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"Du weißt nicht einmal aus einem Teil des Leibes zu sagen, wie der andere aussieht, und willst aus dem Leib auf den Geist schließen."


Johann Caspar Lavater ( 1741-1801 ) , ein aus der Schweiz stammender evangelischer Theologe, wurde unter anderem durch seine Schriften zur Physiognomik ( "Von der Physiognomik", 1772 ; "Physiognomische Fragmente zur Beförderung der Menschenkenntniß und der Menschenliebe", 1775-1778 ) bekannt. In diesen Werken vertrat er die Überzeugung, dass die hauptsächlich durch die Silhouette zu gewinnende Erkenntnis der unbewegten Gesichtszüge des Menschen Aufschluss über den jeweiligen Charakter des Menschen gibt. Seine Beurteilungen und Kategorisierungen lösten eine Welle des Zuspruchs in ganz Europa aus. Zu seinen Freunden und Verehrern zählten hochrangige Persönlichkeiten wie Herder und Goethe, welchen er 1774 zum ersten Mal traf. Doch seine Studien fanden nicht nur Anklang, sie wurden ebenso oft als menschenfeindlich kritisiert und verhöhnt.
Einer der wohl bekanntesten Kritiker der Physiognomik Lavaters war Georg Christoph Lichtenberg, welcher die "Raserei der Physiognomik" zutiefst verabscheute. Dies mag daran gelegen haben, dass er diese Wissenschaft auf Grund seiner schwächlichen Konstitution und seiner außerordentlich geringen Körpergröße als persönlichen Affront gedeutet haben könnte. In seiner Satire "Ein Fragment von Schwänzen" gab er vor, aus Silhouetten von Schweine- und Hundeschwänzen sowohl als auch aus Zöpfen seiner Stundenten auf die Wesensart des jeweils Betreffenden schließen zu können, was purer Spott war.
Doch nicht nur damals war die Physiognomik ein brisantes Thema. Während des dritten Reiches wurde die Wissenschaft missbraucht um die Rassenideologie des NS-Regimes zu durchsetzen. Viele Physiognomen der Zeit beriefen sich auf Lavater als großem Vorbild.

Hierzu bleibt nur noch zu erwähnen,dass Lavater seine Physiognomik nicht dazu benutzt bestimmte Volksgruppen hervorzuheben oder als minderwertig einzustufen, wie dies in der NS-Zeit üblich war. Er wollte den Menschen keinen Schaden zufügen, sondern sah seine Tätigkeit als Physiognom als eine Wissenschaft, deren nähere Beschäftigung nützlich für zukünftige Generationen sein könnte.



Mit Lichtenbergs Fragment von Schwänzen als Vorbild erstellten wir eine ähnliche Parodie der Physiognomik mit aktuellem Bezug:




