Die folgende chronologische Übersicht über Lichtenbergs Leben übernehmen wir mit freundlicher Genehmigung von Dr. Ulrich Joost von der Internetseite der Lichtenberg-Gesellschaft.

1742: 1. Juli Geburt von G. C. L. in Ober-Ramstadt als 17. und letzte (es überlebten aber nur 5 Kinder die ersten Jahre) seiner Mutter Henriette Katharina, geb. Eckhardt aus Bischofsheim (1696-1764) und des Pfarrers Johann Conrad Lichtenberg (1689-1751).
1745: Umzug der Familie nach Darmstadt (Wohnung neben der Stadtkirche; der Vater ist Stadtprediger, 1750 Superintendent). L. besucht die Stadtschule.
1751: Tod des Vaters, Umzug der Familie ins Haus des Onkels Graupner (heute Luisenstraße).
1752: Eintritt in die Tertia des Darmstädter Pädagogiums; bleibt bis 16. 9. 1761 (wohl v. a. wegen des Siebenjährigen Krieges 3 Jahre statt einem in der univ.-propädeutischen Selecta!); verlässt Darmstadt (für immer) erst im Mai.
1763: Am 21. Mai Immatrikulation an der Georgia Augusta in Göttingen; bis 1767 Studium der Mathematik, Physik, ziviler und milit. Baukunst, Ästhetik, engl. Sprache und Lit., Staatengeschichte Europas, Diplomatik (Urkundenlehre) und Philosophie. 2 Jahre genießt er ein knappes landgräfl. Stipendium (jährlich 200 Gulden plus 30 Gulden Reisegeld, das sind ca. 245 Taler); danach ernährt er sich selbst mit Stundengeben, Korrigieren beim Buchdrucker und Verfassen von Gelegenheitsgedichten.
Jahreswechsel 1764/1765: Beginn der überlieferten Merkbuch-Aufzeichnungen (seit 1825 "Aphorismen", heute unter Anwendung von Lichtenbergs selbstironischem Ausdruck gern "Sudelbücher" genannt). Lebenslang fortgeführt (bis Buch "L"); fast vollständig (ca. Verlust) überliefert.
1766: Beginn der unter Kästners Anleitung betriebenen astronomischen Arbeit auf dem Göttinger Observatorium (bis 1774).
1767: 17. Aug. Ernennung zum "2. Professor in der Mathematik" und "öffentlichen Lehrer der Englischen Sprache" in Gießen - nie angetreten.
1770: 25. März erste Reise nach England (bis Mitte Mai). Ende Mai Ernennung zum Prof. philosophiae extraordinarius in Göttingen. Lichtenberg kündigt Vorlesungen an über mathematische Probleme, ausgewählte Kapitel zu astronomischen Berechnungen, Himmelsbeobachtungen (Programmschrift: "Betrachtungen über einige Methoden, eine gewisse Schwierigkeit in der Berechnung der Wahrscheinlichkeit beym Spiel zu heben" - über das sogen. ,Petersburger Problem’).
März 1772 bis November 1773: bestimmt Lichtenberg die geographische Position von Hannover, Osnabrück und Stade astronomisch, um bei der geodätischen Landvermessung die Karten einmessen zu können (Ergebnisse gedruckt 1776).
1774: 13. 4. Aufnahme als Außerordentliches Mitglied in die Mathematische Klasse der Königlichen Sozietät der Wissenschaften zu Göttingen (seit Jan. 1779 durch allgemeine Anhebung aller Ordentliches Mitglied). Aug. 2. Reise nach England: bis Dezember 1775.
1777: April Lichtenberg entdeckt durch Zufall beim Abschleifen der Harzplatte seines Elektrophors die nach ihm benannten, auf Gleitentladung beruhenden Figuren (Bericht „De nova methodo naturam ac motum fluidi electrici investigandi. Commentatio prior“ erscheint erst 1778); erstmals lässt sich mit ihnen ad oculos demonstrieren, dass positive und negative Elektrizität unterschiedlich erscheinen: Lichtenberg setzt damit die von Franklin vorgeschlagenen Zeichen +/- durch.
1780: Juni Bau des ersten Blitzableiters in Göttingen (an seinem Gartenhaus). "Observationes super dubiis quibusdam circa aptitudinem vulgatae mensurae sortis". [Vortrag, nochmals zum Petersburger Problem, vor der Sozietät der Wissenschaften, nicht überliefert.]
1782: Juli/Aug. Krankheit und Tod von Lichtenbergs großer Liebe Marie Dorothea Stechardin.
1783: Nov. intensive Versuche mit ,aerostatischen Maschinen’ (Ballons); Plan e. eigenen Aufstiegs (nicht zustande gekommen).
1784: "Johann Christian Polycarp Erxlebens Anfangsgründe der Naturlehre. 3. Aufl. Mit Zusätzen von G. C. Lichtenberg". Es folgen noch weitere drei Überarbeitungen Lichtenbergs (1787. 1791. 1794); bis zur Jahrhundertwende ist seine Ausgabe das führende Physiklehrbuch an deutschen Hochschulen (besonders auch im katholischen Reich); es erscheinen mindestens 5 unrechtmäßige Nachdrucke der versch. Auflagen und Übersetzungen ins Russische, Polnische (1788) und Dänische (1790), angeblich sogar (bislang nicht nachgewiesen) ins Niederländische (1785), geplant war eine ins Italienische.
1789: 5. Okt. Beginn der großen Krankheit (krampfartige Asthmaanfälle mit schwerster Atemnot als Folge der Lungeninsuffizienz durch den Buckel), die ihn nun bis zu seinem Tod begleiten wird; daher Eheschließung mit M. E. Kellner (sie schenkte ihm zwischen 1784 und 1797 8 Kinder, wovon bei seinem Tod noch 5 lebten).
1793: 11. April Ernennung zum Mitglied der Royal Society in London.
1799: 24. Feb. Letzte Krankheit (Lungenentzündung aus denselben Ursachen wie der akute Schub zehn Jahre zuvor) und Tod Lichtenbergs.