschiedlichster Couleur lebten nebeneinander und teilten sich die Regierung des Landes. Doch in Wirklichkeit dominierten christliche Araber die Führungspositionen und der Gegensatz zwischen Arm und Reich brachte das fragile Gesellschaftsgefüge zunehmend ins Wanken. 1975 entluden sich die Spannungen mit ungeahnter Wucht. Terror und Gegenterror überzogen für mehr als 15 Jahre das Land. Das Staatswesen zerfiel, die Chefs der Milizen übernahmen die Herrschaft. In das politische Chaos griffen bald ausländische Mächte ein. Zuerst versuchte sich Syrien als Ordnungsfaktor, doch dann 1982 drangen israelische Truppen bis Beirut vor, um die vom Südlibanon aus operierende PLO auszuschalten. Seit Anfang der neunziger Jahre schweigen im Libanon die Waffen. Doch der Frieden ist teuer erkauft. Syrien hat das Land zu einem Protektorat herabgeführt. Israel beansprucht einen Sicherheitsstreifen im Süden."

(Zitat aus "das 20. Jahrhundert" CD-ROM, 2001)


1. Beschreibung des Libanons in "Die Fälschung"

Im Jahre 1978 reiste der Schriftsteller Nicolas Born für 10 Wochen in den Libanon, um für seinen geplanten Roman "Die Fälschung" zu recherchieren. Seine intensiven Eindrücke vor Ort hat er in manchen Passagen seines Romans wiedergegeben. Im weiteren sind Parallelen zu der "Stern"-Reportage des ehemaligen besten Freundes und Nachbarn Kai Hermann festzustellen.

Die "Stern"-Reportage über die Stadt Damur im Libanon und das dort beobachtete Massaker an der Zivilbevölkerung:

"In den Steinfugen des Bachufers blühten noch wilde Alpenveilchen. Einige späte Schmetterlinge, farbenprächtig, flogen zwischen den Felsen."

"Die Fälschung" Seite 171:

"Schmetterlinge überquerten den Bach, bunte Vögel zirpten, und er würde schreiben, dass in den Gesteinspalten noch wilde Veilchen blühten."

Die "Stern"-Reportage:

"In Damur begannen Kirchenglocken zu läuten. (...) Als die Böschungen des Bachbettes flacher wurden, sahen wir Damur unter uns. Hinter einem Schleier von Rauchschwaden Villen aus gelben Steinquadern, eingezwängt zwischen Bergen und Meer, umgeben von Bananenplantagen."

"Die Fälschung" Seite 172, 173:

"Die Kameras baumelten Hoffmann vor der Brust, sie schlugen auch gegen-einander, bei jedem Sprung im Bachbett nahm er sie in die Hände. Sie waren nur noch ein paar hundert Meter von der Küstenstraße entfernt. Sie hörten wieder Schreie und Schüsse, hörten die Feuer prasseln und sahen den Rauch unter den Dächern hervorquellen. Das Meer schimmerte weich und lockend in den Bögen des Viadukts. Die Kirchenglocken läuteten; man sah sie im Turm hin und herschwingen. Sie folgten den Trägern, die den Wasserlauf verließen und die Böschung hinaufkletterten."

Die "Stern"-Reportage:

"Aus einem noch nicht brennenden Haus wurde plötzlich geschossen. (...) Ein schweres Maschinengewehr wurde in Stellung gebracht, Türen und Fenster zerschossen. (...) Eine Frau mit einem Baby auf dem Arm lief aus dem Haus, hinter ihr ein etwa vierzehnjähriger Junge mit einem kleineren Bruder und der Vater. Was folgte, ging sehr schnell, scheinbar emotionslos, verriet die Routine der Sieger. Jemand nahm das Kind aus den Armen des ältesten Sohnes und gab es der Mutter. Vater und Sohn wurden um eine Straßenecke geführt. Der Junge versuchte etwas zu erklären, begann zu schreien. Sie töteten den Vater zuerst. Der Sohn rannte in ein brennendes Haus und wurde dort erschossen. Der Getötete hieß Michael Ghorayeb, ..."

