Bernd Kessens „Liebe ist mehr als ein Gefühl von Leidenschaft“
Getanzte Liebe Flamenco
Roman



Dieser Roman ist nicht nur ein spannender Liebesroman, sondern darüber hinaus befasst er sich mit dem Charakter einer Person, die in dieser leistungsorientierten Welt nur schwer zurecht kommt und die ihm über den Kopf zu wachsen scheint.

Ein junger Mann, ein Student, der lieber malt als studiert, der lieber liest als arbeitet, verschwindet – anscheinend ohne Grund - Hals über Kopf aus Münster, um in Andalusien die spanische Sonne zu genießen.

Doch er bleibt in Salamanca hängen, wo er Anna, eine Flamencotänzerin trifft, die sich anschickt, den Flamenco-Wettbewerb von Spanien zu gewinnen.

Zwischen ihnen entwickelt sich rasch eine Freundschaft, die schnelle intensive Verliebtheit setzt ein, das Gefühl der Seelenverwandtschaft, und sie verbringen bei Flamenco und Gitarrenmusik leichte Tage. Der Leser nimmt an ihren Fahrten durch die heiße spanische Landschaft teil, als wäre er selbst dabei. Doch Anna ist verlobt mit einem Mann, der die spanische Tradition verkörpert.

Die Freundschaft der beiden Verliebten, ihre Liebe, die leicht und beschwingt beginnt, stößt deshalb schnell auf spanische Widerstände, auf den Stolz, auf starre Familienstrukturen, auf die Tradition, und was so beginnt, ist voller Spannung, ja letztlich voller Dramatik, die sich dann in für den Leser überraschenden Form in Merida entlädt, dort wo dieser Flamenco-Wettbewerb stattfinden soll.

Doch auch der Student, der sich in erster Linie dem Malen widmet, ist nicht frei von alten Hypotheken. Aus Deutschland meldet sich seine deutsche Freundin Birgit, die ihn besuchen will.

So ist er hin und her gerissen zwischen Spannung, Treue und Zuneigung.

Spätestens hier merkt mancher Leser, dass Kessens ein Thema aufgreift, das einige literarische Vorlagen hat, und das gerade in diesem Jahr, in dem Goethes 250. Geburtsatg vor einigen Tagen gefeiert wurde. Denn dieser Roman zeigt in vielen Handlungen und zum Teil auch in der Aussageabsicht Parallelen oder Entsprechungen mit Goethes Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“. Doch zeichnet Kessens einen realistisch eingestellten Menschen, einen modernen Werther, nicht einen, der wie Goethes Werther scheitert oder wie Plenzdorfs Werther einem Stromschlag erliegt. Kessens stellt ihn wieder auf die Füße: eine eigenwillige, engagierte Deutung.

Die Sprache dieses spannenden Romans ist ohne Übertreibungen, der Stil ist klar, insgesamt flott geschrieben. Von besonderem Interesse sind die Beschreibungen über den Tanz, hier den Flamenco, über seine Wirkung auf die Menschen respektive Zuschauer und insbesondere auf die Tänzer und Tänzerinnen.