Lichtenbergstraße in Göttingen Lichtenbergs Gartenhaus Bartholomäusfriedhof Lichtenbergs Wohnhaus Alte Universitätsbibliothek Lichtenbergs Denkmal am Markt Lichtenbergs Studentenwohnung in der Paulinerstraße Alte Sternwarte Erstes physikalisches Institut Lichtenbergs Gartenhaus heute Felix-Klein-Gymnasium IGS Göttingen online

Obwohl das heutige Göttingen gegenüber dem damaligen große Unterschiede aufweist, haben wir für bessere Übersicht die aktuelle (2002) Karte des Stadtvermessungsamts verwendet (mit freundlicher Genehmiging von Herrn Tamke). Wer sich einen Eindruck von Lichtenbergs Göttingen des 18. Jahrhunderts verschaffen will, sollte sich diese Karte anschauen.
Die vergrößerte akuelle Karte gibt es hier.

 




In der Göttinger Innenstadt wurden zwei Statuen zu Ehren Lichtenbergs aufgestellt. Diese ist die 1992 von dem Albaner Fuat Dushku fertiggestellte Bronzestatue, sie steht neben dem alten Göttinger Rathaus.
Zum Größenvergleich: Philipps Schwester Nicki (12 Jahre) ist ca. 1,60m groß, Lichtenberg maß nur ungefähr 1,43m. Damit stellt diese Statue Lichtenberg schon überlebensgroß dar.
Eine weitere künstlerische Freiheit hat sich Fuat Dushku beim Buckel Lichtenbergs herausgenommen: Die Größe des Buckels der Statue ist maßlos untertrieben. Lichtenberg litt an schwerer Kyphoskoliose
Lichtenberg hat für elektrische Ladungen die Bezeichnungen + und - eingeführt. Dies verdeutlicht die Statue mit einer Kugel -die damalige Vorstellung eines Atoms- auf die + und - eingraviert ist.



Die andere Bronzestatue wurde zur Einweihung der "Forschungsbibliothek 18. Jhd." der Staats- und Universitätsbibliothek vom Göttinger Künstler Neuhoff im Innenhof der Bibliothek aufgestellt.
Die Statue steht neben dem Eingang, der heute zur Forschungsbibliothek führt, und früher der Eingang des Kollegiumgebäudes der Universität war.
Noch mehr als bei der Statue Fuat Dushkus auf dem Marktplatz hat sich Neuhoff erlaubt den Buckel zu verkleinern, sodass er kaum noch zu erkennen ist.
Der Statue gegenüber auf der Bank liegt ein aufgeschlagendes Buch mit einem seiner Aphorismen:
"Das viele Lesen hat uns eine gelehrte Barbarei zugezogen."



Weender Landstraße, Ecke Güterbahnhofstraße: Heute eine typische gesichtslose Straßenkreuzung an der Ausfallstraße nach Norden. Hier befand sich früher, 700 Meter von der Innenstadt entfernt, vor den Toren der Stadt und ganz im Grünen gelegen, Lichtenbergs Gartenhaus.
1787 pachtete er Grundstück samt Haus. So sah es um 1900 aus...
...und so einige Jahre früher, von der Gartenseite her, bevor man es verputzt hatte. Aber auch die Holzverkleidung ist nicht original: Dahinter verbirgt sich das ursprüngliche Fachwerk. Besonders seit dem Ausbruch seiner schlimmen Krankheit 1789 war das Gartenhaus Schutz- und Rückzugsort, wo Lichtenberg oft den ganzen Sommer über lebte.
Die gute Stube. Lichtenberg scheute keinen Aufwand, es sich hier so schön wie möglich zu machen. In einem Brief vom 7. Mai 1790 schreibt er darüber an seinen Verleger Dieterich. »Die Stube ist fertig und schön, nur haben die Schlingels die Borte [unter der Decke] zu breit gemacht, ob ich gleich 10 mal das Gegentheil befohlen habe. Aber jeder hat seinen eignen Geschmack, einen ändern haben die Professoren und einen ändern die Weißbinder.« (An Johann Christian Dieterich, 7. Mai 1790, Bw 3, Nr. 1714) Von diesem Zimmer beobachtete Lichtenberg auch mit einem Fernrohr das traurige Begräbnis seines Professoren- und Dichterkollegen Gottfried August Bürger, der am 13. Juni 1794 auf dem nahe gelegenen Batholomäus-Friedhof beigesetzt wurde.
Lichtenbergs eigenhändige Skizze des berühmten y-förmigen Blitzableiters aus Blei, den er an seinem Gartenhaus anbringen ließ. Reste davon waren bis Ende des 19. Jahrhunderts vorhanden, sollen dann aber zum Bleigießen in einer Silvesternacht verbraucht worden sein.
Als das Haus 1907 vom Abriss bedroht wurde, kaufte es kurzentschpossen der Oberpostassistent und Kommunalpolitiker Heinrich Susebach "um es der Nachwelt zu erhalten", ließ es abtragen und als sein Wohnhaus im Brauweg wieder aufstellen - im ursprünglichen Zustand als Fachwerkhaus. Heute ist die Adresse Brauweg 38.
Dies ist der heutige Zustand des Gartenhauses.



