Volker Schlöndorff und Bruno Ganz - Regisseur und Schauspieler in der Verfilmung von Nicolas Borns Roman "Die Fälschung"

 

Volker Schlöndorff, Oscar prämierter Filmregisseur, verfilmte 1980/1981 den Roman "Die Fälschung" von Nicolas Born. Die Idee, dieses Werk zu verfilmen, hatte seine Frau, die ihm Weihnachten 1979 das Buch als Anreiz zum Filmdreh schenkte.

Jedoch hatten andere Pläne Vorrang, bis die ersten Entwürfe des Drehbuchs im Juni 1980 entstanden. Schlödorff überlegte sich genau, welche Besetzung er diesem Film zuteilen könnte und griff auf viele ihm bereits bekannte Schauspieler zurück; beispielsweise das Team, mit dem er auch "Die Blechtrommel" drehte. Besonderen Wert für ihn hatte Bruno Ganz, ohne den er die Verfilmung fallen gelassen hätte. Ganz versetzt sich stark in seine Rolle, um für Realismus zu sorgen, lernte er für den Film sogar Reporter spezifische Eigenschaften, wie das Tippen.

Der eigentliche Start des Drehs begann Ende November 1980 im Wendland, wo er bis Mitte Dezember residierte. Eine Woche lang filmte er in Landsatz, wo er besonders auf intensive Naturszenen achtete, weil Born einen engen Bezug zum Wendland mit der schönen Natur pflegte, auch im Roman finden sich entsprechende Passagen zur Landschaft. Hauptdrehzeit war jedoch im Libanon, wo auch die Haupthandlung stattfand. 3 1/2 Monate, bis März 1981, verbrachte er mit seinem Filmteam im stark beschädigten, teilweise völlig zerstörten Beirut, das unter den Folgen des Krieges und teilweise immer noch anhaltenden Kriegshandlungen litt. Schließlich sind seit dem Krieg erst wenige Jahre vergangen. Born selbst war 1977 in Beirut, um sich einen Eindruck für "Die Fälschung" zu verschaffen.

Dank Schlöndorffs Kontakten zu den damaligen Machthabern ist der Filmdreh überhaupt erst möglich geworden, es wurde ein "Waffenstillstand für Künstler" ausgehandelt, um zu gewährleisten, dass die Darsteller in Sicherheit drehen konnten. Es herrschte etwa ein Dutzend verschiedener Gruppierungen, die sich gegenseitig bekriegten, darunter Maroniten, Syrier, Palästinenser, Muslime, Christen, Drusen, Linke, Rechte und noch viele mehr. Dieser Waffenstillstand wurde natürlich nicht von allen eingehalten und es kam zu gelegentlichen Schießereien und versehentlichem Scharfschießen. Platzpatronen mussten sogar aus Nachbarländern importiert werden, denn es wurde zu dieser Zeit ausschließlich scharfe Munition benutzt. Alle Statisten und Komparsen waren echt - keine Schauspieler: Flüchtlinge, Krieger und Zivilisten. Als Leichen wurden Puppen verwendet. Die, die sich für die Filmarbeiten zur Verfügung stellten, wurden abends bezahlt, aber es sammelten sich täglich ein Vielfaches der benötigten Komparsen. Sie alle wollten Geld, Frauen stopften sich alles Erdenkliche, von Kissen bis Eimern, unter die Hemden, um bezahlt zu werden wie Schwangere, die geringfügig mehr Geld erhielten.

Die Gesamtproduktionskosten betrugen 5 Millionen Deutsche Mark.

Während der gesamten Drehzeit tauchten viele Gewalttäter und Spione der Machthaber auf, bis letztendlich der Produktionsleiter Junkersdorf entführt wurde. Glücklicherweise konnte durch Schlöndorff, der ein Telefonat mit Arafat führte, die Freilassung schnell erzielt werden und der Dreh weiter gehen.

All diese schwierigen Umstände wirken sich erheblich auf die Schauspieler auf, die sich in der Umgebung unsicher fühlten und Angst hatten. Besonders Bruno Ganz litt während der Zeit in Beirut unter Depressionen und begann bereits am Sinn des Lebens zu zweifeln. Er hatte neben den beruflichen Problemen sowieso private, die ihm sehr zu schaffen machten. Das Gefühl der Unsicherheit brachte ihn sogar zu dem Wunsch mit Schusswaffen gut umgehen zu können, damit er sich notfalls verteidigen könnte...

Letzten Endes war der Film komplett, wurde überarbeitet und startete dann bereits im Oktober 1981 in den Kinos.

Im Jahre 1999 wurde der Film erneut im Wendland öffentlich vorgeführt. Parallel zu einer Born-Ausstellung im Künstlerhof Schreyahn.

 

Bilder:

Filmausschnitt 1; Filmausschnitt 2; Elbbrücke Dömitz; Filmdreh

 

Quellen:

Volker Schlöndorff / Nicolas Born / Bernd Lepel: Die Fälschung als Film und der Krieg im Libanon, Frankfurt 1981