"Die Fälschung" Seite 179, 180, 181:

"Als aus einem Haus Schüsse abgegeben wurden, zog der Offizier Laschen und Hoffmann hinter einen Mauervorsprung. Man sah nichts in dem Haus, dessen Fenster kaputt waren und schief in den Scharnieren hingen. (...) Eine Gruppe Uniformierter stürmte das Haus, einige im Hechtsprung durch die Fenster-öffnungen. Sie hörten noch einen einzigen Schuss, dann nur noch die Wehklage einer Frauenstimme. Aus der Tür heraus traten ein Mann mit hinter den Kopf verschränkten Armen, zwei etwa zehn- und fünfzehnjährigen Jungen auf die gleiche Weise, schließlich die Frau mit einem toten Kind in den Armen. Die Soldaten gingen vor ihnen her, rückwärts, die Waffen im Anschlag. Es folgte ihnen der Mann, der sich immer umschaute, um die Frau mit dem Kind im Auge zu behalten. (...) Der Mann und der ältere Sohn wurden um die Ecke herum-geführt, wo noch das MG aufgebockt stand. (...) Dann gingen die Kugeln durch die beiden Körper, es waren sehr viele Einzelschüsse. (...) Wie heißen Sie, fragte Laschen die Frau auf englisch. Ghorayeb, sagte sie und sprach sofort auf ara-bisch weiter, laut flehend."

2. Fiktives Streitgespräch zwischen Kai Hermann und Nicolas Born

Nicolas Born:

Ich habe Deinen Bericht im "Stern" gelesen und bin fassungslos darüber,

wie Du so emotionslos und kühl über das Massaker von Damur berichten kannst, das in seiner Brutalität nicht zu übertreffen ist.

Kai Hermann:

Ich habe die Reportage nur mit meinem subjektiven Empfinden journalistisch interpretiert. Das ist schließlich mein Beruf. Ich verdrehe nicht die Wahrheit, sondern gebe knallharte Fakten: das, was die Leser wirklich interessiert.

Nicolas Born:

Soll das eine Anspielung auf meinen geplanten Roman "Die Fälschung" sein...?

Kai Hermann:

Auf gar keinen Fall! Aber Nicolas, du mußt zugeben, dass Dein Roman -ich habe ja das Manuskript gelesen- in manchen Passagen die Realität nicht wahrheitsgetreu wiedergibt... Aber jeder weiß, dass Berichterstattung und Roman zwei völlig verschiedene Charaktere haben, so wie DU und ICH.

Nicolas Born:

"Es ist nicht unter der Würde der Literatur zu informieren, aber unter ihren Möglichkeiten", denn Literatur lebt von Phantasie, Kreativität und Fiktionalität!


Wir können uns vorstellen, dass ein Gespräch in dieser oder ähnlicher Form verlaufen ist, nachdem beide Autoren den Libanon und das Leid der Menschen mit eigenen Augen gesehen hatten.

3. Topographische Darstellung des Libanons

Der Libanon (arabisch Lubnan) ist eine Republik in Vorderasien. Sie ist im Westen vom Mittelmeer, östlich und nördlich von Syrien und im Süden von Israel begrenzt. Der Libanon ist das kleinste Land des Nahen Ostens mit 10452 Quadratkilometern.

3.1. Physische Geographie

Das Land ist in vier unterschiedliche Landschaften gegliedert. Im Westen liegt ein 1,5 bis 10 Kilometer breiter Küstenstreifen. Im Norden ist die Kette des Libanongebirges. Weiter im Landesinneren liegt der Beka-Grabenbruch, in dem der größte Fluss des Landes, der Litani, verläuft. An der syrischen Grenze im Osten befindet sich die Bergkette des Mount Hermon und des Anti-Libanon.

3.2. Klima

Durch warme, trockene Sommer und niederschlagsreiche Winter herrscht ein mediterranes Klima. Im Libanongebirge fallen die höchsten Niederschlags-mengen; über 1200 Millimeter pro Jahr. Die Temperaturschwankungen liegen zwischen 10 und 27° C, im Gebirge liegen die Temperaturen deutlich niedriger, im Tiefland deutlich höher. Im nördlichen Beka herrscht sogar Wüstenrandklima.