Von 1775 bis 1799 wohnte Lichtenberg im Hause seines Freund Johann Christian Dietrich, der gleichzeitig auch sein Verleger war, in der Gotmarstraße 1.
Bis 1777 bewohnte er dort einige Zimmer im 2. Stock mit Blick zur Gotmarstraße.
Danach zog er in den zur Prinzenstraße gelegenen Gebäudeteil. Hier hielt er sein berühmten Vorlesungen zur Experimentalphysik und ließ zum Beispiel von seinem Balkon mit Wasserstoff gefüllte Ballons steigen, die er mittels elektrischer Funken zur Explosion brachte.
Das Haus, das Lichtenberg damals bewohnte, ist heute das Künstlerhaus



Die Paulinerstraße in Göttingen mit dem Kirchplatz. Im mittleren Hause Rechts (3. Tür Von Vorn) war Lichtenbergs Studentenwohnung 1764-1767. (Stammbuchblatt nach G. D. Heumann). Hier erlebte der Student Lichtenberg 1767 ein für Göttinger Verhältnisse starkes Erdbeben:
"Von einem hier bemerkten ziemlich starken Erdbeben, haben wir die Nachrichten zwener hier studierender, Hr. Erxleben und Hr. Lichtenberg, erhalten, aus denen wir jetzo das Wesentliche in einem Auszuge mittheilen wollen. Ihre Erzählung ist desto zuverläßiger, und so weit sich bey einer Begebenheit, die sich plötzlich ereignet, erhalten lässt, lehrreicher, da sich beyde mit besondern und glücklichem Fleisse auf die Kenntniß der Natur und die Mathematik gelegt haben, und ihnen die Einsichten und Fertigkeiten geschickter Beobachter nicht ermangeln. Sie wohnen beyde in einem Hause [bei Goldschmied Knauer, Paulinerstraße 3], Hr. Lichtenberg eine Treppe, Hr. Erxleben zwey Treppen hoch. In der Nacht zwischen den 12 und 13ten April, etwa 20 Minuten nach 12 Uhr, bemerkte jeder in seiner eigenen Wohnstube, an dem Tische, woran er las, eine Erschütterung: Gläser mit Naturalien, in einem Schranke, schlugen gegen einander; Mineralien, die auf dem Tische lagen, rollten durch einander. Hr. E. empfand die Bewegung in allen Wänden des Zimmers, selbst im Fußboden, daß er im Aufstehen vom Stuhle hin und her wankte; Hrn. L. kam es vor, wie die Erschütterung, die ein vorbey fahrender Wagen macht, dergleichen aber nirgends, so wenig als Wind, zu verspüren war. Er stund, sobald er die Erschütterung bemerkt, auf, und fand daß sie noch heftiger worden, und endlich die Fensterscheiben mit grossem Geräusche zu zittern anfiengen. Dieses dauerte ohngefähr 6 Secunden, darauf alles ruhig ward. Hr. E. hat die Dauer etwas länger geschätzt, vielleicht, weil er höher gewohnt. Er hat dabey nicht die geringste Übelkeit empfunden, dagegen Hr. L. nöthig hatte, sich solche durch etwas Wein zu vertreiben. Vögel in Käfichen, fiengen plötzlich an, unordentlich herum zu fliegen."
Heutige Ansicht des Hauses in der Paulinersrraße. Das ganze Viertel wurde um 1990 auswändig originalgetreu restauriert, nachdem man, in den Wahnvorstellungen der ‘autogerechten Stadt’ befangen, lange vorhatte, es abzureißen und dort einen Busbahnhof hinzusetzen.



