Die Paulinerstraße in Göttingen mit dem Kirchplatz. Im mittleren Hause Rechts (3. Tür Von Vorn) war Lichtenbergs Studentenwohnung 1764-1767. (Stammbuchblatt nach G. D. Heumann). Hier erlebte der Student Lichtenberg 1767 ein für Göttinger Verhältnisse starkes Erdbeben:
"Von einem hier bemerkten ziemlich starken Erdbeben, haben wir die Nachrichten zwener hier studierender, Hr. Erxleben und Hr. Lichtenberg, erhalten, aus denen wir jetzo das Wesentliche in einem Auszuge mittheilen wollen. Ihre Erzählung ist desto zuverläßiger, und so weit sich bey einer Begebenheit, die sich plötzlich ereignet, erhalten lässt, lehrreicher, da sich beyde mit besondern und glücklichem Fleisse auf die Kenntniß der Natur und die Mathematik gelegt haben, und ihnen die Einsichten und Fertigkeiten geschickter Beobachter nicht ermangeln. Sie wohnen beyde in einem Hause [bei Goldschmied Knauer, Paulinerstraße 3], Hr. Lichtenberg eine Treppe, Hr. Erxleben zwey Treppen hoch. In der Nacht zwischen den 12 und 13ten April, etwa 20 Minuten nach 12 Uhr, bemerkte jeder in seiner eigenen Wohnstube, an dem Tische, woran er las, eine Erschütterung: Gläser mit Naturalien, in einem Schranke, schlugen gegen einander; Mineralien, die auf dem Tische lagen, rollten durch einander. Hr. E. empfand die Bewegung in allen Wänden des Zimmers, selbst im Fußboden, daß er im Aufstehen vom Stuhle hin und her wankte; Hrn. L. kam es vor, wie die Erschütterung, die ein vorbey fahrender Wagen macht, dergleichen aber nirgends, so wenig als Wind, zu verspüren war. Er stund, sobald er die Erschütterung bemerkt, auf, und fand daß sie noch heftiger worden, und endlich die Fensterscheiben mit grossem Geräusche zu zittern anfiengen. Dieses dauerte ohngefähr 6 Secunden, darauf alles ruhig ward. Hr. E. hat die Dauer etwas länger geschätzt, vielleicht, weil er höher gewohnt. Er hat dabey nicht die geringste Übelkeit empfunden, dagegen Hr. L. nöthig hatte, sich solche durch etwas Wein zu vertreiben. Vögel in Käfichen, fiengen plötzlich an, unordentlich herum zu fliegen."
Heutige Ansicht des Hauses in der Paulinersrraße. Das ganze Viertel wurde um 1990 auswändig originalgetreu restauriert, nachdem man, in den Wahnvorstellungen der ‘autogerechten Stadt’ befangen, lange vorhatte, es abzureißen und dort einen Busbahnhof hinzusetzen.