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"Ich bin ein Darmstadinus von Geburt"

Georg Christoph Lichtenberg wurde am 01.07. des Jahres 1742, als siebzehntes und jüngstes Kind seiner Eltern in Ober-Ramstadt, in der Nähe von Darmstadt geboren (siehe Geburtsurkunde) Von den siebzehn Kindern kamen acht tot zur Welt und weitere vier starben in frühen Jahren.
Im Juli 1745 zog die Familie nach Darmstadt. Lichtenbergs Vater war der 1689 in Darmstadt geborene Johann Conrad Lichtenberg, der vom Dorfprediger schließlich zum Superintendenten für den Sprengel Darmstadt aufstieg.
Bekannt ist, dass er für einen Theologen seiner Zeit sehr gute Kenntnisse auf dem Gebiet
der Mathematik und Physik besaß, welche er an seine Söhne weitergeben wollte.
Georg Christophs Mutter, Henrike Catherine Lichtenberg, geb. Eckhard, wurde von ihm als sanftmütig und allzeit heiter beschrieben.
Für den jungen Lichtenberg, begann die schulische Ausbildung zunächst mit Privatunterricht im eigenen Haus, bevor er 1752, im Alter von zehn Jahren, in die Tertia des „Darmstädter Pädagogs“, einer lateinischen Klosterschule, eintrat.


Das „Darmstädter Pädagog“ würdigte den Fleiß und den Scharfsinn des jungen Lichtenberg mit zahlreichen Auszeichnungen und Prämien.

Am 16. September 1761 machte Lichtenberg seinen Abschluss. Dem Wunsch Mathematik zu studieren, stand die finanzielle Situation der Familie gegenüber. Seine Mutter reichte hierauf im August 1762 bei dem Landgrafen Ludwig VIII. einen Gesuch ein, die Kosten zu tragen.
Im April 1763 wurde der Antrag bewilligt. Lichtenberg standen damit jährlich 200 Gulden zur Verfügung. Im Mai 1763 verließ Lichtenberg seine Geburtsstadt, welche er nie wieder zu Gesicht bekommen sollte.





Am 6. Mai des Jahres 1763 traf Lichtenberg in Göttingen ein. Am 21. Mai 1763 erfolgte seine Immatrikulation als Mathematum et Physices Studiosus an der 1734 von Georg II. gegründeten Georgia Augusta Universität. Von Lichtenberg in besonderem Maße verehrt wurde Abraham Gotthelf Kästner, der seit 1756 Professor für Mathematik und Physik und einer der witzigsten Schriftsteller der Aufklärungsliteratur war. Seiner unverhohlenen Bewunderung verlieh er unter anderem in einem Rätsel Ausdruck: "Er ward in Leipzig geboren, der Stolz eines Königs der Briten und das Wunder Deutschlands. Wer ist dies? Auflösung: Unter den Toden war es Leibniz, unter den Lebendigen ist es Kästner."
Lichtenberg besaß schon zu jener Zeit nebst erstaunlichem Fleiß in vorteilhafter Verbindung gründliche theoretische Einsicht mit großen praktischen Geschicklichkeit auf dem Gebiet der Mathematik und Naturgeschichte auch astronomische Kenntnisse. Er war ein aufmerksamer Himmelsbeobachter, wobei es ihm zu Gute kam, dass Professor Kästner Leiter der Sternwarte war.
Der Student Lichtenberg stand der studentischen Tradition der Verbindungen, Duelle und Ordensgesellschaften eher abgeneigt gegenüber. Nichtsdestotrotz war er keinesfalls ungesellig, er hat viele Freunde gehabt und beschrieb sich selbst als munter und leichten Sinnes. Zu seinem Freundeskreis zählten Männer wie Ljungberg, Erxleben und Klotz.
Von 1764-1767 lebte er in einer Studentenwohnung in der Paulinerstraße.
Im Jahre 1764, dem Todesjahr seiner Mutter, begann Lichtenberg Kurioses und Krauses, Gedankenschnitzel und Beobachtungssplitter in kleinen, von ihm angelegten Heften aufzuzeichnen, die Sudelbücher waren geboren.
Im Frühjahr 1767 beendete Lichtenberg sein Studium und erhielt noch im selben Jahr vom hessischen Landgrafen die Ernennungsurkunde zum zweiten Professor der Mathematik in Gießen und zum öffentlichen Lehrer der englischen Sprache. Den Ruf zur Universität in Gießen lehnte Lichtenberg jedoch dankend ab, da er auch in Göttingen nun zum rechtmäßigen Träger des Professorentitels ernannt wurde. Im Juni 1767 zog Lichtenberg in das Haus des englisch Professors Thomson in der Weender Landstraße, wo er zwischen 1767 und 1770 die Tätigkeit eines Hofmeisters und Präzeptors dreier englischer Studenten (Thomas Swanton, Lord Bostens Sohn Irby und Baronet Francis Clerke) ausübte. Dieses Amt verschaffte Lichtenberg lohnende Beziehungen zu England, dem Land, dessen Sprache und Denkweise ihm längst vertraut waren.
Nach der Rückkehr von seiner ersten Englandreise vom März bis Mai des Jahres 1770 wurde er aufgrund eines Empfehlungsschreibens von Georg III. zum außerordentlichen Professor der Philosophie ernannt.
Nachdem Lichtenberg am 31. Dezember des Jahres 1775 von seiner zweiten Englandreise (29. August 1774 bis 7. Dezember 1775) zurückgekehrt war, nimmt er Ostern 1776 sein Lehramt wieder auf. Seine Interessen konzentrierten sich nunmehr hauptsächlich auf die Physik. In zahlreichen physikalischen Versuchen gelang ihm unter anderem die Bildung der berühmten lichtenbergschen Staubfiguren.
Von 1777 bis 1799, war Georg Christoph Lichtenberg der Herausgeber des sogenannten Göttinger Taschenkalenders, von dem Gründungsvater Erxleben und Herausgeber Johann Christian Dieterich - Lichtenbergs Freund, Weinlieferant und Hausherr - die erste Auflage im Jahre 1776 herausgegeben hatten. Der Taschenkalender sollte ein möglichst breites Lesepublikum ansprechen. Sein Inhalt reichte von leichter Lektüre und Unterhaltung bis hin zu den neuesten Veröffentlichungen und "Frauenzimmermoden".
Während seiner Zeit als Herausgeber wohnet Lichtenberg bei seinem Freund Dietrich in der Gotmarstraße 1. Hier lebte, lehrte und experimentierte er auch.
Im Frühling des Jahres 1777, machte Lichtenberg die Bekanntschaft der zwölfjährigen Dorothea Stechard. Er nahm das Mädchen 1780 bei sich auf und gab ihr eine Stellung in seinem Haus, wobei er sie Schreiben und Lesen lehrte. Lichtenberg verliebte sich in die Stechardin, es folgten mehrere Briefe „ über die Macht der Liebe“.
Als sie jedoch am vierten August 1782 starb, brach für Lichtenberg eine Welt zusammen. Noch zehn Jahre später notierte er den Todestag in seinen Tagebüchern. Lichtenberg und die Frauen, das ist ein Kapitel für sich, nach mehreren Affären heiratete er am fünften Oktober des Jahres 1789 Margarethe Elisabeth Kellner. Zusammen hatten sie einen unehelichen Sohn Georg Christoph, der 1786 geboren wurde. Lichtenbergs Tochter Louise erblickte 1789 das Licht der Welt, zwei Kinder kamen tot zur Welt. Am 1.März 1793 wurde Margarethe Elisabeth Agnese Wilhelmine geboren. Im selben Jahr wurde auch seine Geliebte Dortchen, auch genannt Dolly, Devil oder Satan, erstmals namentlich in seinem Tagebuch erwähnt. ( Das letzte mal 10 Tage vor seinem Tod : 14. Februar- ....Viel Satan den Abend). Seine Tochter Auguste Friederike Henriette wurde am 13. Juni 1795 geboren, am 24. Juli 1797 Friedrich Heinrich. In seinen letzten Lebensjahren wurde er immer mehr in die Abgründe einer ungeheuerlichen sexuellen Phantastik verführt. Auch verzehrte ein immer unverhohlener, schwer begreiflicher Antisemitismus das letzte Jahrzehnt seines Lebens.
In seinem Gartenhaus in der Weender Landstraße erlebte Lichtenberg einige der schönsten Momente seines Lebens. In Zeiten der Krankheit begab er sich immer wieder auf „Reisen“ zu dem Gartenhaus, um dort die Schönheit der Natur zu genießen. Dort errichtete er auch nach Franklins Vorbild 1794 den ersten Blitzableiter Göttingens, was ihm allerhand Spott und Misstrauen der umliegenden Nachbarschaft einbrachte.
Am 17 Februar 1799 starb Lichtenberg. In seinem Testament erklärte er seine Frau und seine Kinder zu den alleinigen Erben.




