Künstlerhof Schreyahn

Inhalt:

  1. Einführung
  2. Geschichte
  3. Richtlinien für die Verwaltung des Hofes
  4. Stipendiaten
  5. Veranstaltungen und Zukunftsprägung durch Schreyahner Stipendium
  6. Interview
  7. Künstlerhäuser Worpswede
  8. Künstlerstätte Schloss Bleckede

Der Künstlerhof im wendländischen Rundlingsdorf Schreyahn ist eine bekannte und geachtete niedersächsische Stipendiatenstätte, die im Jahre 1979 gegründet wurde, sie ist seit 1981 die dritte niedersächsische Künstlerstätte nach Worpswede und Bleckede.

Die Einrichtung bietet 3-, 6- oder 9-monatige Stipendiatenaufenthalte für je 2 Schriftsteller und 2 Musiker.

Der Hof umfasst ein Haupthaus und zwei Nebenhäuser in Fachwerkbauweise. Eines davon, der Atelierhausneubau und ein Archiv im Haupthaus sind später dazu gekommen. Seit 2001 hat das Archiv der Nicolas-Born-Stiftung hier seinen Platz.

Der Künstlerhof ist aber nicht nur für berufsmäßige Schriftsteller und Musiker interessant, sondern bietet für jedermann etwas. Regelmäßige Konzerte und Lesungen locken viele kulturell Interessierte, nicht nur aus dem Wendland, an.

Geschichte:

" Wir hoffen mit allen Interessierten, dass der Hof Schreyahn dazu beiträgt, die Trennung von Kunst und Leben zu verringern und im besten Sinne das Leben möglichst vieler Menschen erweitert". Mit diesem Leitsatz entstand vor mehr als 15 Jahren der Künstlerhof im wendländischen Dorf Schreyahn. Der Bürgermeister und der Samtgemeindedirektor der Kreisstadt Lüchow setzten ein hohes Ziel, das jedoch nun bereits erreicht ist. Die Menschen aus dem Wendland können ihr "Idyll mit Schrammen" (Kai Hermann) "im Klang der Musik und im Wortnetz der Sprache" (Zitat: Broschüre Stipendiatenstätten in Niedersachsen) wiedererkennen.

1979 kaufte die Samtgemeinde Lüchow zusammen mit dem Landkreis Lüchow-Dannenberg den ehemaligen Hof Techand im 73 Seelendorf Schreyahn. (Die Familie Techand lebt immer noch in dem Dorf und zählt dort 10 Mitglieder dazu.).

1981 wurde das Haupthaus fertiggestellt. Im Mai bezog auch schon der erste Künstler den Hof.

Foto: Tina Schlett

 

1983 stand das erste Nebengebäude für Musiker zur Verfügung.

 

   

 

 

 

1992 wurde, wegen unzureichender Schalldämpfung, ein Erweiterungsbau für Schriftsteller ausgebaut.( Frei gewordene Ateliers aus dem Haupthaus stehen Gästen zur Verfügung).

Foto: Tina Schlett

Seit 1997 existiert ein Archivraum im Hauptgebäude des Hofes.

Seit 2001 gibt es ebenfalls ein Archiv der Nicolas Born Stiftung.

Foto: Esther Kunitz

 

Archiv: Es ist 1997 errichtet worden und enthält seit dem Jahr 2000 das Nicolas Born Archiv (Abb. Links).

   

 

Diele: Kulturelles Zentrum, das sich im Hauptgebäude befindet. Vorlesungen und Konzerte finden dort statt. Unter anderem auch regelmäßige Lesungen.

Eine gemütliche Rückzugsmöglichkeit an einem offenen Kamin und eine große verglaste Fronttür bietet Offenheit zum Dorf und Rundlingsmitte.

Foto: Wenzel Nemetschek

 

Grundriss eines Ateliers

 

Die verschiedenen Ateliers sind mit einem Arbeitszimmer, Schlafraum, einer Nasszelle und einer Küche ausgestattet, sie verfügen über TV-Kabelanschluss, Telefon und Fax.

 

   

 Verwaltung und Hausordnung des Künstlerhofes:

Wie viele Künstlerhöfe, so die Künstlerhäuser Worpswede oder die Künstlerstätte Schloss Bleckede, ist auch der Künstlerhof Schreyahn sehr angesehen bei den Künstlern verschiedener Disziplinen, vorrangig bei Schriftstellern und Musikern.

