Nicolas Born (1937-1979): Leben und Werk

Foto 1976: Mieke Hermann

Am 31.12.1937 wurde Klaus-Jürgen Born als erstes Kind des Polizeibeamten Hans-Werner Born und seiner Frau Helene in Duisburg geboren.

In Essen besucht Born sechs Jahre die Volksschule, da seine Eltern das Gymnasium nicht finanzieren können. Mit vierzehn Jahren beginnt er seine Lehre als Chemiegraph, ebenfalls in Essen.

Acht weitere Jahre ist dies sein Beruf, nebenher unternimmt er erste literarische Schreibversuche. Auch politisch ist er interessiert und wird bereits während seiner Lehrzeit Mitglied der SPD.

1961 heiratet Born seine erste Frau Christine Martinc, mit der er 1962 seine erste Tochter, Undine, bekommt.

In dieser Zeit gerät Born immer mehr in den Kreis der Schriftsteller, Bekanntschaften mit Ernst Meister, die sich zu einer lebenslangen Freundschaft ausweitet und vielen anderen bekannten Kollegen, brachten ihn dazu, weiter an seiner Schriftstellerkarriere zu arbeiten. Auch die Änderung des Vornamens in " Nicolas"

1963 ist ein Anzeichen für seine Wandlung. In diesem Jahr noch wird er als Stipendiat der Ford Foundation zum Literarischen Colloquium (LCB) nach West-Berlin geholt, wo er wieder viele Kontakte knüpft, z.B. mit Hans Christoph Buch und Hermann Peter Piwitt, sowie mit weiteren Schriftstellerkollegen.1964 erscheinen erste Resultate seines Berlinaufenthaltes, Prosastücke und zwei Gedichte werden veröffentlicht. Doch er kehrt erst noch einmal nach Essen zurück, um sich von seiner Frau zu trennen, dann endgültig nach Berlin zu gehen und sich eine Existenz als freier Schriftsteller aufzubauen. In Berlin überarbeitet er seinen ersten Roman "Der zweite Tag", der bei Kiepenheuer& Witsch 1965 erscheint. Doch Born distanziert sich bald von seinem ersten Werk, möchte es nicht mehr gedruckt sehen. Dennoch bekommt er aufgrund seines Romans den Förderpreis des Landes Nordrhein- Westfalen für junge Künstler.

1967 erscheint sein erster Lyrikband "Marktlage" im selben Verlag, wie auch sein erster Roman.

Bis 1969 schreibt Born Rezensionen und erste theoretische Texte, einzelne Gedichte, auch politischer Natur. Zudem ist er mit Lesungen und Interviews im Literaturbetrieb vertreten.

1968 heiratet er seine zweite Frau Irmgard Masuhr, sie ist Kinderärztin, und mit ihr geht Born nach Nürnberg, wo sie eine Stelle gefunden hat.

Von 1969-1970 ist Born in den USA auf Einladung das International Writer´s Workshop der University of Iowa, wo er Bekanntschaft mit verschiedenen amerikanischen Größen der Literatur macht.

Nach seiner Rückkehr kommt bei Kiepenheuer& Witsch der Gedichtband "Wo mir der Kopf steht" heraus, bei Luchterhand erscheinen Übersetzungen aus seinen in den USA verfaßten Gedichten.

Seine Tochter Rike-Marie wird geboren.1971 geht es zurück nach Berlin. Außerdem wechselt er zum Rowohlt-Verlag und der Gedichtband "Das Auge des Entdeckers" erscheint, weiterhin ist er mit Lesungen, Gesprächen und Einzelveröffentlichungen im Rundfunk vertreten.

Im Oktober 1972 erhält er das Villa-Massimo-Stipendium in Rom, von Rom aus kaufen die Borns ihr erstes Haus, auf eine Empfehlung des Schriftsteller H.C. Buch hin, der bereits in der Gegend wohnt, ein Bauernhaus in Langendorf /Hannoversches Wendland.

1973, nach der Rückkehr aus Rom, erscheint "Oton und Iton" in der Reihe roro-rotfuchs, ein sehr sozialkritisches und nachdenklich geschriebenes Kinderbuch, außerdem erhält er den Förderpreis Literatur zum Kunstpreis Berlin.

Im Sommer diesen Jahres kommt seine dritte Tochter Katharina zur Welt. Der Ausbau des Hausen in Langendorf beginnt und Born zieht sich in der folgenden Zeit bis zum Umzug der Familie von Berlin dorthin vor allem zu Schreiben zurück. Er genießt die langen Spaziergänge an der Elbe und sammelt Eindrücke, die er unter anderem in dem Gedicht "Elbholz" verarbeitet. "Die erdabgewandte Seite der Geschichte" in der es vor allem um die Erfahrung der Liebe und die des Scheiterns geht, entsteht.

1974 erscheinen "Texte für Kinder" , außerdem erscheint "Die Fährte der Wiedergeburt", ein Ergebnis des Romaufenthalts, im Literaturmagazin.

