Weender Landstraße, Ecke Güterbahnhofstraße: Heute eine typische gesichtslose Straßenkreuzung an der Ausfallstraße nach Norden. Hier befand sich früher, 700 Meter von der Innenstadt entfernt, vor den Toren der Stadt und ganz im Grünen gelegen, Lichtenbergs Gartenhaus.
1787 pachtete er Grundstück samt Haus. So sah es um 1900 aus...
...und so einige Jahre früher, von der Gartenseite her, bevor man es verputzt hatte. Aber auch die Holzverkleidung ist nicht original: Dahinter verbirgt sich das ursprüngliche Fachwerk. Besonders seit dem Ausbruch seiner schlimmen Krankheit 1789 war das Gartenhaus Schutz- und Rückzugsort, wo Lichtenberg oft den ganzen Sommer über lebte.
Die gute Stube. Lichtenberg scheute keinen Aufwand, es sich hier so schön wie möglich zu machen. In einem Brief vom 7. Mai 1790 schreibt er darüber an seinen Verleger Dieterich. »Die Stube ist fertig und schön, nur haben die Schlingels die Borte [unter der Decke] zu breit gemacht, ob ich gleich 10 mal das Gegentheil befohlen habe. Aber jeder hat seinen eignen Geschmack, einen ändern haben die Professoren und einen ändern die Weißbinder.« (An Johann Christian Dieterich, 7. Mai 1790, Bw 3, Nr. 1714) Von diesem Zimmer beobachtete Lichtenberg auch mit einem Fernrohr das traurige Begräbnis seines Professoren- und Dichterkollegen Gottfried August Bürger, der am 13. Juni 1794 auf dem nahe gelegenen Batholomäus-Friedhof beigesetzt wurde.
Lichtenbergs eigenhändige Skizze des berühmten y-förmigen Blitzableiters aus Blei, den er an seinem Gartenhaus anbringen ließ. Reste davon waren bis Ende des 19. Jahrhunderts vorhanden, sollen dann aber zum Bleigießen in einer Silvesternacht verbraucht worden sein.
Als das Haus 1907 vom Abriss bedroht wurde, kaufte es kurzentschpossen der Oberpostassistent und Kommunalpolitiker Heinrich Susebach "um es der Nachwelt zu erhalten", ließ es abtragen und als sein Wohnhaus im Brauweg wieder aufstellen - im ursprünglichen Zustand als Fachwerkhaus. Heute ist die Adresse Brauweg 38.
Dies ist der heutige Zustand des Gartenhauses.