Die Samtgemeinde Lüchow betreibt die Verwaltung der unselbstständigen Einrichtung "Künstlerhof Schreyahn (Stipendiatenhaus)". Es wurden Richtlinien für dessen Verwaltung aufgestellt. Der erste Paragraph umfasst die Zweckbestimmungen, in denen es heißt: " Der Künstlerhof bietet Künstlern zeitlich begrenzte Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten zur Förderung ihres künstlerischen Schaffens. Er steht Künstlern aller Disziplinen, vorrangig Schriftstellern und Musikern, in der Regel aus der Bundesrepublik offen, deren Arbeit durch den vorübergehenden Aufenthalt in ländlicher Umgebung gefördert werden kann."

Der zweite Punkt des Paragraphen setzt sich mit dem direkten Aufenthalt auf dem Künstlerhof auseinander, der einen Zeitraum von 3-, 6- oder 9 Monaten umfasst. Allerdings darf die Aufenthaltsdauer von maximal 9 Monaten nicht überschritten werden.

Das Stipendium beträgt 1300 € pro Monat.

Für die Nebenkosten, die durch Strom, Wasser und Heizung entstehen, müssen die jeweiligen Stipendiaten eine monatliche Pauschale abgeben, die Wohnungen und Funktionsräume werden ihnen allerdings mietfrei zur Verfügung gestellt.

Die weiteren Richtlinien der Verwaltung setzen sich mit den verschiedenen Aufgaben des Kuratoriums und des Beirats auseinander.

Für das Weitere hat die Samtgemeinde Lüchow eine Benutzer- und Hausordnung für den Künstlerhof Schreyahn aufgestellt, in der steht: "Grundsätzlich ist die Künstlerstätte offen für Schriftsteller, Komponisten und Musiker ohne Altersbegrenzung." Über die Wohnungsverteilung entscheidet das Kuratorium nach Empfehlung des Künstlerischen Beirats auf Antrag.

Wie schon erwähnt, darf die Dauer des Aufenthalts 9 Monate nicht überschreiten. In diesen 3-, 6- oder 9 Monaten können die Stipendiaten die Einrichtungen und Werkzeuge so wie Versorgungsanlagen benutzen, jedoch sind sie verpflichtet, mit den ihnen anvertrauten Einrichtungen und Geräten ordentlich umzugehen und sie in Ordnung zu halten.

Wer gegen die Benutzer- und Hausordnung verstößt, kann von der Samtgemeinde Lüchow die Benutzung der Künstlerstätte untersagt bekommen.

Der Künstlerhof Schreyahn ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft "Niedersächsischer Stipendiatenstätten", zu der auch die Künstlerhäuser Worpswede zählen.

 

Stipendiaten:

Trotz der Abgelegenheit und der schlechten Verkehrsanbindung, die für Künstler heutzutage beschwerlich sind, ist ein Stipendium in Schreyahn sehr begehrt. Um einen Stipendium auf dem Künstlerhof zu bekommen muss eine schriftliche Eigenbewerbung mit Lebenslauf, Werkregister und Leseprobe bei der Samtgemeinde eingereicht werden.

Die getroffene Auswahl des Beirates geht an das Kuratorium, das aus Vertretern des Landes, des Kreistages, des Samtgemeinderates und den jeweiligen Verwaltungsleitern besteht.(Vetorecht hat das Land Niedersachsen).

Die aktuellen Stipendiaten sind Eliav Brand (01/02-09/02) und Ali-Sade Frangis (03/02-11/02) für Musik, Thorsten Becker (01/02-09/02) für Literatur und Bianca Döring (04/02-09/02) ebenfalls für Literatur.

 

Veranstaltungen und Zukunftsprägungen durch das Schreyahner Stipendium

Das Stipendium in Schreyahn bestimmte schon häufig die Zukunft der Stipendiaten. Der Schriftsteller Wilhelm Steffens und der Komponist Daniel Ott, beispielsweise traten gemeinsam im "Ersten und einzigen wetterwendischem Wandertheater" auf. Seit 1993 wurden dazu immer neue Mitarbeiter und Stipendiaten angeworben.

Auch eine "Schreyahner Sommernacht der Poesie", die von Holtger Platta organisiert wurde, zog viele Leute an, die selbst spielen konnten.

Viele Künstler, die ein Stipendium in Schreyahn absolviert haben, kommen wieder zurück; einige zogen sogar ins Wendland.

Die Landschaft des Wendlandes und dessen Geschichte lassen sich in den Werken der Künstler wiederfinden. Auch Nicolas Born beschäftigte sich mit dem Thema. Er brachte in seine Werke nicht nur Landschaftsbeschreibungen ein, sondern auch die Konflikte in Gorleben.