3.3. Flora und Fauna

Die Natur ist wegen der jahrhundertelangen Rodung beinahe entwaldet. Aber in den Hochgebirgsregionen wachsen noch Kiefern, Eichen und Zedern. Hier leben die Wildtiere wie Schakale, Wölfe, Wildesel und Gazellen.

3.4. Wichtige Städte

Die meisten Städte liegen an der Küste und mehr als 80 Prozent der Libanesen haben dort ihren Wohnsitz. Beirut ist mit rund 1,5 Millionen Einwohnern die Hauptstadt. Sie gehört zu den wichtigen Hafen- und Handelsstädten, wie die Städte Tripoli, Sidon, Damur und Sour.

3.5. Bevölkerung

Der Libanon hat etwa 3,9 Millionen Einwohner, was einer Bevölkerungsdichte von rund 376 Personen pro Quadratkilometer entspricht ® Vergleich zu Deutschland: 81,54 Millionen Einwohner; Bevölkerungsdichte von rund 228 Personen pro Quadratkilometer (Wendland: ca. 48 pro Quadratkilometer). Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 65 Jahren, mehr als ein Drittel der Bevölkerung ist unter 15 Jahren, die Analphabetenrate liegt bei 20 Prozent. Etwa eine Million Libanesen leben als Händler im Ausland, genauso wie Hunderttausende von Kriegsflüchtlingen.

3.6. Sprache

Die Amtssprache ist Arabisch, gesprochen werden libanesisch-syrische und palästinensische Dialekte. In der Minderheit sind Kurdisch und Armenisch verbreitet. Eine wichtige Rolle spielen auch Englisch und Französisch als Handelssprachen.

3.7. Religion

53 Prozent der Libanesen sind Muslime, davon 7 Prozent muslimische Drusen und etwa 40 Prozent der Bevölkerung bekennen sich zum Christentum, wovon die wichtigen christlichen Glaubensgemeinschaften die griechisch-orthodoxe, die griechisch-katholische und die armenische Kirche sind. Die restlichen 7 Prozent sind anders orientiert.

3.8. Bildung und Kultur

Durch die günstige geographische Lage an der Nahtstelle zwischen Afrika, Asien und Europa wurde der Libanon, besonders Beirut, zum weltoffenen Handels- und Kulturzentrum. Die Republik Libanon hatte eine enge politische und kulturelle Beziehung zu Frankreich, deshalb wurde meistens die libanesische Literatur in französisch verfasst und orientierte sich an den literarischen Strömungen jenes Landes. Die Bürgerkriegskonflikte waren die Gründe für den Verlust der weltbürgerlichen Orientierung. Die Rundfunkstationen werden meist von Bürgerkriegsparteien betrieben und dienen zur politischen Propaganda. Die Tageszeitungen erscheinen nur unregelmäßig. Die Ausbildung der Libanesen ist besser als in den anderen arabischen Ländern. So gibt es zum Beispiel seit 1960 eine kostenlose Grundschulausbildung.

3.9. Verwaltung und Politik

Im Libanon werden die politischen Ämter nach einer festen Verhältniswahl zwischen den Religionen vergeben. Die Verfassung (1926) schreibt vor, dass der vom Parlament gewählte Staatschef, der gleichzeitig der Chef der Exekutive darstellt, ein maronitischer Christ sein muss. Er ernennt die Regierung, welche ein sunnitischer Muslim als Ministerpräsident führt.

Die von einen schiitischen Muslim als Parlamentspräsident geleitete Nationalversammlung übt die Legislative aus. In allgemeinen Wahlen werden alle 4 Jahre die 128 Mitglieder des Parlaments bestimmt. Die Sitze im Parlament werden zwischen Muslimen und Christen gleich verteilt.

Die Judikative obliegt an oberster Stelle dem Staatsrat. Es schließen sich 4 Kassations- und 11 Berufungsgerichte an. Die Basis des Justizsystems wird aus 56 Einzelrichtergerichten für Zivil- und Strafsachen gebildet.