Ohrus Tomatus Draufus
Warnung: Akute Taubheitsgefühle quälen diese Art von Menschen. Meist verstehen sie nichts von dem was in ihrem Umfeld geschieht. Planlos irren sie durchs Leben, ihr Wortschatz umfasst meist nur die Worte: "Wie bitte?", "Was war das noch mal?" oder "Was?". Auf Dauer ist dies sehr ermüdend, weshalb sie von den meisten Menschen gemieden werden. Am wohlsten fühlen sie sich in der Umgebung von Greisen, da diese ähnlichen Problemen mit der Akustik zu begegnen haben.
Ohrus Ludera
Meist bei leichten Frauen vorzufinden. Markant ist der ringartige Ohrfortsatz, welcher von Männern meist als Kleiderhaken benutzt wird. Menschen dieser Gattung werden im Allgemeinen als sehr extrovertiert empfunden. Der Name Dieter Bohlen wirkt auf diese Menschengruppe wie ein Aphrodisiakum und führt meist nebst der geistigen, auch zur physischen Offenheit.
Ohrus Genmanipuliertus
Der ganze Stolz der medizinischen Technik ruht in dieser interessanten Variante. Auch wenn dieser Mensch letztlich nur das Produkt intensiven Gen-Engineerings ist, so ist der doch noch ein Mensch, und als solcher übermenschlich gut in praktisch allen Dingen. Als Musiker nicht weniger bestechend als in der Rolle des Hochleistungssportler. Mit einem IQ von 180, und einer exorbitanten Fruchtbarkeit, der Zugewinn für unseren Genpool.
Ohrus Angebissus
Im Volksmund auch als Tyson-Ohr bekannt. Diese Art des Ohres, lässt meist auf einen äußerst zerfressenen Charakter schließen. Menschen dieses Schlages lassen sich meist mit äußerst aggressiven Cholerikern ein, die Folgen sind Bissspuren am ganzen Körper, besonders ausgeprägt in der Ohrregion. Das Gefühl, dass ihnen etwas fehlt, treibt sie zur reger Kontaktfreudigkeit, was sie zu sehr umgänglichen Menschen macht.
Bartus Wikingerensis
Die Träger dieses Bart-Typus leiden meist an chronischer Blödheit. Schon die Färbung verrät uns: Dieser Mensch ist dumm wie Stroh. Als berufliche Perspektive bleibt diesem Typ Mensch, meist nichts weiter, als eine Anstellung bei einem schwedischen Möbelhaus. Diese Art der Bartträger, ist sehr tierlieb, insbesondere blonden Elchen fühlt sie sich geistig verbunden.
Bartus Terroristus Potentialis
Achtung: Akute Gefahr geht von diesem seltenen Exemplar aus. Oft lebt er in der Nähe von Flughäfen oder islamistischer Ausbildungscamps. Seine ständigen Begleiter sind die Rasterfahnder. Er ist jedoch vielseitig interessiert, vom Fliegen, bis hin zu den Bauplänen von Flugzeugen, ist er für alles zu begeistern. In seiner Freizeit entwirft er meist modische Kopftücher für Barbiepuppen.
Bartus Barbarrossacus
Dieser Typ der Gesichtsbehaarung wird meist von sehr frommen, tief in ihrer Religion verwurzelten Herren getragen. Mit seiner anmutenden Röte umgibt er seinen Träger mit monarchischer Würde. Nichtsdestotrotz ist auch bei ihnen ein gewaltiges Aggressionspotential vorzufinden, was klar an dem teils wirren Wuchs des Bartes zu erkennen ist. Wie Speere bohren sich die Haare durch die Haut, wie Speere so können diesen Menschen die eigenen Gedanken durchbohren, wenn er Nachts in seinen Träumen von seinen Gewaltphantasien heimgesucht wird. Träger eines, in dieser Form wachsenden Bartes, neigen zum Tod durch Ertrinken.
Bartus Lochfraßus
Träger eines solchen Bartes neigen meist zur Unvollkommenheit. Wie ihr Bart, so ist auch ihr Charakter voller Lücken. Der spärliche Büschelwuchs offenbart uns Orientierungslosigkeit und geistige Kahlheit. Klar zu erkennen an der Haardichte: Die Träger des Bartus Lochfraßus, haben von Natur aus nur geringe Reproduktionsraten, da sie häufig von evtl. Partnern als zu unmaskulin angesehen werden. Ihr volkswirtschaftlicher Nutzen ist somit nicht sehr groß, was ihre Existenz entbehrlich macht.
Bartus Schmierigus
Dieser Typ von Bart lässt auf einen ganz und gar anekelnden, abstoßenden, widerlichen Charakter schließen. Der fettig-glänzende Aufbau der Bartstruktur weist darauf hin, dass man mit diesem Bart den Inbegriff des nicht emanzipierten Machos von vorgestern vor sich hat. Das Wesen ist gänzlich schmierig und man möchte meinen, dass sich dieser Typ von Mensch, gleich einer Schnecke, auf seiner eigenen Schleimspur fortbewegen. Dringende Empfehlung bei evtl. Begegnung: Auf Abstand gehen



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