Auf dem Bartholomäus-Friedhof vor den ehmemaligen Toren der Stadt ruht Georg Christoph Lichtenberg.
Er erlag 1799 seiner Krankheit. Seine Frau überlebte ihn um 49 Jahre und wurde dann an seiner Seite bestattet.



Die alte Göttinger Sternwarte (hier in einem Stich von Heinrich Grape) befand sich in einem alten Turm der Stadtbefestigung zwischen der Nicolaistraße und der Kurzen Straße. Er wurde davor als Mühle benutzt.
Hier observierte Lichtenberg in den Jahren 1766-1774, was sich am Himmel tat. Ob er dabei auch den später nach ihm benannten Mondkrater beobachtet hat? Von einer misslungenen Himmelsbeobachtung berichtet er 1771 in einem Brief an seinen Freund Kästner:
"Last night an unlucky accident, and I may say to my own defence a very rare one with me, made me miss very unastronomically the eclipse. Being very tired and not having slept the night before last, and nobody waking me I slept soundly till it was broad day. If the sky was clear, which is very likely, I missed the best eclipse in this month at least."



Auch eine Art des Nachruhms: Mit einer eigenen Straße wurde Lichtenberg in Göttingen erst 1926 geehrt, als die Wohnungsbaugenossenschaft nördlich der Innenstadt eine große Neubausiedlung errichtete.

Im Frühling macht sie sich ganz hübsch, die Lichtenbergstraße, aber mehr als ein kleines Wohnsträßchen war für Göttingens größten Dichter nicht drin.



Als der Fachbereich Physik der Göttinger Universität zu umfangreich wurde, begann man mit Neubauten in der Bunsenstrasse, die Ende 1905 bezogen wurden. Hier sind also die Nachfolger Lichtenbergs tätig. In diesem großen Gebäudekomplex, der mehrfach erweitert wurde, ist auch heute noch das
I. Physikalische Institut , die Festkörper- und Tieftemperaturphysik, untergebracht, keine Gehminute von unserer Schule entfernt. Leider soll demnächst die gesamte Physik aus den wunderbar gemütlich-physikalisch wirkenden alten Gebäuden in einen Neubau umziehen.
Im Großen Hörsaal finden physikalische Vorlesungen statt, bei denen die Vorführung von Experimenten nach wie vor eine große Rolle spielt...
...immer unter den Augen Lichtenbergs.
Hier muss man klingeln: Aus Sicherheitsgründen kommt hier nicht jeder rein - wir aber schon...
...und gelangen in den Keller wo sich die von Prof. Gustav Beuermann betreute Sammlung bedeutender physikalischer Apparate befindet. Hier gibt es auch noch einige, oft sogar noch funktionstüchtige Geräte aus Lichtenbergs Besitz.



Seit 1976 lehrt man an der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule nach einem integriertem Lehrprinzip, bei dem Hauptschule, Realschule und Gymnasium bis zur 10 Klasse zusammen unterichtet werden. Allein die Hauptfächer sind in Leistungsgruppen getrennt.
Die Initiatoren dieser "Integrierten Gesamtschule" beziehen sich auf den folgenden Ausspruch Lichtenbergs: "Man muß etwas neues machen, um etwas neues zu sehen."



Zur Homepage unserer Schule geht es hier.