Die Gliederung des Libanon in 5 Verwaltungsprovinzen konnte nicht durchgesetzt werden, da sich die unterschiedlichen Kriegsparteien in verschiedenen Einflusszonen eingliedern.

3.10. Wirtschaft

Bis zum Beginn des Bürgerkriegs 1975 war die Republik Libanon der hauptsächliche Finanz- und Handelsplatz Vorderasiens. Später führten die Kriegsfolgen und die israelische Invasion von 1982 zu einem Stillstand der Wirtschaft. Die jährlichen Inflationsraten wuchsen bis zu über 100% und die Arbeitslosenquote auf rund 50%.

Den ersten Aufschwung brachten die Wirtschaftsreformen von 1994 unter Ministerpräsident Hariri: Die Inflationsrate ging auf 20% zurück und die Arbeitslosenquote betrug ebenfalls nur noch ungefähr 20 %.

Mittlerweile wird ein jährliches Wirtschaftswachstum von circa 8% verzeichnet.

Etwa 55% der Beschäftigten arbeiten im Dienstleistungssektor, 25% in der Industrie und rund 20% in der Landwirtschaft.

3.11. Landwirtschaft und Industrie

Ein Viertel des Libanons kann landwirtschaftlich genutzt werden. An der inzwischen gesäuberten Küste werden hauptsächlich Obst, Gemüse, Oliven, Wein und Tabak angebaut, sowie Getreide und Marihuana in der fruchtbaren Beka.

Weideflächen für Schafe, Ziegen und Rinder findet man in den höheren Bergregionen. Dies fördert die Erosion entwaldeter Böden.

Bodenschätze sind im Libanon rar. Deshalb können nur Baumwolle, Seide, Streichhölzer, Baustoffe und Seife hergestellt werden. Außerdem kann man in Sidon und Tripoli Ölraffinerien finden, die importiertes Erdöl verarbeiten.

3.12. Währung und Außenhandel

1 Libanesisches Pfund = 100 Piastres


Der wichtigste Wirtschaftszweig, der Handel und die Tourismusindustrie, erlitten arge Schäden unter dem Zerfall der Infrastruktur durch den Bürgerkrieg. Etwa 80% aller Kapital- und Konsumgüter müssen importiert werden, wodurch ein Handelsbilanzdefizit entstand. Dieses wurde bis 1982 ausgeglichen, indem libanesische Arbeitsemigranten aus Ölstaaten Geld überwiesen. Später weitete es sich enorm aus.

Italien, Saudi-Arabien, Frankreich, Groß-Britannien, Deutschland und die USA stellen die Haupthandelspartner der Republik Libanon dar.

4. Die PLO (Palestine Liberation Organization)

Die Gipfelkonferenz der Arabischen Liga gründete im Januar 1964 die palästinensische Befreiungsorganisation PLO. Erster Chef wurde der Rechtsanwalt Achmed Schukairi, der die Palästinenser schon in früheren Jahren bei der Arabischen Liga vertreten hatte.

Das höchste Organ der PLO, der Palästinensische Nationalrat, hielt seinen ersten Kongress im frühen Sommer ´64, wobei ein 15-Mann starkes Exekutivkomitee zur Durchführung der Nationalratsbeschlüsse gewählt wurde. 1973 wurde ein Zwischengremium zur Umsetzung dieser Beschlüsse ins Leben gerufen.

Das Ziel der PLO war und ist die Befreiung Palästinas. Unterstützt wird sie durch Hilfe und Spenden von arabischen und anderen befreundeten Staaten. Schon im Jahr 1969 hatte die PLO die Führungsposition der verschiedenen Palästinenserorganisationen bekommen.

Im gleichen Jahr wurde Yassir Arafat PLO-Vorsitzender. Seitdem kontrollierte seine frühere Widerstandsgruppe FATAH, welche z.B. durch Flugzeugentführungen auf das Problem Palästinas aufmerksam machen wollte, die PLO. 1970, auch bekannt als das Jahr des "Schwarzen Septembers", vertrieb man die PLO aus Jordanien und zwang sie so zur Flucht in den Libanon. 1988 wurden durch den damaligen König Hussein alle Ansprüche des Westjordanlands an die PLO abgetreten.