Seine erste Englandreise trat Lichtenberg am 25.März 1770 an, um seine drei englischen Schüler in ihre Heimat zurückzugeleiten. Am 22. April, erlebte Lichtenberg den „glücklichsten Tag seines Lebens“. Anlass hierzu gab die Führung von Georg III. durch die Sternenwarte in Richmond. Dieser war von den Fähigkeiten Lichtenbergs derart beeindruckt, dass er in einem Schreiben an die Räte in Hannover die Ernennung Lichtenbergs zum außerordentlichen Professor der Philosophie empfahl, was Lichtenbergs akademische Zukunft an der Georgia Augusta Universität in Göttingen stark begünstigte. Mitte Mai des selben Jahres kehrte Lichtenberg zurück.











Im Herbst 1773 wurde Lichtenberg von Lord Boston abermals nach England eingeladen. Am 29. August des Jahres 1774 begann die Reise. Nach seiner Ankunft in London, am 25. September, lebte Lichtenberg in Lord Bostons Haus in der Lower Grosvenor Street. Lichtenberg war während seines zweiten Englandaufenthaltes ständiger Gast von Georg III. und ging in St. James ein und aus. Er erlebte England im Wandel der nun einsetzenden Industrialisierung und besuchte mit Beigeisterung die Geburtsorte der Industriellen Revolution, wie etwa Birmingham. Während seiner Zeit in England traf Lichtenberg auf bedeutsame Persönlichkeiten wie etwa den berühmten Physiker Priestley, Mitglieder der Cook-Expedition, James Watt und den schweizer Geologen Deluc, einen guten Freund Rousseaus. In zahlreichen Theaterbesuchen entwickelte Lichtenberg zunehmende Begeisterung für die Stücke des William Shakespeare und knüpfte eine Bekanntschaft mit David Garrick, des wohl berühmtesten englischen Schauspielers seiner Zeit. Doch wohnte Lichtenberg auch mehreren Hinrichtungen bei und besuchte das berühmte Irrenhaus Bedlam in London, welches zuvor von Jonathan Swift beschrieben wurde. Dieses Verhalten ist wohl als Teil seines Studiums der menschlichen Natur zu deuten. Am 7. Dezember 1775 trat Lichtenberg die Heimreise nach Göttingen an.




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