Ein Freund und Wegbegleiter Nicolas Borns:

Kai Hermann

 

Kai Hermann wurde 1938 in Hamburg geboren. Er studierte in Tübingen, Hamburg, Vancouver und Harvard Geschichte und Politik.

Später arbeitete er als Redakteur bei der ZEIT, war Chefredakteur von TWEN und als Autor für den SPIEGEL (1972-1978), für KONKRET und den STERN unterwegs.

1978 wurde er als Co-Autor des Buches "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo", das er gemeinsam mit Horst Rieck verfasste, sehr bekannt. Heute lebt er als freier Journalist und Autor im Dorf Jasebeck im Landkreis Lüchow-Dannenberg (Wendland).

Weitere Bücher von Kai Hermann sind u.a.: "Die Revolte der Studenten" (1968), "Andi - Der beinah zufällige Tod des Andreas Z." (1980), "Die Starken" (1989), "Yakuza" (1990) und "Engel und Joe - Nach einer wahren Geschichte" (2001).

 

 

Hermann schrieb u.a. auch Drehbücher für "Andi" (mit Peter Zadek, 1982), "Die Fälschung" (mit Volker Schlöndorff, 1987) und "Der Absturz" (1998), er wurde mit dem Theodor-Wolff-Preis und der Carl-von-Ossietzky-Medaille ausgezeichnet. Für seine STERN-Reportage "Hexe und Zottel" erhielt er 1998 auch noch den Egon-Erwin-Kisch-Preis.

Auf einem Künstlertreffen (8.- 18 Juli 1975) in Gümse bei Dannenberg, das von der sehr bekannten Rixdorfer- Gruppe, zu denen Albert Schindehütte, Uwe Bremer, Johannes Vennekamp und Arno Waldschmidt gehörten, veranstaltet wurde, lernten sich die beiden Schriftsteller Nicolas Born und Kai Hermann kennen, später diskutierten sie intensiv über ihre Erfahrungen im Bürgerkrieg im Libanon.

 

 

Auch sein Bericht "Die Reportage - eine aussterbende Gattung?" aus dem Buch "Sich aus der Flut des Gewöhnlichen herausheben- Die Kunst der großen Reportage" (2001), das von Wolfgang R. Langenbucher herausgegeben wurde, ist sehr eindrucksvoll.

Er beschreibt, wie schwer es für einen engagierten Journalisten ist gute Reportagen im Zeitalter des "Fakten-Fakten-Journalismus" zu recherchieren und zu schreiben. Denn der "typische Chefredakteur von heute hat zwar hervorragende Managementqualitäten, läßt sich von Kosteneffizienz leiten, hat aber eher weniger Bezug zu journalistischer Arbeit. Besonders neugierig jedenfalls ist er nicht. Er hat Karriere am Schreibtisch gemacht, sein Erfahrungshorizont ist nicht sehr weit, sein Wissen über reales Leben jenseits der schalldichten Scheiben seines Büros gering....Gefragt ist preiswerte journalistische Ware, die sich gut verkauft." (S. 38) Und in Zeiten, in denen "bruchstückhafte Fakten aus dem Internet das Informationsbedürfnis zu befriedigen scheinen und Kommunikation im Chatroom stattfindet" (S.19), sind es für einen engagierten Journalisten keine idealen Bedingungen, eine gute Reportage zu schreiben, die die Leser auch interessiert.

Hermann glaubt aber trotzdem nicht, dass "die Spezies Reportage wirklich vom Aussterben bedroht ist", denn schließlich stand sie am Anfang allen Journalismus, wurde auch von Nicolas Born geschätzt und wird auch bis zum Ende des Journalismus ihren festen Platz haben.

Seine erfolgreiche STERN- Reportage ist das neueste Werk von Kai Hermann. Es thematisiert die erste große Liebe zwischen zwei Jugendlichen, Engel und Joe.

Engel lebt auf der Straße und Joe, die eigentlich Johanna heißt, ist von zu Hause ausgerissen und irrt ziellos durch Berlin. Auf dem Alexanderplatz wird sie von einigen Skins belästigt und Engel kommt ihr zur Hilfe. Es ist Liebe auf den ersten Blick zwischen ihnen. Doch ihr Glück ist bedroht und es beginnt für sie eine Zeit, die von Angst, Träumen, Enttäuschungen und Anstrengungen geprägt ist. Jedoch haben sich Engel und Joe geschworen für immer zusammen zu halten. Trotzdem hat Engel Angst von Joe verlassen zu werden und greift wieder zu Drogen und Alkohol.

Es scheint, dass ihr Traum von einem gemeinsamen Leben gegen den städtischen Alltag der Drogen und Gewalt keine wirkliche Chance hat...

Nach seinem Buch "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" hat es kein Werk von ihm gegeben, das so eindrucksvoll und authentisch das "Leben am Rande des Abgrunds" beschreibt und das auf einer so bewegenden Art und Weise vom Kampf zweier junger Menschen um ihr zerbrechliches Glück erzählt.

 

 

Quellenverzeichnis:

·         "Sich aus der Flut des Gewöhnliches herausheben - Die Kunst der großen Reportage", herausgegeben von Wolfgang R. Langenbucher, Theodor-Herzl-Vorlesung, Picus Verlag Wien, 2001,

·         - "1. Rixdorfer Laboratorium zur Erstellung von literarischen und bildnerischen Simultan-Kunststücken in der Fachwerkstatt Rixdorfer Drucke auf Schloß Gümse vom 8.- 18. Juli 1975", Merlin Verlag 1975,

·         - diverse Internetseiten