"Als im Oktober, es war der 8te, 1796 die Stadt Andreasberg auf dem Harze durch den Blitz größtenteils abbrannte, wollten die Leute dem Manne, in dessen Haus der Blitz eingeschlagen hatte, kein Obdach geben, weil er ein Bösewicht sein müsse, indem Gott seinen Zorn zuerst über ihn ausgelassen habe."

Dieser Aphorismus zeigt sehr gut, wie sich Menschen häufig bei Unglück, Schicksalsschlägen und Katastrophen verhalten. Zufällig wird das Haus eines Mannes durch den Blitz, also eine höhere Gewalt, getroffen und beinahe das gesamte Dorf zerstört. Natürlich hätte auch jedes andere Gebäude der Ausgangspunkt sein können. Doch da man diesem Ereignis zunächst kein menschliches Versagen zuschreiben und somit auch keinen Schuldigen dafür verantwortlich machen kann, wird der Sündenbock dort gesucht wo es noch am naheliegendsten erscheint, oder wo man ihn gerne sehen würde. Natürlich lässt sich dies nicht, wie es Lichtenbergs aufklärerischer Gesinnung entspräche, logisch begründen.
Diese Verhaltensweise hat sich bis in die heutige Zeit aufrecht erhalten. Lichtenbergs Kritik an der undifferenzierten Vorgehensweise und allzu schnell gefällten Urteilen ist immer noch aktuell. Der Anschlag im September letzten Jahres, auf den hier aber bewusst nicht noch einmal eingegangen werden soll, und auch das Massaker von Erfurt, wo sofort Stimmen nach einem härteren Waffengesetz laut wurden ohne die eigentlichen Ursachen zu suchen, zeigen, wie schnell ein nicht sorgfältig genug überlegtes Urteil gefällt wird, mit dem man meint das Übel ausgeräumt zu haben.




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