1974 unterstrich die PLO ihren Ruf als Vertreterin palästinensischer Interessen auf der Gipfelkonferenz. Im selben Jahr brachte Arafats Rede bei der UNO-Vollversammlung der PLO Anerkennung im internationalen Bereich, sodass ihr der Beobachterstatus in der UN-Vollversammlung gewährleistet werden konnte. 14 Jahre später wurde sie als Delegation Palästinas festgelegt. Erst am 07.07.1998 wurde Palästina Mitglied der UN-Vollversammlung und hatte nun auch ein Rederecht.

Um 1993 näherten sich Israel und die PLO an und führten sehr wichtige Gespräche in Oslo, jedoch unter Geheimhaltung. Von nun an wollte die PLO die Gewalttaten stoppen und erkannte Israels bis dahin bestrittene Existenz an. Im Gegenzug gewährte Israel der PLO die Vertreterrolle Palästinas und der Ruf einer "terroristischen Organisation" war vergessen.

Ein Jahr später konnte die PLO unter Arafat viele Erfolge verzeichnen: Am 10.12.´94 erhielt Arafat zusammen mit Israels Außenminister Perez und Ministerpräsident Rabin den Friedensnobelpreis für ihren Einsatz im Nahost-Friedensprozess. Ausschlaggebend dafür war das Autonomieabkommen über Gaza und Jericho.

Im Januar 1996, nach dem Abschluss des erweiterten Autonomieabkommens, kam es zu ersten Wahlen im Westjordanland, in Ost-Jerusalem und im Gaza-Streifen, bei welchem das palästinensische Volk einen Autonomierat von 88 Mitgliedern wählte, der die legislative Bevollmächtigung hatte. Arafat wurde am 12.02.´96 Präsident dieses Autonomierats.

Trotzdem konnte die PLO nicht hart gegen radikale Gruppen der Muslime vorgehen. So lieferten gerade diese Mängel dem israelischen rechtsgerichteten Kabinett Netanjahu die Möglichkeit, Abmachungen zum Hebron- oder Wye-Abkommens nicht einzuhalten. Auch wenn diese "mangelnde Sicherheitszusammenarbeit" keine Fortschritte im Kampf für den Frieden brachte, wurde das Ziel Israel zu zerstören im Dezember 1998 aus der PLO-Verfassung genommen.

Erst die Wahl im Juni 1999, in welcher Ehud Barak Ministerpräsident Israels wurde, kurbelte den Friedensprozess wieder an. Bei einem Treffen mit Arafat gewährleistete er die Erfüllung des Wye-Abkommens und den anderen Verträgen, welche unter Netanjahu auf Eis gelegt waren. Barak versprach auch, in besetzten Gebieten nicht mehr jüdische Ansiedlungen zu errichten.

Im Juli 1999 verlangte die PLO, trotz aller Versprechungen Israels, die 1994 geforderte, in den Oslo-Verträgen unterzeichnete Ausrufung des Staates Palästina.

Unter Ministerpräsident Sharon verschärft sich gegenwärtig der Konflikt, es droht ein offener Krieg, wie ihn Born und Herrmann schon damals in Beirut erlebt und beschrieben haben.

