Lichtenberg entdeckte im Jahre 1777 Strukturen, die bei Entladungen von Hochspannungen auf der Oberfläche eines isolierenden Gegenstandes entstehen können. Er selbst verwendete einen Elektrophor und eine "Leydener Flasche" (als Kondensator) zur Erzeugung der nötigen Hochspannung, eine mit Schellack versehene Siegellackscheibe als Isolator und machte die Entladungsspuren auf dem Isolator dann mit Lykodiumpulver sichtbar. Später wurden diese Entladungsmuster nach ihm benannt: "Lichtenbergsche (Staub-)Figuren".

Wir haben selbst versucht, diese Figuren zu erzeugen. Anstelle des Elektrophors haben wir ein modernes Hochspannungsgerät und eine Plexiglasplatte als Isolator statt der Siegellackscheibe verwendet. Wir wollten die Figuren mit Schwefelstaub sichtbar machen. Leider konnten wir nur annährungsweise runde Höfe um die Elektrode in den Schwefelstaub "pusten", eine schön sichtbare, verzweigte und als solche erkennbare Lichtenbergsche Figur gelang nicht.
Den entscheidenden Tipp, wie wir doch noch eine Lichtenbergsche Figur selbst erzeugen könnten, gab uns Herr Löding, ein Physiklehrer an unserer Schule: Wir sollten einmal eine CD in einen Mikrowellenherd legen und diesen ein paar Sekunden laufen lassen.
Die elektromagnetischen Wellen verursachen auf der in jeder handelsüblichen CD eingeschweißten Metallschicht hohe Spannungen, deren Entladungswege sich als Lichtenbergsche Figuren in der CD einbrennen, und die CD für den Gebrauch mit Computer oder CD-Spieler zerstören.
Der Nachteil dieser Methode Lichtenbergsche Figuren zu erzeugen ist, dass die Spannungen auf der CD an rein zufälligen Orten und unterschiedlich stark ausgeprägt verursacht werden, und so nicht eine, sondern über die gesamte CD verteilte Entladungsspuren erzeugt werden.
Es lassen sich an einigen Stellen sogar wirklich schöne, blitzartig verzweigte Figuren erkennen, die eindeutig Lichtenbergsche Figuren darstellen.
Die bisher schönsten Ergebnisse habe ich auf dieser CD gehabt, sie war relativ lange (ca.5 Sekunden) bei 600W in der Mikrowelle. Es scheint auch Einfluss auf das Ergebniss zu haben, wie die Oberseite der CD gestaltet ist; auf CDs mit farbigem Aufdruck entstanden bei den Versuchen deutlich weniger Figuren als auf CDs mit silbernem oder gar keinem Aufdruck.