Das macht die Wendländer selbstverständlich stolz auf die Künstlerstätte.

Günter Kunert sagte einmal im Bezug auf das Wendland: "Gewiss wird keiner von hier zum >Heimatdichter<, aber dass dieses Land seinen Einfluß auf unsere Texte ausübt, ist sicher. Und sei es nur, dass man vom abgelegenen Bereich aus schärfer und wohl auch sensibler die zivilisatorische Bedrohung wahrnimmt."

Ein sehr bekanntes und begehrtes Festival des Künstlerhofes ist der "Schreyahner Herbst", der viele kulturell Interessierte (Stipendiaten, Freunde, Förderer) anzieht.

1986 hat der Komponist Gerald Humel, ein ehemaliger Stipendiat in Schreyahn, diese Konzertreihe der modernen Musik geschaffen, die den Ruf des Hofes prägt und überregional beachtet wird. Seit dem Jahr 2000 leitet der Komponist Robert HP Platz (ebenfalls ehemaliger Stipendiat) das Festival. Doch nicht nur während des Festes bieten die jeweiligen Musikstipendiaten einen Einblick in ihre Kompositionen, sondern auch auf Konzerten, die oft am Wochenende stattfinden, werden dem Publikum die zeitgenössischen Kompositionen präsentiert. Den Komponisten wird sogar in der Regionalzeitung Platz für ihre Überlegungen eingeräumt.

Sowie die Komponisten auf ihren Konzerten die Bekanntschaft mit ihrem Publikum, meist ein kleines, festes Stammpublikum, machen, so lernen die Schriftsteller auf ihren Autorenlesungen ihre Leserschaft kennen.

Dies tritt bei den traditionellen Oberstufen-Schullesungen am Gymnasium Lüchow, in der Samtgemeindebücherei, im Museum Wustrow, auf dem Frauenforum oder bei den Kulturinitiativen wie den "Wunde(r)punkten", der "Kulturellen Landpartie" oder dem "Lüchower Bücherfrühling" ein.

In den letzten Jahren kamen immer mehr Veranstaltungen hinzu. Viel Aufsehen bei Fernehen, Radio und Presse erweckte eine Ausstellung über Nicolas Born zu seinem 20. Todestag mit Theateraufführungen sowie Fachtagungen. Dies zog auch überregionale Kreise.

 

Interview

Um noch ein paar eingehendere Informationen zum Künstlerhof Schreyahn zu bekommen, interviewten wir Jürgen Schulz, den Direktor und Bürgermeister der Samtgemeinde Lüchow, der ein Wahlbeamter ist.

Auf unsere Frage, wie er persönlich zum Künstlerhof steht, antwortete er, dass er gerne die Lesungen und Konzerte, die regelmäßig stattfinden, besucht. Leider findet er aber nur selten Zeit dafür. Besonders gefallen hat ihm die über 10 Sonntage verteilte Lesung von Nicolas Borns "die Fälschung". Die Lesung überzeugte ihn nicht nur durch die Ausdrucksstärke von Wolfgang Kaven, so Jürgen Schulz, sondern auch durch die günstigen Eintrittspreise.

Zu der Frage, was der Künstlerhof für eine Rolle für das Wendland bzw. für das Land Niedersachsen, spielt, liess er uns wissen, dass der Künstlerhof längst nicht mehr nur für das Wendland wichtig ist, sondern überregional eine große Rolle spielt. "Der Hof Schreyahn ist ein fester Teil des Landkreises und ist nicht mehr wegzudenken", sagte Bürgermeister Jürgen Schulz.

Außerdem ist das Stammpublikum, das aus 80-90 kulturell interessierten Leuten besteht, wichtig für den Künstlerhof.

Zur Finanzierung des Hofes sagte er, dass der Hof zu 90% vom Land Niedersachsen getragen wird. Die Samtgemeinde Lüchow ist für die Verwaltung zuständig

Zusätzlich teilte er uns mit, dass die Nicolas Born Stiftung, dessen Vermögen ungewöhnlich hoch ist, "Leben nach Schreyahn bringt." Und auch "das Archiv und die Betreuung, die da gepflegt wird, hat Ausstrahlung."

Die Bilanz der fünfzehn Jahre seit Gründung des Künstlerhofes Schreyahn kann nur positiv ausfallen, weil die Lage, Zielsetzung, Ausstattung und bauliche Einrichtungen der Stätte sowie Auswahl und Wirken der Stipendiaten das Bild einer kulturellen Einrichtung ergeben, die, wie der Bürgermeister mitteilte, nicht mehr aus dem Angebot des Wendlandes und Niedersachsens wegzudenken ist.