5. Bürgerkrieg im Libanon zwischen Christen und Moslems 1975 bis 1990

Im April 1975 brach der libanesische Bürgerkrieg aus, als maronitische Falangisten, eine rechtsorientierte christliche Sekte, einen mit Palästinensern besetzten Bus angriffen. Militärische Auseinandersetzungen in Beirut zwischen bewaffneten PLO-Angehörigen, von muslimischen Kampfverbänden unterstützt, und den Falangisten waren die Folge. 1976 griff die syrische Armee in den Konflikt zwischen der nationalen Bewegung aus linken und muslimischen Kräften und der christlich-maronitischen Dominanz ein. Den Libanon besetzte die Armee mit 20 000 Soldaten, um den Sieg der Muslime zu verhindern. Dennoch blieben die beiden Fronten erhalten, doch fanden nun die Auseinander-setzungen mehr zwischen den libanesischen und palästinensischen Gruppierungen statt. 2 Jahre später, 1978 mischten sich israelische Truppen im Südlibanon ein. Vergeltungsmaßnahmen gegen die PLO-Kämpfer war ihre Devise. Doch die UNO zwang Israel zum Rückzug. Die Rückkehr der PLO in den Südlibanon verhinderten die UN-Friedenstruppen, denn die Christen riefen das von ihnen besetzte und kontrollierte Gebiet zum "Freien Libanon" aus. Schließlich drangen 1982 israelische Truppen bis Beirut vor und vertrieben die PLO-Einheiten fast vollständig aus dem Libanon, indem sie das Gebiet der Kommandozentrale der PLO und etwa 10 000 PLO-Kämpfer besetzten. Der Angriff eskalierte nachdem der christliche Präsident Beschir Bemayel ermordet wurde und nun blutige Massaker in den palästinensischen Flüchtlingslagern Shatila und Sabra von der rechtsorientierten christlichen Sekte ausgeübt wurde. Der Nachfolger vom ermordeten Präsidenten, der Bruder Amin Gemayel, wurde im September 1982 gewählt. Obwohl er die Hilfe von Amerika angenommen und mit ihr eine neue libanesische Armee aufgebaut hatte, gelang es Gemayel jedoch nicht, die Kontrolle über das Land zurückzugewinnen. Auch die Friedenskonferenzen in der Schweiz von 1983 und 1984 blieben erfolglos, da sich die Bürgerkriegsparteien nicht auf ein Abkommen einigen konnten. 1988, 4 Jahre nach der wirkungslosen Friedenskonferenz, war Gemayel am Ende seiner Präsidentschaft. Er ernannte den christlichen General Michel Auon zum Regierungschef und somit war die Zersplitterung des Landes in jeweils von einer Gruppe beherrschte Regionen nicht mehr aufzuhalten. Das heißt, dass die libanesische Armee erneut zerfiel. Daraufhin wurde eine muslimische Gegen-regierung gegründet. Einen Schlichtungsversuch übernahm im August 1990 dann Saudi-Arabien, indem sie die Verfassung änderten und das Parlament mit Muslimen und Christen gleich besetzten. Der Regierungschef Auon wollte sich dem Abkommen wiedersetzen, aber im Oktober wurde seine Armee gezwungen aufzugeben. Mittlerweile existierten rund 80 Privatarmeen, die die militärische Kontrolle über große Teile des Landes übernahmen, doch mit Hilfe Syriens gelang es den neuen libanesischen Streitkräften allmählich, sie zurückzuerobern.

Dennoch besteht der Nahost-Konflikt bis heute. In allein den 15 Bürger-kriegsjahren wurden etwa 90 000 Menschen getötet und 115 000 verletzt.

800 000 Betroffene des Waffenkampfes flohen ins Ausland und 20 000 gelten als vermisst. Wieviele Opfer muss der Konflikt noch fordern, bis wir verstehen, dass man mit Krieg keinen Frieden bekommen kann??

6. Aktuelles Material aus dem nahen Osten

Als wir mit dem Projekt begannen und unsere Gruppe sich für den Bereich "Libanon-Schauplatz in Nicolas Borns Roman "Die Fälschung" eintragen ließ, wussten wir nicht, dass wir mit so viel Gewalt konfrontiert werden würden. Täglich hört man in den Nachrichten von den Selbstmordattentaten in Israel; die Bilder zerstörter Gebäude und das sich immer wiederholende Wort "Vergeltung" geht einem nicht mehr aus dem Kopf. Nur ein paar Beispiele für den "Krisenherd Naher Osten", der für uns zum Hauptthema Nummer 1 geworden ist, werden die folgenden Zeitungsausschnitte zeigen:

 

7. Quellenangaben

 

(M.H., S.J., M.L.)