1975 wird er Mitherausgeber des Literaturmagazins und Mitglied der Jury zur Verleihung des Petrarca-Preises. Im Oktober wird er Mitglied der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur. Gastdozent für Gegenwartsliteratur an der Gesamthochschule/Universität Essen im Wintersemester 1975/76.

1976 erscheint die "Erdabgewandte Seite der Geschichte" bei Rowohlt. Im September zieht die Familie in das Haus nach Langendorf, einen Tag nach dem Umzug brennt es wegen einem Fehler der Dachdecker, bis auf die Grundmauern nieder. Die Familie kommt bei H.C. Buch und Uwe Bremer unter.

1977 engagiert sich Born öffentlich gegen den Ausbau der Atomkraft. Mit der "Rede zu Gorleben" und dem Brief "Eins ist dieser Staat nicht: ein Polizeistaat" bezieht Born deutlich Stellung, auch in dem Gedicht "Entsorgt" verarbeitet seine Sorgen und Ängste, außerdem ist er des öfteren bei BI- Versammlungen vertreten (Marianne Fritzen).Seine Reise in den Libanon folgt.

Born wird Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt und des PEN. Im November, Dezember unternimmt er eine Lesereise durch die Schweiz und die BRD.

1978 wird ein neues Haus im Wendland gekauft, in Breese in der Marsch, das wiederum restauriert wird. Im Dezember zieht die Familie in das neue Haus ein.

Im März 1979 zeigen sich erste Krankheitssymptome, ärztliche Untersuchungen erweisen unheilbaren Lungenkrebs. Er wir noch Mitarbeiter der Zeitschrift "art", kann aber nur noch für die Lyrikseite der nächsten zwei Ausgaben Gedichte vorschlagen.

Im Sommer wird Born das erste mal an der Lunge operiert, es folgt ein Urlaub mit Rolf Haufs und Günter Grass in Dänemark.

Sein letzter öffentlicher Auftritt ist beim Stadtschreiber- Fest in Bergen- Enkheim.

Im Dezember erhält er in Abwesenheit den Rainer Maria Rilke- Preis für Lyrik. Kurz vor seinem Tod erscheint der von vielen Journalisten und Kritikern hoch geschätzte Roman " Die Fälschung "

Am 7.12.1979 stirbt Nicolas Born mit 41 Jahren an Lungenkrebs, in seinem Haus in Breese in der Marsch. Er wird nach seinem Wunsch auf dem Friedhof direkt vor dem Elbdeich, am Ortsausgang von Damnatz, beerdigt. Alle seine Freunde und Bekannten sind dort versammelt, wie unter anderem Günter Grass .

Seit dem Jahr 2000 heißt der niedersächsische Literaturpreis "Nicolas Born"- Preis, verliehen an Adam Seide und Jan Phillip Reemtsma.

Nicolas Born war beliebt, hatte viele Freunde. Dieter Wellershoff nahm schon bei seiner ersten Begegnung mit ihm sein Auftreten war, dass er öfter noch bemerkt habe : "Er sei wehrlos auf alles gefaßt gewesen, hatte sich aber tief in sich zurückgezogen. Gerade seine derbe Erscheinung, als ein großer, wortkarger, introvertierter Mann, der unsicher und zielstrebig zugleich erschien, betonte seine Verletzbarkeit."

Zum Tode von Nicolas Born schrieb Ludwig Harig in der Saarbrückener Zeitung vom 10.12.1979:

"Nicolas Born war ein Freund, ein ernsthafter Mensch, der gern gelacht und gespottet hat. Ich bin häufig mit ihm zusammengetroffen; ein halbes Jahr lang jeden Donnerstag, kam er aus Friedenau an den Wannsee, wo ich im Haus des Literarischen Colloquiums wohnte, er kam um mit uns zu plaudern, zu essen, zu trinken, Karten zu spielen und die Nacht auf den Kopf zu stellen.

Jedesmal, wenn er unter den hohen Bäumen daherkam, in seiner grauen Hose und der graubraunen Jacke, sagte Herr Rittweger der Hausmeister:" Piwitt ist wieder da."

Nicolas lachte, weil Rittweger ihn verwechselte, und ein Dichter will wahrhaftig nicht gerne verwechselt werden. Er lachte und die Falten um seinen Mund spannten sich noch enger, es machte ihm nichts aus, verwechselt zu werden.

Nicolas Born hat kein Aufsehen gemacht. Als wir auf einer Literaturtagung in der Champagne fast verdurstet wären, wollte er ein Bier haben, aber er mußte Champagner trinken, bis sein Durst gestillt war: es machte ihm, wie gesagt , nichts aus, verwechselt zu werden und mangels Bier Champagner zu trinken; er blieb offen, er nahm es nicht eng im Leben."

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Quellennachweis:

www.Literaturatlas.de , Der Landvermesser (Axel Kahrs, Christiane Beyer), "In memoriam" (Walter Brockmann)