 

Künstlerhäuser Worpswede

Die Künstlerhäuser Worpswede, die sich etwa 25 km nordöstlich von Bremen befinden, sind ein Ort der internationalen Begegnung. Sie sind ein Zusammenschluss der Atelierhäuser Worpswede und der Ateliers der Barkenhoff-Stiftung. Dort werden Anwesenheitsstipendien, in Form von bildender Kunst, Literatur und Musik , vergeben.

Gefördert werden die Künstlerhäuser vorwiegend durch das Ministerium für Wissenschaft und Kultur des Landes Niedersachsen. Aber auch durch das Land Bremen, den Landkreis Osterholz, die Gemeinde Worpswede, Privatpersonen, Unternehmen, sowie öffentliche und private Stiftungen.

1971 wurden die ersten Atelierwohnungen in Worpswede den Künstlerinnen und Künstlern zur Verfügung gestellt. Seitdem waren insgesamt 76 Literaten und 25 Musiker neben 329 bildenden Künstlern in den Künstlerhäusern Worpswede.

1981 wurden auch auf dem Gelände der Barkenhoff-Stiftung Atelierwohnungen für Gastkünstlerinnen und Gastkünstler eröffnet.

Seit 1997 werden der Verein Atelierhaus Worpswede und die Ateliers der Barkenhoff-Stiftung von einer künstlerischen Direktion gemeinsam geleitet.

Ende des 19. Jahrhunderts ist der Ort Worpswede durch Künstlerinnen und Künstler, die sich dort angesiedelt haben, bekannt geworden (Rilke, Vogeler, Modersohn-Becker). Diese künstlerische Tradition zeichnet Worpswede gegenüber anderen Orten der Künstlerförderung aus.

Die 3, 6, 9 oder 12-monatigen Stipendien werden einmal jährlich in den Bereichen Bildende Kunst (Malerei, Bildhauerei, Grafik, Design, Architektur, Fotografie), Literatur (Belletristik, Lyrik, Drama, Drehbuch, Essay) und Musik (Komposition, Interpretation) vergeben. Über die Vergabe der Stipendien entscheidet jeweils eine Fachjury.

Den Stipendiaten werden 10 Atelierwohnungen mietfrei zur Verfügung gestellt, ebenso wie ein Fotolabor und eine Druckwerkstatt. Im Zusammenhang mit den Wohnstipendien wird ein Lebenshaltungskostenzuschuss in Höhe von 1300 € gezahlt.

Durch Ausstellungsmöglichkeiten in Galerien und Ähnlichem wird den Künstlern eine überregionale Zusammenarbeit mit verschiedenen Ausstellungsinstitutionen ermöglicht.

Ein weiteres Mitglied der Arbeitsgemeinschaft ist die Künstlerstätte Schloss Bleckede.

Künstlerhöfe Niedersachsen

Künstlerstätte Schloss Bleckede:

Inmitten des Naturparks Elbufer Drawehn befindet sich die Künstlerstätte Schloss Bleckede mit 3 komfortabel eingerichteten Ateliers. Das Wasserschloss bietet 3, 6, 9 oder 11-monatige Stipendienplätze für 3 Künstlerinnen und Künstler der zeitgenössischen Kunst. Das Ziel ist, dass die Stipendiaten eine Möglichkeit haben ihre Arbeit weiter zu entwickeln. Denn leider wird die in ihrer Arbeit komplexe künstlerische, kulturelle oder gesellschaftspolitische Fragestellung nur noch selten unterstützt. Regelmäßige kommunikative Künstlergespräche in den Ateliers sollen den Künstlern helfen diese Frage zu klären.

Wie auch in Schreyahn kann man sich auch im Wasserschloss an den "Tagen des offenen Ateliers", im Mai in der Klassik-Konzertreihe umschauen.

Getragen wird die Einrichtung vom Landkreis Lüneburg. Das Land Niedersachsen gewährt jeweils 1300 € monatlich für 3 Stipendiaten.

Das engagierte Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm des Kunstraumes der Universität Lüneburg und der Halle für Kunst Lüneburg e.V. ermöglicht den Anschluss an das internationale Kunstgeschehen.

Bei Bedarf können Kontakte zum kulturwissenschaftlichen Studiengang der Universität geknüpft und die Bibliothek und die Medieneinrichtung genutzt werden.

TS, AS

Quellenangaben:

Internet (www.kuenstlerhof-schreyahn.de), Broschüre "Stipendiatenstätten in Niedersachsen", Wendland literarisch/ Axel Kahrs